31. Brandenburger Landpartie am 13. und 14. Juni 2026: offene Höfe, echte Landwirtschaft und die besten Tipps für deinen Ausflug
Wenn an einem Junimorgen die Feldwege stauben, der Duft von frisch gebackenem Kuchen über den Hof zieht und Kinder zum ersten Mal sehen, wie nah Kuhstall, Kräuterbeet, Bienenstock und Hofladen zusammengehören, dann ist Brandenburger Landpartie. Die 31. Brandenburger Landpartie am 13. und 14. Juni 2026 ist mehr als ein Ausflug aufs Land. Sie ist ein Wochenende, an dem Brandenburg seine Scheunentore öffnet: für Familien, Selbstversorger, Gartenfreunde, Genießer, Berlin-Ausflügler, Naturmenschen und alle, die wissen wollen, woher ihr Essen wirklich kommt.
Unter dem Motto „Landwirtschaft hautnah“ öffnen 2026 landesweit Landwirtschaftsbetriebe, Hofläden, Gärtnereien, Reitbetriebe, Fischereien, Forst- und Weinbaubetriebe ihre Türen. Insgesamt beteiligen sich 135 Gastgeber in 123 Ortsteilen; die zentrale Eröffnungsveranstaltung findet am Samstag auf dem Landwirtschaftsbetrieb Domin in Peickwitz bei Senftenberg statt.
Dieser Artikel ist dein ausführlicher Begleiter: mit den wichtigsten Fakten, konkreten Ausflugstipps, Hofbeispielen, Planungsrouten, Fehlervermeidung, Selbstversorger-Wissen und einem tiefen Blick darauf, warum die Landpartie für regionale Ernährung, Bodengesundheit und Zukunftslandwirtschaft so wichtig ist.
Das Wichtigste zur 31. Brandenburger Landpartie 2026 auf einen Blick
Die 31. Brandenburger Landpartie findet am Samstag, 13. Juni, und Sonntag, 14. Juni 2026 in ganz Brandenburg statt. Unter dem Motto „Landwirtschaft hautnah“ beteiligen sich 135 Gastgeber in 123 Ortsteilen. Besucher erleben offene Höfe, Hofläden, regionale Produkte, Tiere, Feldführungen, Landtechnik, Gärtnereien, Imkereien, Weinbau, Kinderprogramme, Kremserfahrten, Hoffeste und direkte Gespräche mit Landwirtinnen und Landwirten.
Kurz gesagt: Wer an diesem Wochenende nach Brandenburg fährt, bekommt keine Hochglanzkulisse, sondern echte Einblicke: in Tierhaltung, Ackerbau, Agroforst, Kräuteranbau, Direktvermarktung, Imkerei, Hofküche und moderne Landwirtschaft.
Was ist die Brandenburger Landpartie?
Die Brandenburger Landpartie ist das große Wochenende der offenen Höfe in Brandenburg. Sie bringt Menschen aus Stadt und Land zusammen und zeigt, wie regionale Lebensmittel entstehen: auf dem Feld, im Stall, im Gewächshaus, in der Hofkäserei, in der Imkerei, im Kräutergarten oder direkt im Hofladen.
Die Veranstaltung wird von pro agro, dem Landesbauernverband Brandenburg und dem Brandenburger Landfrauenverband organisiert und vom zuständigen Brandenburger Ministerium unterstützt. Laut Ministerium gilt sie als publikumsstärkste Veranstaltung im ländlichen Raum Brandenburgs.
Das Besondere: Die Landpartie ist nicht nur ein Markt oder Hoffest. Sie ist ein Gesprächsangebot. Man kann fragen: Warum gibt es Blühstreifen? Wie funktioniert Agroforst? Was bedeutet muttergebundene Kälberaufzucht? Warum braucht ein Hof Direktvermarktung? Wie kommt Honig ins Glas? Welche Kräuter wachsen auch im trockenen Sandboden? Und warum ist regionale Landwirtschaft oft viel komplexer, als sie vom Supermarktregal aus wirkt?
Genau darin liegt der Wert dieses Wochenendes: Es macht Landwirtschaft greifbar.

Warum sich der Besuch 2026 besonders lohnt
2026 ist die Landpartie inhaltlich besonders stark, weil sie mehrere Zukunftsthemen bündelt: regionale Ernährung, Direktvermarktung, Bio-Anbau, Agroforst, Frauen in Führungspositionen, Tierwohl, Kreislaufwirtschaft und die Frage, wie Landwirtschaft unter zunehmend trockenen Bedingungen funktionieren kann.
Ein offizieller Schwerpunkt ist das Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft 2026. Brandenburg hebt dabei sichtbar hervor, welche Rolle Frauen in Betrieben, Verarbeitung, Vermarktung, Bildung und ländlicher Entwicklung spielen. Laut Ministerium werden in Brandenburg rund 20 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe von Frauen geführt; bundesweit sind es rund elf Prozent.
Für Besucher bedeutet das: Die 31. Brandenburger Landpartie ist nicht nur ein netter Wochenendausflug. Sie ist ein Fenster in eine Landwirtschaft, die sich verändert. Wer aufmerksam hinsieht, erkennt auf vielen Höfen genau die Fragen, die auch im eigenen Garten oder Selbstversorgeralltag wichtig werden: Boden schützen, Wasser sparen, Vielfalt fördern, Lebensmittel wertschätzen und regionale Kreisläufe stärken.
Für wen ist die Brandenburger Landpartie ideal?
