Tomatenpflanze abgebrochen – was tun? So retten Sie Trieb, Spitze und Hauptstamm
Ein kräftiger Windstoß, ein unvorsichtiger Handgriff beim Anbinden oder das Gewicht schwerer Früchte genügt: Plötzlich ist die Tomatenpflanze geknickt, eingerissen oder vollständig abgebrochen. Besonders ärgerlich ist es, wenn die Triebspitze betroffen ist und die Pflanze gerade kräftig wächst.
Doch eine abgebrochene Tomatenpflanze muss keineswegs entsorgt werden. Tomaten sind äußerst regenerationsfähig. Sie können Bruchstellen verheilen lassen, aus Blattachseln neue Haupttriebe bilden und selbst an abgeschnittenen Stängeln neue Wurzeln entwickeln.
Entscheidend ist, wie stark die Pflanze beschädigt wurde und an welcher Stelle der Bruch entstanden ist. In diesem Ratgeber erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie eine abgebrochene Tomatenpflanze retten, was bei einer abgebrochenen Spitze zu tun ist und wann sich der beschädigte Trieb sogar als neue Tomatenpflanze bewurzeln lässt.
Das Wichtigste in Kürze
Ist die Tomatenpflanze nur geknickt oder teilweise eingerissen, sollte der Stängel vorsichtig gerichtet, verbunden und stabil angebunden werden.
Ist die Spitze vollständig abgebrochen, übernimmt ein kräftiger Geiztrieb aus einer darunterliegenden Blattachsel die Funktion des neuen Haupttriebs.
Der abgebrochene obere Pflanzenteil kann häufig als Steckling bewurzelt und zu einer zweiten Tomatenpflanze herangezogen werden.
Bei veredelten Tomaten dürfen neue Triebe nicht unterhalb der Veredelungsstelle wachsen, da diese von der Unterlage stammen.

Warum Tomatenpflanzen nach einem Bruch oft weiterwachsen
Tomaten gehören zu den Pflanzen, die Verletzungen vergleichsweise gut ausgleichen können. An ihren Stängeln befinden sich zahlreiche kleine Erhebungen und Härchen. Unter günstigen Bedingungen können sich daraus neue Wurzeln entwickeln.
Auch in den Blattachseln besitzt die Tomate schlafende Knospen. Aus ihnen entstehen die sogenannten Geiztriebe. Fällt die Hauptspitze aus, kann einer dieser Seitentriebe ihre Aufgabe übernehmen.
Deshalb bedeutet selbst eine vollständig abgebrochene Triebspitze normalerweise nicht das Ende der Pflanze. Häufig verliert sie lediglich etwas Zeit und wächst anschließend mit einem neuen Leittrieb weiter.
Wie gut die Rettung gelingt, hängt vor allem von folgenden Faktoren ab:
- dem Alter und der Gesundheit der Pflanze
- der Lage der Bruchstelle
- der Stärke des verbliebenen Stängels
- der Anzahl vorhandener Blätter und Geiztriebe
- der Witterung nach dem Schaden
- dem Zeitpunkt innerhalb der Gartensaison
Eine kräftige Tomatenpflanze im Mai, Juni oder Juli kann einen Schaden meist besser ausgleichen als eine schwache oder bereits kranke Pflanze im Spätsommer.
Zuerst prüfen: Wie stark ist die Tomatenpflanze beschädigt?
Bevor Sie schneiden oder den abgebrochenen Teil entfernen, sollten Sie die Bruchstelle genau betrachten. Grundsätzlich gibt es vier typische Schadensbilder.
Die Tomatenpflanze ist nur geknickt
Der Stängel ist gebogen oder gequetscht, aber noch vollständig oder größtenteils verbunden. Die Blätter oberhalb des Knicks wirken möglicherweise zunächst schlaff.
In diesem Fall besteht eine gute Chance, dass die Leitungsbahnen erhalten geblieben sind und die Pflanze die Verletzung selbst überwallt.
