Hildegard von Bingen: Was am 17. September wirklich gefeiert wird
Am 17. September ist der Gedenktag der heiligen Hildegard von Bingen. Das Datum erinnert an ihren Tod am 17. September 1179 im Kloster Rupertsberg bei Bingen – nicht an ihren Geburtstag. Im Jahr 2026 fällt der Gedenktag auf einen Donnerstag. In Rüdesheim-Eibingen wird das Hildegardisfest mit Gottesdiensten, Reliquienverehrung und einer Prozession begangen.
Ein Klostergarten im September: Kräuter stehen zwischen abgeernteten Beeten, auf den Wegen liegt das Licht des Spätsommers, und manches erinnert daran, wie eng Garten, Küche und Jahreszeiten zusammengehören. Wer dabei an Hildegard von Bingen denkt, begegnet allerdings nicht nur einer historischen Persönlichkeit. Er begegnet auch einem Bild, das spätere Generationen von ihr geschaffen haben.
Denn zwischen der Benediktinerin des 12. Jahrhunderts und heutigen Kräutermischungen, Ernährungskonzepten oder vermeintlichen Hildegard-Zitaten liegen viele Jahrhunderte. Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick: Was wird am 17. September gefeiert? Welche Schriften sind überliefert? Und was können Gartenfreunde aus dieser Tradition mitnehmen, ohne aus Geschichte ein Heilversprechen zu machen?
Stand der Veranstaltungsangaben: 15. September 2026.
Warum der 17. September Hildegards Gedenktag ist
Hildegard von Bingen starb am 17. September 1179 auf dem Rupertsberg. Dieser Todestag ist der feste Bezugspunkt ihres kirchlichen Gedenkens.
Das Geburtsjahr Hildegards wird mit 1098 angegeben. Wer den 17. September als ihren Geburtstag bezeichnet, verwechselt daher den Anlass des Festes: Gefeiert wird die Heilige und ihr geistliches Erbe an ihrem Gedenktag.
Eine wichtige kirchliche Einordnung kam 2021 hinzu. Damals wurde Hildegards Feier als nicht gebotener Gedenktag in den Römischen Generalkalender aufgenommen. „Nicht geboten“ ist dabei eine liturgische Bezeichnung: Die Feier kann begangen werden, ist aber nicht überall verpflichtend. An besonders mit ihr verbundenen Orten erhält das Gedenken einen eigenen festlichen Charakter.
Der Hildegard-Gedenktag ist somit weder ein moderner Kräuteraktionstag noch ein Fest zur Bestätigung bestimmter Naturheilmittel. Im Mittelpunkt steht eine Frau, deren Wirken Religion, Musik, Schreiben, Gemeinschaft und Naturbetrachtung umfasste.

Hildegardisfest 2026: Das Programm am 17. September
Für Donnerstag, den 17. September 2026, ist in Eibingen folgendes Festprogramm veröffentlicht:
| Uhrzeit | Veranstaltung | Ort |
|---|---|---|
| 8:00 Uhr | Choralamt | Abteikirche St. Hildegard |
| 10:00 Uhr | Feierliches Pontifikalamt mit Bischof Dr. Peter Kohlgraf aus Mainz | Kirchplatz vor der Wallfahrtskirche in Eibingen |
| 12:00 Uhr | Reliquienverehrung | Wallfahrtskirche in Eibingen |
| 15:00 Uhr | Reliquienfeier mit Festansprache, anschließend Reliquienprozession durch den alten Ortskern | Beginn vor der Wallfahrtskirche in Eibingen |
| 17:30 Uhr | Hildegard-Vesper | Abteikirche St. Hildegard |
Wichtig für Besucher: Abteikirche und Wallfahrtskirche sind zwei unterschiedliche Veranstaltungsorte. Nicht das gesamte Programm findet auf dem Gelände der heutigen Abtei statt.
Das Choralamt ist eine gesungene Messfeier. Die Vesper gehört zum kirchlichen Abendgebet. Bei der Reliquienverehrung und der Prozession steht die Erinnerung an die Heilige im Mittelpunkt.
Wer das Hildegardisfest besuchen möchte, sollte kurz vor der Anreise die Hinweise der Veranstalter prüfen. Das veröffentlichte Programm und die weiterführenden Informationen sind im Quellenabschnitt am Ende dieses Artikels verlinkt.