Die Landpartie ist ein Ausflug für sehr unterschiedliche Menschen. Familien kommen wegen Tieren, Traktoren, Spielplätzen, Streichelzoo und Kinderprogrammen. Genießer suchen Hofküche, Spargel, Kuchen, Grillgerichte, Honig, regionale Spezialitäten und Hofläden. Gartenfreunde und Selbstversorger interessieren sich für Kräuter, Jungpflanzen, Kompost, Bodenschutz, Sortenvielfalt und praktische Anbauideen. Naturfreunde erleben Landschaften zwischen Havelland, Uckermark, Barnim, Fläming, Lausitz, Spreewald und Oderbruch.
Besonders lohnend ist der Besuch für Menschen, die bisher vor allem konsumiert haben und jetzt verstehen wollen. Denn auf einem Hof sieht man sofort: Lebensmittel sind keine anonymen Produkte. Sie sind Arbeit, Wissen, Risiko, Wetter, Boden, Futter, Wasser, Technik, Handwerk und viel Organisation.
So planst du deinen Besuch Schritt für Schritt
1. Entscheide dich zuerst für eine Region, nicht für zu viele Höfe
Der häufigste Fehler bei der Landpartie: Man markiert fünf oder sechs Höfe auf der Karte und glaubt, alles an einem Tag zu schaffen. Brandenburg ist groß. Feldwege, Landstraßen, kleine Parkflächen, Hofführungen und Wartezeiten am Kuchenstand brauchen mehr Zeit als gedacht.
Besser ist ein einfacher Plan: Wähle eine Region und dort einen Haupthof plus maximal einen zweiten Stopp. Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte oft sogar nur einen Hof einplanen. Ein Hof mit Tieren, Essen, Führung, Hofladen und Spielmöglichkeit füllt schnell drei bis fünf Stunden.
Die offizielle Gastgeberübersicht listet 2026 alle 135 Einträge und bietet Filter nach Landkreisen und Angeboten wie Feldführung, Hofverkauf, Kinderprogramm, Landtechnik, Livemusik, Stallrundgänge, Streichelzoo und Weinbau.
2. Prüfe Öffnungszeiten genau
Nicht jeder Hof öffnet an beiden Tagen. Manche sind nur Samstag, andere nur Sonntag, viele an beiden Tagen, aber mit unterschiedlichen Zeiten. Beispiele zeigen, wie unterschiedlich das sein kann: Der Landwirtschaftsbetrieb Domin öffnet am Samstag von 10:30 Uhr bis 23:59 Uhr und am Sonntag von 10:30 bis 17:00 Uhr. Der Spargelhof Kremmen ist an beiden Tagen von 8:00 bis 20:00 Uhr geöffnet.
Praxis-Tipp: Plane die erste Hofführung als festen Anker und alles Weitere flexibel. Wenn du erst mittags losfährst, verpufft oft der beste Teil des Tages.
3. Wähle deinen Hof nach Interesse aus
Frag dich vorab: Was willst du wirklich erleben?
Wer Tiere sehen möchte, wählt Betriebe mit Stallrundgängen, Weideführungen, Pferden, Rindern, Geflügel oder Streichelzoo. Wer gärtnern oder selbst anbauen will, sucht Gärtnereien, Kräuterhöfe, Jungpflanzen, Kartoffelbetriebe oder Gemüsebau. Wer regionale Küche liebt, achtet auf Hofrestaurant, Kuchen, Grill, Feldküche, Hofladen oder Verkostung. Wer Nachhaltigkeit und Zukunftslandwirtschaft verstehen möchte, sucht Begriffe wie Agroforst, regenerativer Anbau, Bio-Betrieb, Kreislaufwirtschaft oder ökologische Bewirtschaftung.
4. Plane Bargeld, Kühlbox und Einkaufstaschen ein
Viele Höfe bieten Hofverkauf, regionale Spezialitäten oder Gastronomie. Gerade bei Fleisch, Käse, Spargel, Erdbeeren, Honig, Kräutern, Pflanzen oder Brotaufstrichen lohnt es sich, vorbereitet zu sein. Nimm Bargeld, Stoffbeutel, eine kleine Kühlbox und eventuell Gläser- oder Pflanzentransportkisten mit.
Das klingt banal, macht aber den Unterschied. Wer am Ende mit warmem Käse im Auto oder umgeknickten Tomatenpflanzen heimfährt, ärgert sich.
5. Nimm wetterfeste, hoftaugliche Kleidung
Die Landpartie ist keine Messehalle. Du läufst über Wiese, Hofpflaster, Sandboden, Stallgänge, Feldwege und manchmal durch Staub oder feuchte Bereiche. Gute Schuhe, Sonnenhut, Wasserflasche und eine dünne Regenjacke gehören dazu. Für Kinder: Wechselshirt, Feuchttücher, Snacks und ein kleiner Rucksack.
6. Stelle Fragen
Die besten Momente entstehen nicht am Verkaufsstand, sondern im Gespräch. Frag nach Sorten, Futter, Bewässerung, Boden, Arbeitsspitzen, Vermarktung, Preisen, Tierhaltung, Kompost, Blühstreifen oder Ausbildung. Viele Höfe öffnen nur selten so direkt für Besucher. Nutze diese Gelegenheit.
Ausgewählte Highlights 2026: Höfe und Themen, die besonders spannend sind
Landwirtschaftsbetrieb Domin in Peickwitz: zentrale Eröffnung, Agroforst und Direktvermarktung
Der Landwirtschaftsbetrieb Domin in Senftenberg-Peickwitz ist 2026 Gastgeber der zentralen Eröffnungsveranstaltung. Der Familienbetrieb verbindet Ackerbau, Tierhaltung, Fleischverarbeitung, Direktvermarktung, Agroforst und eine Holzhackschnitzelheizung. Zum Programm gehören unter anderem ein Festzelt mit Livemusik, Informationen zu Agroforstwirtschaft, ein Agroforst-Lehrpfad, Kinderecke, Spielplatz, Traktortreffen, Kremserfahrten, Regionalmarkt und Hofladen.