Der Stängel ist teilweise eingerissen
Ein Teil des Gewebes ist durchtrennt, während eine Seite des Stängels noch verbunden ist. Auch solche Schäden lassen sich häufig stabilisieren.
Wichtig ist, dass die Bruchstelle nicht weiter auseinandergezogen wird.
Die Triebspitze ist vollständig abgebrochen
Der Haupttrieb endet plötzlich, meist oberhalb eines Blattes oder Blütenstandes. Der untere Teil der Pflanze ist weiterhin gesund.
Das ist einer der häufigsten Schäden und normalerweise gut zu verkraften. Ein Geiztrieb kann als neue Spitze erzogen werden.
Der Hauptstamm ist vollständig durchgebrochen
Der obere Teil der Pflanze ist vollständig vom unteren Stamm getrennt. Hier müssen beide Pflanzenteile getrennt behandelt werden.
Der untere Teil kann über einen Seitentrieb weiterwachsen. Der abgebrochene obere Teil lässt sich häufig als Steckling bewurzeln.
Tomatenpflanze nur geknickt oder eingerissen: So retten Sie den Stängel
Ist der Stängel noch miteinander verbunden, sollten Sie ihn nicht sofort abschneiden. Solange ein Teil der Leitungsbahnen intakt ist, kann die Pflanze Wasser und Nährstoffe in den oberen Bereich transportieren.
Schritt 1: Pflanze entlasten
Halten Sie den beschädigten Trieb vorsichtig fest. Schwere Früchte oder große Blätter, die direkt an der Bruchstelle ziehen, können entfernt werden.
Schneiden Sie jedoch nicht unnötig viele gesunde Blätter ab. Die Pflanze benötigt ihre Blattmasse weiterhin für die Photosynthese.
Schritt 2: Bruchstelle ausrichten
Führen Sie die beiden Seiten des Stängels vorsichtig in ihre ursprüngliche Position zurück. Gequetschte Pflanzenteile sollten möglichst genau aufeinanderliegen.
Vermeiden Sie es, den Stängel mehrfach hin und her zu bewegen. Dadurch könnten noch erhaltene Leitungsbahnen vollständig abreißen.
Schritt 3: Bruchstelle verbinden
Umwickeln Sie die beschädigte Stelle locker mit einem geeigneten Material. Dafür eignen sich beispielsweise:
- Pflanzenband
- Veredelungsband
- ein weicher Stoffstreifen
- ein zugeschnittener Streifen aus einer elastischen Binde
- spezielles Tomaten- oder Gartenband
Das Material darf nicht einschneiden. Tomatenstängel werden im Laufe der Saison deutlich dicker.
Klebeband sollte nicht unmittelbar auf die feuchte Pflanzenoberfläche geklebt werden. Es kann die Rinde beschädigen und Feuchtigkeit an der Bruchstelle einschließen.
Schritt 4: Stängel stabilisieren
Befestigen Sie den Trieb zusätzlich an einem stabilen Tomatenstab, einer Rankhilfe oder einer Schnur. Die Verbindung an der Bruchstelle allein reicht nicht aus.
Bei einem stärkeren Bruch kann eine kleine Schiene helfen. Dafür eignen sich zwei dünne Holzstäbchen oder gerade Pflanzenstücke, die seitlich an den Stängel gelegt und locker fixiert werden.
Schritt 5: Pflanze schonen
Schützen Sie die Tomate in den folgenden Tagen vor starkem Wind und intensiver Mittagssonne. Bei Kübelpflanzen ist dies besonders einfach: Stellen Sie den Topf vorübergehend an einen hellen, aber geschützten Platz.
Halten Sie die Erde gleichmäßig feucht. Staunässe sollte jedoch vermieden werden.
Woran erkennt man, ob die Rettung gelungen ist?
Bleiben die Blätter oberhalb der Bruchstelle dauerhaft aufrecht und wachsen weiter, funktioniert die Versorgung des Triebs.