Wer war Hildegard von Bingen – jenseits der Kräuterbücher?
Hildegard war eine Benediktinerin, geistliche Autorin, Komponistin und Leiterin einer klösterlichen Frauengemeinschaft. Ihre Lebensgeschichte ist besonders mit dem Disibodenberg, dem Rupertsberg bei Bingen und Eibingen verbunden.
Nach dem Tod Juttas von Sponheim übernahm Hildegard 1136 die Leitung der Frauengemeinschaft auf dem Disibodenberg. Um 1150 zog sie mit ihren Mitschwestern in das neu errichtete Kloster auf dem Rupertsberg. 1165 kam die Gründung eines weiteren Klosters in Eibingen hinzu.
Zu ihrem Werk gehören theologische Visionsschriften, geistliche Gesänge und ein umfangreicher Briefwechsel. Sie schrieb nicht nur über Pflanzen oder Ernährung, sondern über das Verhältnis von Gott, Mensch und Welt, über Verantwortung und die Gestaltung des Lebens.
Am 7. Oktober 2012 erhob Papst Benedikt XVI. sie zur Kirchenlehrerin. Dieser Titel würdigt ihre Bedeutung für die Glaubenslehre. Er ist kein medizinisches Gütesiegel für Rezepte oder Produkte, die heute ihren Namen tragen.
Wer Hildegard ausschließlich als „Kräuterfrau des Mittelalters“ vorstellt, macht ihre Geschichte deshalb kleiner, als sie ist. Ihr Pflanzenwissen gehört dazu – es ist aber nur ein Teil eines wesentlich umfassenderen Werkes.
Welche Schriften über Natur und Heilkunde sind überliefert?
Mit Hildegards naturkundlichem und heilkundlichem Werk werden vor allem zwei Titel verbunden: Physica und Causae et curae. Ihre Entstehung wird im Kern in die Mitte des 12. Jahrhunderts eingeordnet. Die heute vorliegenden Texte haben jedoch eine komplizierte Überlieferungsgeschichte.
Physica: Naturkunde, nicht nur ein Kräuterbuch
Die Physica beschäftigt sich mit belebter und unbelebter Natur. Neben Pflanzen und Bäumen behandelt sie unter anderem Tiere, Steine, Elemente und Metalle.
Das ist wichtig für das Verständnis: Hildegards Naturbetrachtung lässt sich nicht auf ein modernes Heilpflanzenlexikon reduzieren. Sie ordnet die Dinge in ein mittelalterliches Weltbild ein und beschreibt ihre Eigenschaften sowie die ihnen zugeschriebenen Wirkungen.
Bezeichnungen wie „warm“ oder „kalt“ sind dabei nicht einfach Temperaturangaben. Sie gehören zu damaligen Vorstellungen über die Beschaffenheit von Natur und Mensch.
Causae et curae: Krankheit im Weltbild des Mittelalters
Causae et curae wird gewöhnlich mit „Ursachen und Behandlungen“ beziehungsweise „Ursprung und Behandlung der Krankheiten“ wiedergegeben. Der Text verbindet Vorstellungen über die Weltordnung mit Aussagen über Krankheit, Lebensführung und Behandlung.
Die beiden Werke werden häufig auf einen ursprünglich zusammengehörenden naturkundlich-medizinischen Textbestand zurückgeführt. Wie dieser Bestand genau aussah und wie die später überlieferten Fassungen entstanden, ist Gegenstand der Forschung.
Historisch überlieferte Heilkunde ist nicht dasselbe wie eine nach heutigen Maßstäben geprüfte Behandlung. Diese Unterscheidung schmälert den Wert der Texte nicht. Sie hilft vielmehr, sie in ihrer eigenen Zeit zu verstehen.
Warum nicht jeder überlieferte Satz zweifelsfrei Hildegards Originalwortlaut ist
Die naturkundlich-medizinischen Schriften liegen nicht als vollständig erhaltenes, von Hildegard selbst geschriebenes oder autorisiertes Original vor. Die Forschung arbeitet mit unterschiedlichen Handschriften, späteren Abschriften, Fragmenten und Editionen.