Warum das für Heimatwurzel-Leser spannend ist: Agroforst ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen für trockene Regionen. Gehölze auf landwirtschaftlichen Flächen können Wind bremsen, Verdunstung senken, Lebensräume schaffen, Schatten spenden und langfristig die Bodenstruktur verbessern. Für Selbstversorger lässt sich daraus viel übertragen: Beerenhecken am Gemüsegarten, Obstbäume als Windschutz, essbare Strauchgürtel, Mulchsysteme und Mischkulturen.
Ökodorf Brodowin: Demeterhof, Bio-Produkte und Transparenz
Das Ökodorf Brodowin liegt in der Landschaft des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin. Der Betrieb beschreibt Transparenz als zentrales Prinzip; Besucher können Tiere im Stall oder auf der Wiese erleben. Zur Landpartie gibt es an beiden Tagen Führungen über den Demeterhof, Hofladen mit Brodowiner Produkten und Bio-Spezialitäten, Verpflegung und bei gutem Wetter einen Spaziergang am Cattle Walk.
Für alle, die sich mit Selbstversorgung und ökologischer Landwirtschaft beschäftigen, ist Brodowin ein guter Lernort: Hier sieht man, dass Bio nicht nur „ohne Chemie“ bedeutet, sondern ein ganzes System aus Futter, Boden, Tieren, Kreislauf, Verarbeitung, Vermarktung und Kundenbeziehung.
Spargelhof Kremmen: Spargel, Heidelbeeren, Hofladen und Familienausflug
Der Spargelhof Kremmen ist besonders familienfreundlich, weil er Landwirtschaft, Hofladen, Restaurant, Abenteuerspielplatz, Streicheltiere und Wohnmobilstellplatz verbindet. Der Betrieb baut Kremmener Spargel und Heidelbeeren an, hält Freilandgeflügel und vermarktet Produkte direkt über Hofladen, Verkaufsstände und Hofrestaurant.
Das passt perfekt zur Jahreszeit: Die Landpartie findet pünktlich zur Erntezeit von Spargel und Erdbeeren statt, wie auch Reiseland Brandenburg hervorhebt.
Praxis-Tipp: Wer am Spargelhof einkauft, sollte direkt überlegen, was zu Hause daraus wird. Spargel hält sich im Kühlschrank am besten in ein feuchtes Tuch eingeschlagen. Erdbeeren nicht waschen, bevor sie gelagert werden, sonst verderben sie schneller. Aus Spargelschalen lässt sich Brühe kochen; aus weichen Erdbeeren Kompott, Sirup oder Fruchtleder.
Pferdehof Jakobshagen: Pferdehaltung, Ausbildung und Kinderprogramm
Der Pferdehof Jakobshagen im Boitzenburger Land öffnet an beiden Tagen von 11 bis 16 Uhr. Besucher erleben Hofführungen, Ausbildungsinhalte auf dem Reitplatz, Kaffee und Kuchen, einen Bastelstand für Kinder und am Sonntag eine Vorführung ostasiatischer Kampfkünste durch eine Templiner Gruppe. Der Hof setzt auf Aktivstallhaltung und verbindet klassische Reitkunst mit Arbeitsreitweisen.
Für Familien ist das ein guter Hof, weil Pferde Kinder oft besonders stark ansprechen. Gleichzeitig können Erwachsene viel über Haltung, Bewegung, Ausbildung und Verantwortung lernen.
Gläserne Waldimkerei in Zehdenick: Wie kommt der Honig ins Glas?
Die Gläserne Waldimkerei „Bienenklaus“ in Zehdenick-Neuhof erklärt, wie Honig entsteht. Besucher bekommen Einblicke in die Arbeit eines Imkers, können einen Bienenlehrpfad erleben und Verkostung sowie Beköstigung nutzen. Die Waldimkerei öffnet an beiden Tagen von 9 bis 18 Uhr.
Für Gartenfreunde ist ein Imkereibesuch Gold wert. Man versteht danach besser, warum Blühphasen, ungefüllte Blüten, Wildkräuter, Hecken und Wasserstellen im Garten so wichtig sind. Ein bienenfreundlicher Garten entsteht nicht durch ein einzelnes Insektenhotel, sondern durch Nahrung vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst.
Kräutergärtnerei helenion: Bio-Jungpflanzen, Heilpflanzen und Vielfalt
Die Kräutergärtnerei helenion in Grünow bietet Kräuter- und Gemüsejungpflanzen in zertifizierter Bio-Qualität. Das Sortiment umfasst mehr als 800 Sorten, darunter Würz- und Teekräuter, Duft-, Färbe- und Heilpflanzen sowie essbare Wildpflanzen. Zur Landpartie gibt es Beratung, Verkostung, Essen, Kaffee und Kuchen sowie Rabatt auf Pflanzen.
Das ist ein Schatz für Selbstversorger. Wer bisher nur Basilikum, Petersilie und Schnittlauch kennt, entdeckt hier die Tiefe eines lebendigen Kräutergartens: Anis-Ysop, Bergbohnenkraut, Süßdolde, Pimpinelle, Eberraute, Färberkamille, Wilde Rauke, Jiaogulan oder verschiedene Minzen. Der wichtigste Tipp beim Pflanzenkauf: Nicht nur kaufen, was schön aussieht, sondern Standort und Verwendung klären. Trockenheitsliebende Kräuter wie Thymian, Salbei und Oregano brauchen andere Erde als Minzen oder Schnittlauch.