Welken die oberen Blätter trotz ausreichender Bodenfeuchtigkeit immer stärker, sind die Leitungsbahnen vermutlich zu stark beschädigt. In diesem Fall sollte der obere Teil sauber abgeschnitten und als Steckling behandelt werden.
Die Stütze bleibt mindestens zwei bis drei Wochen an der Pflanze. Kontrollieren Sie regelmäßig, ob das Band zu eng wird.
Spitze der Tomatenpflanze abgebrochen – was tun?
Eine abgebrochene Tomatenspitze sieht zunächst dramatisch aus. Für die Pflanze ist der Verlust des Haupttriebs jedoch häufig gut zu verkraften.
Tomaten bilden in den Winkeln zwischen Blattstiel und Hauptstamm neue Seitentriebe. Diese Geiztriebe können die Rolle der verlorenen Spitze übernehmen.
Bruchstelle sauber abschneiden
Ist die Bruchstelle ausgefranst, gequetscht oder eingerissen, schneiden Sie den Stängel mit einer sauberen und scharfen Gartenschere glatt ab.
Der Schnitt sollte knapp oberhalb eines gesunden Blattes oder einer Blattachsel erfolgen. Lassen Sie einen kurzen Stängelrest stehen, damit die Blattachsel nicht verletzt wird.
Bei einer bereits glatten und trockenen Bruchstelle ist ein zusätzlicher Schnitt nicht zwingend erforderlich.
Einen Geiztrieb als neue Spitze auswählen
Suchen Sie unterhalb der Bruchstelle nach einem kräftigen Geiztrieb. Dieser wächst aus der Blattachsel und zeigt meist schräg nach oben.
Am besten eignet sich ein Geiztrieb, der:
- möglichst weit oben an der Pflanze sitzt
- gesund und unverletzt ist
- bereits einige Zentimeter lang ist
- kräftig nach oben wächst
- gut an der Rankhilfe befestigt werden kann
Normalerweise wird dieser Trieb beim Ausgeizen entfernt. Nach dem Verlust der Hauptspitze bleibt er jedoch stehen und wird zum neuen Haupttrieb.
Den neuen Haupttrieb hochleiten
Binden Sie den ausgewählten Geiztrieb vorsichtig an einem Tomatenstab oder einer Schnur fest. Versuchen Sie nicht, ihn sofort gewaltsam senkrecht zu biegen.
Leiten Sie ihn schrittweise nach oben. Innerhalb weniger Tage richtet sich der Trieb meist selbst stärker auf.
Andere Geiztriebe können weiterhin entfernt werden, sofern die Tomate eintriebig wachsen soll. Bei ausreichendem Platz kann auch ein zweiter Seitentrieb stehen bleiben. Die Pflanze wächst dann zweitriebig weiter.
Wie lange dauert es, bis die Tomate weiterwächst?
Nach dem Verlust der Spitze kann das Wachstum einige Tage stocken. Sobald ein Seitentrieb die Führung übernimmt, setzt das Höhenwachstum wieder ein.
Je nach Witterung, Sorte und Zustand der Pflanze kann die Verzögerung ungefähr eine bis drei Wochen betragen. Bei einer frühen Beschädigung wirkt sich dies häufig kaum auf die spätere Ernte aus.
Was tun, wenn noch kein Geiztrieb vorhanden ist?
Sind alle Geiztriebe zuvor gründlich entfernt worden, sollten Sie die Pflanze nicht vorschnell aufgeben.
Oft bilden sich nach dem Verlust der Spitze neue Austriebe aus den Blattachseln. Lassen Sie die Pflanze zunächst einige Tage in Ruhe und beobachten Sie die oberen Blattansätze.
Sobald ein neuer Trieb erscheint, wird dieser als Haupttrieb erzogen.