Die wissenschaftliche Quellendatenbank „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“ macht auf diese Schwierigkeiten ausdrücklich aufmerksam. Für die Physica besitzen die Handschriften unterschiedlichen Umfang und unterschiedliche Bedeutung für die Rekonstruktion des Textes. Bei Causae et curae bestehen zudem Fragen nach der genauen Zuschreibung der überlieferten Werkgestalt.
Daraus folgt nicht, dass Hildegard mit Naturkunde nichts zu tun gehabt hätte. Es folgt aber ebenso wenig, dass jeder Satz einer modernen Rezeptsammlung unverändert aus ihrem Mund stammt.
Wer eine konkrete Empfehlung überprüfen möchte, braucht deshalb mehr als den Zusatz „nach Hildegard von Bingen“. Hilfreich sind die Angabe des Werkes, eine nachvollziehbare Textstelle und eine wissenschaftlich betreute Ausgabe oder Übersetzung.
Eine alte Textstelle belegt zunächst, dass eine Vorstellung überliefert wurde. Sie belegt nicht automatisch ihre medizinische Richtigkeit.
Hildegard von Bingen und Kräuter: Drei Beispiele für einen genauen Blick
Wie viel eine sorgfältige Einordnung ausmacht, lässt sich an einzelnen Pflanzen erkennen. Dabei geht es nicht darum, historische Anwendungen nachzumachen, sondern Überlieferung und spätere Zuschreibungen auseinanderzuhalten.
Fenchel: Eine belegte Erwähnung ist noch keine allgemeine Heilempfehlung
Fenchel wird im Pflanzenbuch der Physica behandelt. In der überlieferten Beschreibung stehen unter anderem Verdauung und körperliches Wohlbefinden im Vordergrund.
Bemerkenswert ist der Vergleich mit anderen historischen Autoren: Nicht alle Anwendungen, die im Mittelalter mit Fenchel verbunden wurden, finden sich auch bei Hildegard. Die Forschergruppe Klostermedizin weist beispielsweise darauf hin, dass Husten in ihrer Fenchelbeschreibung nicht als Anwendungsgebiet erscheint.
Damit wird ein häufiger Fehler sichtbar: Was irgendwann über eine Pflanze geschrieben wurde, darf nicht unterschiedslos Hildegard zugeschrieben werden. „Im Mittelalter verwendet“ und „von Hildegard beschrieben“ sind zwei verschiedene Aussagen.
Ringelblume: Die spätere Bedeutung nicht in den alten Text hineinlesen
Auch die Ringelblume wird mit Hildegards Werk verbunden. In der Physica erscheint die Bezeichnung „Ringele“; die historische Fachliteratur verweist hierfür auf Buch I, Kapitel 122.
Die Forschergruppe Klostermedizin widerspricht allerdings der Vorstellung, Hildegard habe die Pflanze besonders herausgehoben oder ihr ein außergewöhnlich breites Anwendungsspektrum zugeschrieben.
Das Beispiel zeigt: Selbst bei einer tatsächlich erwähnten Pflanze können spätere Darstellungen ihre Bedeutung vergrößern. Ein einzelner Eintrag wird dann nachträglich zu einer umfassenden Heiltradition ausgebaut.
Dinkel: Überlieferter Bestandteil, nicht automatisch der Mittelpunkt des Werkes
Dinkel gehört ebenfalls zur Hildegard-Rezeption. Die historische Forschung betont jedoch, dass seine Stellung in den Texten weniger dominant ist, als manche populäre Darstellung seit den 1970er-Jahren vermuten lässt.
Aus einer überlieferten Wertschätzung eines Lebensmittels lässt sich weder eine ausschließlich darauf ausgerichtete Ernährung noch ein universelles Heilversprechen ableiten.
Für alle drei Beispiele gilt deshalb dieselbe hilfreiche Frage: Was steht tatsächlich im Text – und was wurde später ergänzt, vereinfacht oder besonders hervorgehoben?

Was später unter „Hildegard-Medizin“ daraus wurde
Die heutige „Hildegard-Medizin“ ist nicht einfach ein unverändert überliefertes Behandlungssystem aus dem 12. Jahrhundert. Ihre moderne Ausprägung ist wesentlich mit dem 20. Jahrhundert verbunden. Der Arzt Gottfried Hertzka führte die entsprechende Bezeichnung 1970 ein und berief sich dabei auf Hildegards Schriften.