Gut und Bösel: regenerative Landwirtschaft, Agroforst und Reallabor
Gut und Bösel in Alt Madlitz ist ein Bio-Landwirtschafts- und Forstbetrieb, der regenerative Landnutzung erforscht und praktiziert. Der Hof arbeitet unter anderem mit ganzheitlichem Weidemanagement, Kompostierung, syntropischem Agroforst, Waldumbau sowie neuen Software- und Techniklösungen. Zur Landpartie gibt es Spaziergänge zu Kühen und Kälbern, Einblicke in Agroforstsysteme, Gespräche mit dem Team, Hofladen und Hofküche.
Für alle, die Landwirtschaft nicht nur romantisch, sondern zukunftsorientiert betrachten, ist Gut und Bösel ein besonders starker Programmpunkt. Der Hof zeigt, wie großflächige Landwirtschaft, Forschung, Praxis und Bildung zusammenkommen können.
Acker-mal-Anders: Kartoffeln, Blühstreifen und Tropfbewässerung
Acker-mal-Anders in Rabenstein-Fläming baut verschiedene Kartoffelsorten an, kombiniert den Anbau mit Blühstreifen zur Förderung von Nützlingen, verzichtet nach eigener Darstellung auf künstliche Dünger und bewässert Kartoffelreihen mit Tropfschläuchen. Zur Landpartie gibt es Kartoffelaufstriche, Kartoffelsuppe, Pommes, Kartoffelpuffer, Feldrundgang und Landtechnik-Erklärung.
Das klingt bodenständig, ist aber fachlich spannend: Kartoffeln sind für Selbstversorger eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel. Wer hier genau hinschaut, lernt über Sortenwahl, Wasserführung, Schädlinge, Blühstreifen, Verarbeitung und Vermarktung.

Die besten Routenideen für verschiedene Interessen
Familienroute: Tiere, Spielplatz, Essen und kurze Wege
Für Familien mit kleinen Kindern zählt nicht die maximale Anzahl der Stationen, sondern ein Hof, auf dem man bleiben kann. Ideal sind Betriebe mit Streichelzoo, Spielplatz, Hofküche, Tieren und kurzen Wegen. Der Spargelhof Kremmen ist dafür ein gutes Beispiel, weil Hofladen, Restaurant, Abenteuerspielplatz und Streicheltiere zusammenkommen.
Familienregel: Lieber drei Stunden entspannt auf einem Hof als drei Stationen mit quengelnden Kindern im Auto.
Selbstversorgerroute: Kräuter, Kartoffeln, Jungpflanzen und praktische Fragen
Wer selbst gärtnert, sollte gezielt nach Gärtnereien, Kräuterbetrieben, Gemüsebau und Ackerbaubetrieben suchen. Besonders lehrreich sind helenion für Kräuter- und Jungpflanzenvielfalt sowie Acker-mal-Anders für Kartoffelanbau, Blühstreifen und Verarbeitung.
Nimm ein Notizbuch mit und schreibe nicht nur Pflanzennamen auf, sondern auch Standort, Boden, Wasserbedarf und Verwendung. Ein guter Pflanzentipp ist mehr wert als zehn spontane Käufe.
Nachhaltigkeitsroute: Bio, Agroforst und regenerative Landwirtschaft
Wer verstehen will, wie Landwirtschaft klimafester und bodenschonender werden kann, sollte Höfe mit Bio-Anbau, Agroforst, Kreislaufwirtschaft oder regenerativer Landwirtschaft besuchen. Domin, Brodowin und Gut und Bösel zeigen dafür unterschiedliche Ansätze: Familienbetrieb mit Agroforst und Direktvermarktung, Demeterhof mit Transparenz und Bio-Kreislauf, Reallabor für regenerative Landnutzung.
Wichtige Frage vor Ort: Was funktioniert bei euch wirklich — und was ist schwierig? Gute Landwirtschaft erkennt man nicht daran, dass alles einfach klingt, sondern daran, dass offen über Zielkonflikte gesprochen wird.
Genießerroute: Hofladen, regionale Küche und saisonale Spezialitäten
Wer vor allem genießen möchte, sollte Höfe mit Gastronomie, Hofverkauf, Kuchen, Grill, regionalem Markt oder Verkostung wählen. Im Juni sind Spargel, Erdbeeren, Kräuter, Honig, erste Beeren, Fleisch- und Wurstspezialitäten, Kuchen und regionale Getränke besonders attraktiv.
Kleiner Heimatwurzel-Tipp: Plane den Einkauf nicht als Souvenir, sondern als Wochenvorrat. Aus Hofprodukten wird zu Hause ein kleines Landpartie-Menü: Spargelsuppe aus Schalen, Kartoffelpuffer, Kräuterquark, Honig-Dressing, Erdbeerkompott und ein Brot mit regionaler Wurst oder Käse.
Mit Bahn, Rad oder Auto: So kommst du stressärmer an
Brandenburg ist ein Flächenland. Einige Höfe sind erstaunlich gut erreichbar, andere liegen wunderschön, aber abgelegen. Prüfe deshalb vor der Abfahrt nicht nur die Adresse, sondern auch Bahnhof, Fußweg, Radweg und letzte Rückverbindung.
Einige Beispiele: Beim Landwirtschaftsbetrieb Domin ist Hosena als nächster Bahnhof mit 3 km Entfernung angegeben. Beim Spargelhof Kremmen liegt der Bahnhof Kremmen nur etwa 0,3 km entfernt. Die Gläserne Waldimkerei nennt den Bedarfshalt Zehdenick OT Neuhof in etwa 1,2 km Entfernung. Beim Ökodorf Brodowin ist Chorin als nächster Bahnhof mit 7 km Entfernung aufgeführt.