Wurde der Stängel direkt oberhalb eines Blütenstandes gekappt, kann sich auch tiefer an der Pflanze ein neuer Seitentrieb bilden. Die Tomate wächst dann zwar mit einem kleinen Versatz weiter, kann aber weiterhin Blüten und Früchte entwickeln.
Bleiben Blüten und Tomaten an der beschädigten Pflanze?
Ob Früchte und Blüten entfernt werden sollten, hängt vom Zustand der Pflanze ab.
Bei einer kräftigen Pflanze
Ist lediglich die Spitze abgebrochen und der übrige Teil gesund, können vorhandene Blütenstände und kleine Früchte normalerweise an der Pflanze bleiben.
Die Tomate ist in der Lage, gleichzeitig Früchte zu versorgen und einen neuen Leittrieb aufzubauen.
Bei einer jungen oder stark geschwächten Pflanze
Ist die Tomate noch klein, frisch gepflanzt oder zusätzlich durch Trockenheit, Krankheiten oder Wurzelschäden geschwächt, kann eine Entlastung sinnvoll sein.
Entfernen Sie in diesem Fall einzelne Blütenstände oder sehr kleine Fruchtansätze. Dadurch kann die Pflanze mehr Energie in die Neubildung von Trieben und Wurzeln investieren.
Bei schweren Früchten an einem beschädigten Trieb
Hängen große Tomaten oberhalb oder unmittelbar neben einer eingerissenen Stelle, sollten sie abgestützt oder vorzeitig geerntet werden.
Bereits weit entwickelte grüne Tomaten können im Haus nachreifen. Das ist besser, als einen noch teilweise verbundenen Stängel durch das Fruchtgewicht vollständig abbrechen zu lassen.
Abgebrochene Tomatenspitze als Steckling bewurzeln
Eine ausreichend lange und gesunde Tomatenspitze kann zu einer eigenständigen Pflanze werden. Tomaten lassen sich besonders leicht über Stecklinge vermehren.
Der abgebrochene Trieb sollte möglichst:
- mindestens 10 bis 15 Zentimeter lang sein
- mehrere gesunde Blätter besitzen
- keine Anzeichen von Braunfäule oder anderen Krankheiten zeigen
- nicht stark gequetscht oder vertrocknet sein
Bewurzelung direkt in Erde
Schneiden Sie den unteren Bereich des Triebs mit einem sauberen Messer glatt an. Entfernen Sie die unteren Blätter und gegebenenfalls vorhandene Blüten.
Setzen Sie den Steckling tief in lockere, feuchte Erde. Ein großer Teil des Stängels darf unter der Erdoberfläche liegen, da sich entlang des eingegrabenen Stängels neue Wurzeln bilden.
Geeignet sind:
- Anzuchterde
- Gemüseerde mit etwas Sand
- lockere Gartenerde
- eine Mischung aus Kompost und strukturstabiler Pflanzerde
Drücken Sie die Erde vorsichtig an und gießen Sie den Steckling gründlich. Stellen Sie ihn anschließend hell, warm und windgeschützt auf. Direkte Mittagssonne sollte in den ersten Tagen vermieden werden.
Die Erde bleibt gleichmäßig feucht, darf aber nicht dauerhaft nass sein.
Bewurzelung im Wasserglas
Alternativ können Sie die abgebrochene Spitze in ein Glas Wasser stellen.
Entfernen Sie alle Blätter, die mit dem Wasser in Berührung kommen würden. Stellen Sie das Glas an einen hellen Ort ohne starke direkte Sonne und wechseln Sie das Wasser regelmäßig.
Nach einigen Tagen erscheinen häufig die ersten weißen Wurzelansätze. Sobald mehrere kräftige Wurzeln entstanden sind, wird der Steckling in Erde gepflanzt.
Die direkte Bewurzelung in Erde erspart der Pflanze die spätere Umstellung von Wasser- auf Bodenwurzeln. Die Wassermethode hat jedoch den Vorteil, dass sich die Wurzelbildung leicht beobachten lässt.