Damit müssen drei Ebenen unterschieden werden: die mittelalterlichen Texte, ihre spätere Deutung und die medizinische Bewertung heutiger Anwendungen.
Ein modernes Produkt kann sich auf eine historische Pflanze beziehen und trotzdem eine neue Zusammenstellung sein. Eine heutige Ernährungsempfehlung kann von einem alten Text angeregt worden sein, ohne selbst ein mittelalterliches Original zu sein.
Das macht jede moderne Weiterentwicklung weder wertlos noch falsch. Es bedeutet aber, dass sie als solche erkennbar bleiben sollte.
„Nach Hildegard“ beschreibt zunächst einen behaupteten Traditionsbezug. Es ersetzt weder den historischen Nachweis noch die Prüfung von Wirksamkeit und Sicherheit.
Historische Behandlungsvorschläge sollten daher nicht unkritisch zur Selbstbehandlung übernommen werden. Bei Beschwerden sind ärztliche oder pharmazeutische Beratung die geeigneten Anlaufstellen.
Was Hildegards „Grünkraft“ mit Natur zu tun hat
Ein Begriff, der in Hildegards geistlicher Gedankenwelt eine besondere Rolle spielt, ist die Grünkraft. Die Abtei St. Hildegard erläutert sie im Zusammenhang mit Gottes lebensspendender Kraft, die die Schöpfung durchdringt.
Diese Vorstellung ist mehr als eine poetische Beschreibung grüner Blätter. Sie gehört zu einem theologischen Verständnis von Leben, Wachstum und Gottes Gegenwart in der Welt.
Wer daraus einen modernen medizinischen Messwert oder eine nachgewiesene Wirkung einer bestimmten Kräutermischung macht, wechselt die Bedeutungsebene.
Als geistliches Bild kann die Grünkraft dennoch berühren: Das Wachsen einer Pflanze wird zum Anlass, über Leben und Vergänglichkeit nachzudenken. Dafür muss man weder mittelalterliche Krankheitsvorstellungen übernehmen noch einem Produkt besondere Heilkräfte zusprechen.
Klostergärten gab es lange vor Hildegard
Hildegard hat den Klostergarten nicht erfunden. Bereits die Regel des Benediktinerordens sah vor, dass sich möglichst auch ein Garten innerhalb des Klosters befinden sollte. Im St. Galler Klosterplan aus dem frühen 9. Jahrhundert sind unterschiedliche Bereiche für Arzneipflanzen, Gemüse und Obstbäume vorgesehen.
Der Garten gehörte damit zu einer umfassenden Lebens- und Wirtschaftsordnung. Er diente der Versorgung, war mit der Krankenpflege verbunden und stand neben anderen Aufgaben der Gemeinschaft.
Wer heute an Klostergärten denkt, sollte deshalb nicht nur ein hübsches Kräuterbeet vor Augen haben. Es ging auch um Nahrung, Arbeit, Vorräte und das Weitergeben von Wissen.
Für den eigenen Garten lässt sich daraus eine praktische Anregung gewinnen: Pflanzen nicht nur nach ihrem Aussehen auszuwählen, sondern auch danach, wie sie im Alltag genutzt und gepflegt werden sollen. Das ist unsere heutige Übertragung – keine belegte Gestaltungsanweisung Hildegards.
Auch ohne großes Grundstück lässt sich ein solcher Nutzgarten-Gedanke aufgreifen. Anregungen für überschaubare Pflanzungen bietet unser Beitrag zum Kräutergarten auf dem Balkon.
Die heutige Abtei ist nicht Hildegards mittelalterliches Klostergebäude
Bei der Suche nach einem „Klostergarten Hildegard“ werden unterschiedliche Orte und Zeitebenen häufig miteinander vermischt.
Die heutige Abtei St. Hildegard oberhalb von Rüdesheim-Eibingen wurde zwischen 1900 und 1904 erbaut. Am 17. September 1904 zogen die ersten Benediktinerinnen in die neue Anlage ein. Sie steht in der Nachfolge der mit Hildegard verbundenen Klöster, ist aber kein erhaltenes Klostergebäude aus ihrem Leben.