Für Bahnfahrer ist die Kombination aus Zug und Fahrrad oft ideal. Für Familien mit kleinen Kindern ist ein Auto praktischer, aber dann sollte man Parkmöglichkeiten, Hofzufahrt und Rückweg im Blick behalten. Bei beliebten Höfen lohnt frühes Ankommen.
Häufige Fehler bei der Landpartie — und wie du sie vermeidest
Fehler 1: Zu viele Stationen planen
Drei Höfe klingen wenig, sind aber oft zu viel. Führungen starten nicht immer passend, Kinder bleiben an Tieren hängen, Hofläden brauchen Zeit, und Essen dauert. Lösung: Einen Haupthof wählen, zweiten Hof optional einplanen.
Fehler 2: Ohne Bargeld und Kühltasche fahren
Viele Besucher kaufen mehr, als sie erwarten: Spargel, Honig, Eier, Pflanzen, Fleisch, Wurst, Brotaufstriche, Kuchen oder Kräuter. Lösung: Bargeld, Kühltasche, Klappbox und Stoffbeutel einpacken.
Fehler 3: Falsche Schuhe
Hof heißt nicht Fußgängerzone. Lösung: geschlossene Schuhe, die dreckig werden dürfen.
Fehler 4: Nur konsumieren, nicht fragen
Die Landpartie ist kein Einkaufszentrum auf dem Land. Lösung: Mindestens drei echte Fragen stellen. Zum Beispiel: „Welche Sorte bewährt sich bei Trockenheit?“, „Wie düngen Sie?“, „Was kaufen Kunden oft falsch ein?“, „Welche Arbeit sieht man als Verbraucher nicht?“
Fehler 5: Tiere wie Attraktionen behandeln
Tiere sind keine Kulisse. Lösung: Kinder vorher erklären, dass man Tiere nicht ungefragt füttert, nicht anschreit und nicht durch Zäune greift. Höfe sind Arbeitsorte.
Fehler 6: Pflanzen spontan kaufen, ohne Standort zu kennen
Gerade Kräuter- und Jungpflanzen verführen. Lösung: Vorher Gartenstandorte notieren: sonnig, halbschattig, trocken, feucht, Topf, Beet, Balkon. Dann gezielt beraten lassen.
Was Kinder auf der Brandenburger Landpartie wirklich lernen
Kinder verstehen Landwirtschaft nicht durch Arbeitsblätter. Sie verstehen sie, wenn sie Heu riechen, ein Kalb sehen, Kartoffeln in der Erde entdecken, einer Biene folgen, eine Möhre mit Sand daran sehen oder merken, dass ein Traktor nicht Spielzeug, sondern Arbeitsgerät ist.
Gute Fragen für Kinder:
„Was frisst dieses Tier?“
„Warum wächst hier ein Blühstreifen?“
„Wie lange dauert es, bis aus Saat eine Kartoffel wird?“
„Warum darf man Tiere nicht einfach füttern?“
„Was steht im Hofladen, das auch bei uns zu Hause wachsen könnte?“
Nach dem Ausflug kann man das Erlebte vertiefen: ein Kräuterbeet anlegen, Kartoffeln im Eimer pflanzen, Honigsorten vergleichen, Erdbeermarmelade kochen oder einen Wochenplan mit regionalen Produkten machen. Genau hier kann die Heimatwurzel Akademie sinnvoll anschließen — mit Anleitungen zu Kräuteranbau, Einkochen, Kompost, Gemüsebeet, Saatgut und Selbstversorgung im Jahreslauf.
Saison-Tipps für Mitte Juni: Was du einkaufen und daraus machen kannst
Mitte Juni ist eine wunderbare Schnittstelle im Garten- und Hofjahr. Spargel ist noch aktuell, Erdbeeren laufen, Kräuter stehen kräftig, erste Beeren kommen, Salate und frühe Gemüse sind verfügbar. Auf vielen Höfen kommen dazu Fleisch, Wurst, Eier, Honig, Pflanzen, Kuchen und regionale Spezialitäten.
Spargel
Frischen Spargel erkennst du an festen Stangen, geschlossenen Köpfen und feuchten Schnittstellen. Die Stangen sollten leicht quietschen, wenn man sie aneinanderreibt. Zu Hause in ein feuchtes Tuch wickeln und im Kühlschrank lagern. Schalen und Abschnitte nicht wegwerfen: Sie ergeben eine aromatische Brühe.
Erdbeeren
Erdbeeren möglichst ungewaschen lagern und erst direkt vor dem Essen waschen. Weiche Früchte sofort verarbeiten: Kompott, Sirup, Fruchtleder, Marmelade oder Essigansatz.
Kräuter
Kräuter nicht einfach „irgendwo“ ins Beet setzen. Mediterrane Arten mögen Sonne und magerere, durchlässige Erde. Minzen, Schnittlauch und Petersilie brauchen mehr Feuchtigkeit. Wer mehrere Minzen kauft, sollte sie im Topf halten, sonst wandern sie gern durch den Garten.
Honig
Honig ist nicht gleich Honig. Frag nach Tracht, Standort, Schleuderzeitpunkt und Kristallisation. Ein regionaler Wald- oder Blütenhonig erzählt viel über Landschaft und Blühangebot.
Kartoffeln
Frühe Kartoffeln sind dünnschalig und empfindlicher. Kühl, dunkel und luftig lagern. Nicht neben Äpfeln aufbewahren, weil Reifegase das Keimen fördern können.