Blüten vor dem Bewurzeln entfernen
Blüten und kleine Früchte sollten am Steckling entfernt werden. Sie verbrauchen Wasser und Energie, die der Trieb zunächst für die Wurzelbildung benötigt.
Sobald der Steckling angewachsen ist und neue Blätter bildet, kann er später erneut Blüten ansetzen.
Tomatenpflanze direkt über dem Boden abgebrochen
Bricht der Hauptstamm knapp über der Erde ab, hängt die Rettung davon ab, ob am unteren Pflanzenteil noch Blätter oder Blattachseln vorhanden sind.
Unterer Teil mit Blatt oder Seitentrieb
Befindet sich unterhalb der Bruchstelle noch mindestens eine gesunde Blattachsel, kann dort ein neuer Trieb entstehen.
Lassen Sie den kräftigsten Austrieb wachsen und ziehen Sie ihn als neuen Haupttrieb nach oben.
Unterer Teil ohne Blätter
Bleibt nur ein kurzer, kahler Stängel ohne erkennbare Knospen oder Blattachseln zurück, sind die Erfolgsaussichten deutlich geringer.
In diesem Fall ist es meist sinnvoller, den abgebrochenen oberen Teil zu bewurzeln.
Oberen Pflanzenteil neu einpflanzen
Ist der abgebrochene obere Teil groß, kann er dennoch gerettet werden. Entfernen Sie einen Teil der unteren Blätter und alle größeren Früchte.
Setzen Sie den Stängel möglichst tief in feuchte Erde. Bei langen Pflanzen kann er schräg in einen Pflanzgraben gelegt werden. Nur die obere Spitze ragt anschließend aus dem Boden.
Entlang des vergrabenen Stängels entstehen neue Wurzeln. Die Tomate benötigt danach mehrere Tage Schutz vor Sonne und Wind.
Besondere Vorsicht bei veredelten Tomaten
Bei veredelten Tomaten sitzt oberhalb des Bodens eine deutlich erkennbare Verdickung. Dort wurde die gewünschte Tomatensorte auf eine kräftige Unterlage gesetzt.
Bricht der Haupttrieb oberhalb dieser Veredelungsstelle ab, kann ein Seitentrieb der gewünschten Sorte weitergezogen werden.
Entsteht ein neuer Trieb unterhalb der Veredelungsstelle, stammt er dagegen von der Unterlage. Er besitzt nicht zwingend die gleichen Fruchteigenschaften wie die gekaufte Sorte.
Solche Triebe sollten entfernt werden.
Auch beim tiefen Einpflanzen veredelter Tomaten ist Vorsicht geboten. Die Veredelungsstelle sollte normalerweise oberhalb der Erde bleiben, damit die Edelsorte nicht selbst wurzelt und die Vorteile der Unterlage verloren gehen.
Buschtomaten und Stabtomaten richtig behandeln
Nicht jede Tomate wächst gleich. Für die Rettung ist es hilfreich, zwischen Stabtomaten und Buschtomaten zu unterscheiden.
Stabtomaten
Stabtomaten wachsen fortlaufend in die Höhe und werden häufig eintriebig gezogen. Bricht ihre Spitze ab, wird ein kräftiger Geiztrieb zum neuen Haupttrieb.
Das ist bei diesen Sorten die wichtigste Rettungsmaßnahme.
Buschtomaten
Buschtomaten besitzen von Natur aus mehrere Triebe und beenden das Wachstum einzelner Triebe häufig mit einem Blütenstand.
Bei ihnen ist eine abgebrochene Spitze meist weniger problematisch. Andere Seitentriebe übernehmen ohnehin einen Teil des weiteren Wachstums.
Buschtomaten sollten nicht so konsequent ausgegeizt werden wie Stabtomaten.

Wann eine abgebrochene Spitze sogar nützlich sein kann
Im Spätsommer wird bei Stabtomaten häufig bewusst die Spitze entfernt. Dadurch soll die Pflanze keine neuen Blütenstände mehr bilden, deren Früchte vor dem Herbst vermutlich nicht mehr ausreifen würden.