Entsprechend sollte ein Garten der heutigen Abtei nicht ohne Beleg als Hildegards persönlich angelegter Garten bezeichnet werden.
Gartenkultur als gelebter Alltag
Wie konkret Gartenarbeit zum neueren Klosterleben gehörte, zeigt die Jahreschronik 2013/2014. Darin erinnert die Gemeinschaft an Schwester Simone, deren große Leidenschaft der Garten war. Noch im Frühsommer 2014 topfte sie vom Rollstuhl aus zahlreiche kleine Tomatenpflanzen um; eine Mitschwester hatte ihr dafür alles vorbereitet.
Diese dokumentierte Szene erzählt mehr über gelebte Gartenkultur als eine ungesicherte Geschichte vom angeblichen Originalrezept. Sie handelt von Erfahrung, gegenseitiger Unterstützung und der Freude, weiterhin mit Pflanzen arbeiten zu können.
Bei einem Besuch gilt allerdings: Ein bewirtschafteter Klostergarten ist nicht automatisch ein frei zugänglicher Schaugarten. Welche Bereiche besucht werden können, sollte vorab anhand der aktuellen Besucherinformationen geklärt werden.
Der Hildegarten in Bingen: Pflanzenwissen mit Blick auf die Quellen
Einen eigenen Zugang zum Thema bietet der Hildegarten am Museum am Strom in Bingen. Er ergänzt die Hildegard-Ausstellung und zeigt Pflanzen, die in ihrer Naturkunde beschrieben werden.
Besonders interessant ist der Umgang mit der Überlieferung: Der Garten macht auch deutlich, dass der ursprüngliche Text der Physica nicht einfach vollständig vorliegt. Ein „Quellenbrunnen“ greift diese Frage gestalterisch auf.
Damit wird nicht nur gezeigt, welche Pflanzen mit Hildegards Werk verbunden sind. Es wird zugleich danach gefragt, woher unser Wissen stammt.
Der Hildegarten ist deshalb als heutiger Vermittlungsort zu verstehen, nicht als unverändert erhaltene Gartenanlage Hildegards. Gerade diese Offenheit macht ihn für Menschen interessant, die Natur und Geschichte gemeinsam entdecken möchten.
Für einen Besuch sollten die aktuellen Öffnungszeiten und Hinweise des Museums geprüft werden. Die offizielle Beschreibung der Stadt Bingen ist am Artikelende verlinkt.
Was Gartenfreunde am 17. September daraus mitnehmen können
Man muss weder eine große Reise unternehmen noch eine besondere Kräutermischung kaufen, um den Hildegard-Gedenktag zum Anlass für einen bewussteren Blick auf den eigenen Garten zu nehmen.
Ein möglicher Anfang ist ein kleines Pflanzentagebuch. Welche Kräuter wachsen an welchem Standort gut? Was wird in der Küche tatsächlich verwendet? Welche Veränderungen zeigen sich im Laufe des Septembers?
Solche Notizen sind eigene Beobachtungen. Sie dürfen neben überliefertem Wissen stehen, sollten aber nicht nachträglich als historische Hildegard-Regeln ausgegeben werden.
Auch ein genauer Blick auf die Bedürfnisse einzelner Pflanzen passt dazu. Nicht jedes Kraut lässt sich im Herbst gleich behandeln. Wer beispielsweise überlegt, wie es mit den Töpfen aus der Sommerküche weitergeht, findet praktische Orientierung in unserem Beitrag Basilikum im Herbst: Reinholen oder lieber abernten?
Und schließlich darf aus Pflanzenwissen schlicht gutes Essen werden. Ein selbst zubereitetes Basilikum-Pesto braucht kein mittelalterliches Herkunftssiegel, um Freude zu bereiten. Es ist ein heutiges Rezept aus der eigenen Küche – und gerade deshalb ehrlich benannt.
Häufige Fragen zu Hildegard von Bingen und dem 17. September
Ist der 17. September Hildegard von Bingens Geburtstag?
Nein. Der Tag wird als ihr Gedenktag begangen und bezieht sich auf ihren Tod am 17. September 1179. Als Geburtsjahr Hildegards gilt 1098.