Warum regionale Produkte mehr Vertrauen schaffen
Regionale Produkte sind nicht automatisch perfekt. Aber sie sind nachvollziehbarer. Du kannst den Hof besuchen, Fragen stellen, Arbeitsweisen vergleichen und sehen, ob Anspruch und Realität zusammenpassen. Genau darum ist die Landpartie so wertvoll: Sie reduziert Distanz.
Im Supermarkt ist ein Produkt oft nur Preis, Verpackung und Siegel. Auf dem Hof ist es Mensch, Boden, Stall, Wetter, Risiko, Handwerk und Geschichte. Wer das einmal erlebt hat, kauft anders ein. Nicht immer teurer, aber bewusster. Man versteht, warum ein handwerklich hergestelltes Produkt nicht mit anonymen Massenpreisen konkurrieren kann — und warum Direktvermarktung für viele Betriebe überlebenswichtig ist.
Die Landpartie als Lernort für Garten, Selbstversorgung und Nachhaltigkeit
Wer mit offenen Augen über die Höfe geht, findet überall Wissen, das sich in den eigenen Garten übertragen lässt.
Auf einem Agroforstbetrieb lernt man, wie Gehölze Wind brechen und Mikroklima schaffen. Im Kräuterbetrieb versteht man Sortenvielfalt und Standortansprüche. Beim Kartoffelbetrieb sieht man, wie Blühstreifen Nützlinge fördern. In der Imkerei wird klar, warum Blühkontinuität wichtiger ist als einzelne Blühflächen. Auf Biohöfen erkennt man, dass Kreisläufe geplant werden müssen. In Hofläden lernt man, welche Produkte saisonal wirklich verfügbar sind.
Aus einem Tagesausflug kann also ein Jahresprojekt werden: Kräuterspirale bauen, Kartoffelvielfalt testen, Kompost verbessern, Blühstreifen anlegen, Beerenhecke pflanzen, Hofprodukte haltbar machen, Essensplan saisonaler gestalten.
FAQ zur 31. Brandenburger Landpartie 2026
Wann findet die 31. Brandenburger Landpartie statt?
Die 31. Brandenburger Landpartie findet am Samstag, 13. Juni, und Sonntag, 14. Juni 2026 statt. Es öffnen 135 Gastgeber in 123 Ortsteilen in ganz Brandenburg.
Was ist das Motto der Brandenburger Landpartie 2026?
Das Motto lautet „Landwirtschaft hautnah“. Besucher sollen Landwirtschaft erleben, regionale Produkte probieren, Tiere sehen und mit Landwirtinnen und Landwirten ins Gespräch kommen.
Welche Höfe nehmen teil?
Teilnehmende Gastgeber sind unter anderem Landwirtschaftsbetriebe, Hofläden, Gärtnereien, Reitbetriebe, Fischereien, Forst- und Weinbaubetriebe. Die offizielle Gastgeberliste umfasst 135 Einträge und lässt sich nach Landkreisen und Angeboten filtern.
Wo ist die zentrale Eröffnung 2026?
Die zentrale Eröffnung findet am Samstagvormittag auf dem Landwirtschaftsbetrieb Domin in Peickwitz bei Senftenberg im Landkreis Oberspreewald-Lausitz statt.
Ist die Brandenburger Landpartie für Kinder geeignet?
Ja. Viele Höfe bieten Kinderprogramme, Tiere, Streichelzoo, Spielmöglichkeiten, Bastelangebote, Kremserfahrten oder Landtechnik. Trotzdem sollten Eltern vorab prüfen, welches Angebot zum Alter der Kinder passt.
Muss man sich vorher anmelden?
Das hängt vom Hof und vom Programmpunkt ab. Offene Hoffeste sind oft frei zugänglich, einzelne Führungen oder Sonderangebote können begrenzte Plätze haben. Deshalb immer die jeweilige Hofseite prüfen.
Kann man mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen?
Teilweise ja. Manche Höfe liegen nah an Bahnhöfen, andere deutlich abgelegener. Der Spargelhof Kremmen nennt den Bahnhof Kremmen in etwa 0,3 km Entfernung, der Landwirtschaftsbetrieb Domin den Bahnhof Hosena in 3 km Entfernung, das Ökodorf Brodowin den Bahnhof Chorin in 7 km Entfernung.
Was sollte man zur Landpartie mitnehmen?
Gute Schuhe, Wasser, Sonnenschutz, Bargeld, Einkaufstaschen, Kühlbox, wetterfeste Kleidung und bei Kindern Wechselkleidung. Für Gartenfreunde lohnt zusätzlich ein Notizbuch für Sortennamen und Anbautipps.
Welche regionalen Produkte sind im Juni besonders interessant?
Mitte Juni sind besonders Spargel, Erdbeeren, Kräuter, Honig, frühe Gemüse, Eier, Fleisch- und Wurstwaren, Kuchen, Pflanzen und regionale Spezialitäten interessant. Die Landpartie fällt in die Erntezeit von Spargel und Erdbeeren.
Warum ist die Brandenburger Landpartie wichtig?
Sie schafft Vertrauen zwischen Produzenten und Verbrauchern, macht Landwirtschaft sichtbar und stärkt regionale Kaufentscheidungen. Offiziell wird die Veranstaltung als wichtiges Schaufenster für die Vielfalt der Brandenburger Land- und Ernährungswirtschaft beschrieben.
Was die Brandenburger Landpartie wirklich zeigt — und warum sie für die Zukunft regionaler Ernährung wichtiger ist, als viele denken
Die Brandenburger Landpartie wirkt auf den ersten Blick wie ein großes Hoffest. Man fährt raus, isst Kuchen, kauft Spargel, streichelt vielleicht ein Tier, schaut sich einen Traktor an und fährt mit ein paar Gläsern Honig zurück. Das ist schön. Aber es greift zu kurz.
In Wahrheit ist die Landpartie ein seltenes öffentliches Lernfenster in ein System, das unser tägliches Leben trägt: regionale Landwirtschaft. Und dieses System steht unter Druck. Wetterextreme, Wassermangel, steigende Betriebskosten, Preisdruck im Handel, Bürokratie, Fachkräftemangel, Hofnachfolge, Bodengesundheit, Artenvielfalt und Verbraucheransprüche treffen aufeinander. Die Höfe, die am 13. und 14. Juni 2026 ihre Tore öffnen, zeigen deshalb nicht nur Produkte, sondern Lösungsversuche.
Brandenburg ist dafür ein besonders spannendes Bundesland. Die Landwirtschaft ist großflächig geprägt: Laut Agrarbericht bewirtschaften 5.370 landwirtschaftliche Betriebe rund 1.297.600 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche; die durchschnittliche Betriebsgröße liegt bei 242 Hektar und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 65 Hektar. Das ist nicht bloß Statistik. Es erklärt, warum Brandenburg anders wirtschaftet als Regionen mit kleineren Höfen, engeren Tälern und besseren Böden. Große Flächen bedeuten andere Maschinen, andere Arbeitsabläufe, andere Risiken und andere Möglichkeiten.
Gleichzeitig sind Brandenburgs Böden und Wasserverhältnisse herausfordernd. Der Agrarbericht verweist auf einen mittleren Ackerzahlwert von 32 und stellt dar, dass die Flächenausstattung in engem Zusammenhang mit Bodenqualität und Wettbewerbsfähigkeit steht. Für Selbstversorger ist das lehrreich: Bodenqualität entscheidet nicht alles, aber sie bestimmt, wie viel Humus, Wasserführung, Mulch, Fruchtfolge und Pflanzenauswahl leisten müssen.
Besonders deutlich wird das beim Thema Wasser. Nach Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2023 wurden in Brandenburg etwa 2,4 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche bewässert; der Bundesdurchschnitt lag bei 3,3 Prozent. 2022 wurden rund 30.900 Hektar im Freiland bewässert, darunter auch Flächen mit Tropfbewässerung. (agrarbericht.brandenburg.de) Das zeigt: Wasser ist kein unbegrenzter Reparaturknopf. Gerade deshalb sind Blühstreifen, Bodenbedeckung, Agroforst, Humusaufbau, Sortenwahl, Tropfbewässerung und Verdunstungsschutz keine Modewörter, sondern praktische Überlebensfragen.
Wenn ein Betrieb wie Domin Agroforst zeigt oder Gut und Bösel regenerative Landnutzung erforscht, dann geht es nicht um grüne Imagepflege. Es geht um die Frage: Wie kann Landwirtschaft in einer trockeneren, heißeren und unberechenbareren Zukunft funktionieren? Agroforstsysteme, Weidemanagement, Kompost, Waldumbau und syntropische Pflanzsysteme sind Versuche, Landschaft wieder stärker als lebendiges Netzwerk zu betrachten.
Für die Selbstversorgung im Kleinen bedeutet das: Denke deinen Garten nicht als Sammlung einzelner Beete, sondern als System. Wo kommt Wind her? Wo trocknet der Boden zuerst aus? Welche Gehölze bremsen Verdunstung? Wo kann Laub liegen bleiben? Welche Pflanzen blühen im März, welche im Oktober? Wie wird aus Küchenabfall wieder Boden? Welche Sorten kommen mit wenig Wasser zurecht? Genau diese Fragen, die Höfe im großen Maßstab stellen, stellen sich auch im Hausgarten.
Ein zweiter zentraler Punkt ist die Direktvermarktung. Viele Gastgeber der Landpartie verkaufen nicht nur Rohprodukte, sondern verarbeiten, erklären und vermarkten selbst: Fleisch- und Wurstwaren, Honig, Kräuterpflanzen, Spargel, Heidelbeeren, Kartoffelaufstriche, Kuchen, Hofgerichte. Dadurch entsteht Wertschöpfung vor Ort. Das klingt technisch, ist aber menschlich: Ein Hof kann Arbeitsplätze halten, Wissen weitergeben, Kundschaft aufbauen und unabhängiger vom reinen Rohstoffpreis werden.
Für Verbraucher ist Direktvermarktung eine Schule der Wertschätzung. Wer sieht, wie viel Arbeit in einem Glas Honig, einem Bund Spargel oder einem Stück Fleisch steckt, fragt anders nach Preis und Qualität. Die Landpartie schafft hier etwas, was kaum ein Label leisten kann: Beziehung. Man sieht Gesichter, hört Stimmen, riecht den Stall, steht auf dem Feld, sieht Maschinen und merkt, dass Landwirtschaft nicht abstrakt ist.
Ein dritter Punkt ist Biodiversität. Viele Menschen stellen sich Artenvielfalt als Blumenwiese vor. Auf Höfen wird das Thema konkreter: Blühstreifen gegen Nützlingsmangel, Hecken als Windschutz, Weideflächen als Lebensraum, Obstgehölze, Kräutersäume, Bienenlehrpfade, pestizidarme oder ökologische Verfahren, Kompost und vielfältigere Fruchtfolgen. Acker-mal-Anders beschreibt etwa den Kartoffelanbau mit Blühstreifen, um Nützlinge anzulocken, und nutzt Tropfschläuche zur Bewässerung. Die Gläserne Waldimkerei macht sichtbar, wie eng Bienen, Landschaft und Blühangebot verbunden sind. (Brandenburger Landpartie)
Für Gartenbesitzer folgt daraus eine einfache, aber tiefgreifende Erkenntnis: Ein naturnaher Garten ist nicht ungepflegt. Er ist bewusst gestaltet. Er bietet Nahrung, Wasser, Verstecke, ungefüllte Blüten, Totholz, Samenstände, Laubbereiche, Kräuter, Stauden, Hecken und möglichst wenig Störung. Das lässt sich sofort umsetzen — selbst auf einem Balkon.