Wann findet das Hildegardisfest 2026 in Eibingen statt?
Am Donnerstag, dem 17. September 2026. Das veröffentlichte Programm beginnt um 8:00 Uhr mit dem Choralamt in der Abteikirche. Weitere Feiern finden an der Wallfahrtskirche und im alten Ortskern von Eibingen statt. Um 17:30 Uhr ist die Hildegard-Vesper in der Abteikirche vorgesehen.
Hat Hildegard von Bingen tatsächlich über Kräuter geschrieben?
Ja. Pflanzenwissen gehört zu dem mit ihrem Namen überlieferten naturkundlichen Werk, insbesondere zur Physica. Bei konkreten Empfehlungen muss jedoch geprüft werden, welche Textfassung und welche Übersetzung zugrunde liegen.
Sind alle heutigen Hildegard-Rezepte historische Originale?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Ein Rezept kann auf einer alten Textstelle beruhen, modern angepasst oder eine spätere Neuschöpfung sein. Entscheidend ist, ob seine Herkunft nachvollziehbar angegeben wird.
Kann man heute Hildegards ursprünglichen Garten besuchen?
Ein heutiger Garten mit Hildegards Namen ist nicht automatisch ihr ursprünglicher Garten. Die Abtei St. Hildegard entstand in ihrer heutigen Anlage erst um 1900. Der Hildegarten am Museum am Strom ist ein moderner Ort der Vermittlung ihres Pflanzenwissens.
Fazit: Hildegards Erbe braucht keine übertriebenen Versprechen
Der 17. September erinnert an Hildegard von Bingen als Heilige und bedeutende geistliche Persönlichkeit des Mittelalters. Ihr Interesse an Natur und Mensch ist ein Teil dieses Erbes – aber nicht dessen ganze Geschichte.
Wer ihre Texte ernst nimmt, darf nach den Quellen fragen. Wer Klostergärten schätzt, muss sie nicht als unveränderte Überreste des Mittelalters darstellen. Und wer Kräuter liebt, braucht ihnen keine unbelegten Heilkräfte zuzuschreiben.
Vielleicht ist das die schönste Verbindung von Hildegard, Garten und Gegenwart: aufmerksam hinsehen, Wissen weitergeben und dabei ehrlich benennen, was überliefert, was gedeutet und was selbst beobachtet wurde.
Quellen und weiterführende Informationen
Gedenktag und kirchliche Einordnung:
Vatikan: Dekret zur Aufnahme Hildegards in den Römischen Generalkalender, einschließlich deutscher Übersetzung
Benedikt XVI.: Apostolisches Schreiben zur Erhebung Hildegards von Bingen zur Kirchenlehrerin, 7. Oktober 2012
Hildegardisfest 2026:
Abtei St. Hildegard: Hildegardisfest 2026
Pfarrei Rupertsberg: Vollständiges Festprogramm für Eibingen am 17. September 2026
Leben und Werke:
Bistum Mainz: Lebensstationen Hildegards und ihre Erhebung zur Kirchenlehrerin
Abtei St. Hildegard: Die Hauptwerke der heiligen Hildegard
Überlieferung und historische Einordnung:
Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters: Naturkundlich-medizinisches Werk, Handschriften und Editionen
Forschergruppe Klostermedizin: Physica und Causae et curae
Historische Pflanzenbeispiele:
Forschergruppe Klostermedizin: Fenchel, insbesondere der Abschnitt zur historischen Verwendung
Forschergruppe Klostermedizin: Historische Monographie zur Ringelblume
Klostergärten und spätere Hildegard-Rezeption:
ETH Zürich über den Informationsdienst Wissenschaft: Klostermedizin vom Mittelalter bis heute, historische Übersicht von 2009
Abtei St. Hildegard: Die Spiritualität der heiligen Hildegard und die Bedeutung der Grünkraft
Abtei und Gartenkultur:
Abtei St. Hildegard: Geschichte des heutigen Klosters
Abtei St. Hildegard: Jahreschronik Advent 2013 bis Advent 2014
Stadt Bingen: Hildegarten am Museum am Strom – offizielle Beschreibung in englischer Sprache

Hobbykoch, Gartenliebhaber und Autor