Ein vierter Punkt ist Bio. Brandenburg gehört zu den Bundesländern mit hohem Ökolandbau-Anteil. Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg meldete für 2025, dass über 19 Prozent der Betriebe auf 224.600 Hektar ökologisch wirtschafteten; der Flächenanteil lag bei 17,5 Prozent. Zur Landpartie 2026 nennt pro agro 33 anerkannte Ökobetriebe unter den Gastgebern. (MLEUV)
Aber Bio allein beantwortet nicht jede Frage. Auch Bio-Betriebe kämpfen mit Wetter, Vermarktung, Arbeitsaufwand, Unkrautdruck, Schädlingen, Energie, Transport und Preisen. Wer einen Biohof besucht, sollte daher nicht nur fragen: „Ist das bio?“, sondern: „Wie funktioniert euer System?“ Gute Fragen sind: Welche Fruchtfolge nutzt ihr? Wie baut ihr Humus auf? Woher kommt Futter? Wie vermarktet ihr? Welche Kulturen sind schwierig? Was hat sich in den letzten zehn Jahren verändert?
Der fünfte Punkt betrifft Frauen und ländliche Zukunft. Dass die Landpartie 2026 Frauen in Führungspositionen hervorhebt, ist mehr als Symbolik. Wenn rund 36 Prozent der Arbeitskräfte in Brandenburgs Landwirtschaft weiblich sind und etwa 20 Prozent der Betriebe von Frauen geführt werden, dann prägen Frauen die Höfe längst mit — in Betriebsleitung, Bildung, Direktvermarktung, Tierhaltung, Verarbeitung, Buchhaltung, Kommunikation, Innovation und Hofnachfolge. Sichtbarkeit ist wichtig, weil Landwirtschaft oft noch mit alten Bildern erzählt wird: Mann auf Traktor, Frau im Hintergrund. Die Realität ist vielseitiger.
Für junge Menschen ist das entscheidend. Wer bei der Landpartie Frauen als Betriebsleiterinnen, Gärtnerinnen, Imkerinnen, Ausbilderinnen, Verkäuferinnen, Tierhalterinnen oder Gründerinnen erlebt, bekommt ein anderes Bild von grünen Berufen. Landwirtschaft ist nicht rückwärtsgewandt. Sie kann Hightech, Handwerk, Ökologie, Unternehmertum, Bildung und soziale Kompetenz verbinden.
Und schließlich zeigt die Landpartie etwas, das in Diskussionen über Ernährung oft fehlt: Demut. Lebensmittel entstehen nicht per Mausklick. Ein trockener Frühling, ein nasser Erntetag, eine kranke Herde, ein kaputter Mähdrescher, ein Preissprung beim Futter, fehlende Arbeitskräfte oder eine gesperrte Straße können Wochen und Monate Arbeit beeinflussen. Wer das verstanden hat, wirft weniger weg, kauft bewusster, kocht saisonaler und beginnt vielleicht selbst, ein kleines Stück Versorgung in die Hand zu nehmen.
Für Heimatwurzel-Leser ist die wichtigste Schlussfolgerung: Die Brandenburger Landpartie ist nicht nur ein Veranstaltungstermin. Sie ist ein Ausgangspunkt. Fahr hin, schau genau hin, kauf mit Respekt ein, stell Fragen — und nimm dir eine konkrete Sache mit nach Hause. Nicht zehn Vorsätze. Eine Sache.
Vielleicht pflanzt du eine essbare Hecke. Vielleicht beginnst du mit Kartoffeln im Kübel. Vielleicht ersetzt du Zierpflanzen durch Küchenkräuter. Vielleicht kochst du Spargelschalen aus. Vielleicht legst du ein Blühband an. Vielleicht kaufst du Honig nur noch beim Imker. Vielleicht buchst du einen Kurs zur Selbstversorgung, damit aus Begeisterung Praxis wird.
Genau dann wirkt die Landpartie weiter: vom offenen Hoftor bis in deinen Garten.
Die 31. Brandenburger Landpartie 2026 ist ein Pflichttermin für alle, die Regionalität wirklich verstehen wollen
Die 31. Brandenburger Landpartie am 13. und 14. Juni 2026 ist einer der besten Termine des Jahres, um Brandenburgs Landwirtschaft nicht nur zu sehen, sondern zu begreifen. 135 Gastgeber in 123 Ortsteilen öffnen ihre Türen und zeigen, wie vielfältig das Land ist: Spargelhöfe, Bio-Betriebe, Imkereien, Pferdehöfe, Kräutergärtnereien, Agroforstprojekte, Hofläden, Fischereien, Weingüter, Familienbetriebe und Reallabore für Zukunftslandwirtschaft.
Wer nur essen und einkaufen möchte, wird satt und glücklich. Wer genauer hinsieht, nimmt mehr mit: Wissen über Boden, Wasser, Tiere, Pflanzen, Sorten, Verarbeitung, Direktvermarktung und regionale Kreisläufe. Für Familien ist es ein Lernabenteuer. Für Selbstversorger ist es eine Schatzsuche. Für Genießer ist es ein Wochenende voller Geschmack. Und für alle, die sich nach mehr Verbindung zur Natur sehnen, ist es eine Einladung: Rausfahren, fragen, anfassen, probieren — und zu Hause etwas verändern.

Hobbykoch, Gartenliebhaber und Autor