Stattdessen fließt mehr Energie in bereits vorhandene Tomaten.
Ist die Spitze einer großen Tomatenpflanze erst im August oder September abgebrochen, muss deshalb nicht unbedingt ein neuer Haupttrieb erzogen werden. Befinden sich bereits ausreichend Früchte an der Pflanze, kann der Schaden ähnlich wie ein bewusstes Entspitzen wirken.
Entscheidend sind dabei:
- die regionale Witterung
- der Standort im Freiland oder Gewächshaus
- die Reifezeit der Sorte
- die Zahl der bereits vorhandenen Fruchtstände
Ein neuer Blütenstand benötigt mehrere Wochen, bis daraus reife Tomaten entstehen. Spät gebildete Früchte erreichen im Freiland häufig nicht mehr ihre volle Reife.
Pflege nach dem Bruch
Nach einer Beschädigung benötigt die Tomatenpflanze keine übermäßige Sonderbehandlung. Wichtig sind vor allem stabile und ausgeglichene Bedingungen.
Gleichmäßig gießen
Halten Sie den Boden gleichmäßig feucht. Starke Schwankungen zwischen Trockenheit und Nässe belasten die Pflanze zusätzlich.
Gießen Sie direkt auf die Erde und vermeiden Sie dauerhaft nasse Blätter.
Nicht sofort stark düngen
Eine hohe Düngergabe beschleunigt die Heilung nicht. Zu viel Stickstoff kann weiche, instabile Triebe fördern.
Warten Sie mit der nächsten regulären Düngung, bis die Pflanze sichtbar weiterwächst oder der Steckling neue Blätter bildet.
Windschutz schaffen
Eine bereits beschädigte Pflanze ist besonders anfällig für einen weiteren Bruch. Befestigen Sie Haupttrieb, Seitentriebe und schwere Fruchtstände sorgfältig.
Auf Krankheiten achten
Offene und feuchte Bruchstellen können Eintrittsstellen für Pilze und Bakterien sein. Schneiden Sie stark gequetschtes oder faulendes Gewebe sauber ab.
Werkzeuge sollten vor und nach dem Schnitt gereinigt werden, besonders wenn mehrere Tomatenpflanzen bearbeitet werden.
Häufige Fehler bei einer abgebrochenen Tomatenpflanze
Den oberen Teil sofort entsorgen
Ein gesunder abgebrochener Trieb kann fast immer als Steckling versucht werden. Selbst wenn die ursprüngliche Pflanze weiterwächst, entsteht so möglicherweise eine zusätzliche Tomate.
Jeden Geiztrieb entfernen
Nach dem Verlust der Hauptspitze benötigt die Pflanze einen Seitentrieb, der die Führung übernimmt. Werden weiterhin alle Geiztriebe entfernt, kann die Tomate nicht mehr in die Höhe weiterwachsen.
Die Bruchstelle zu fest umwickeln
Ein zu enges Band schnürt den wachsenden Stängel ein. Die Verbindung sollte regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls gelockert werden.
Einen Seitentrieb gewaltsam aufrichten
Junge Geiztriebe brechen leicht. Binden Sie den neuen Haupttrieb zunächst locker an und verändern Sie seine Richtung schrittweise.
Zu viele Blätter entfernen
Gesunde Blätter versorgen die Pflanze mit Energie. Entfernen Sie nur Blätter, die stark beschädigt sind, die Erde berühren oder die Bewurzelung eines Stecklings behindern.
Den Steckling in die volle Sonne stellen
Ein unbewurzelter Trieb kann kaum Wasser aufnehmen. In direkter Mittagssonne verliert er schnell mehr Feuchtigkeit, als er ersetzen kann.
Stellen Sie ihn zunächst hell, warm und schattiert auf.
So verhindern Sie, dass Tomatenpflanzen abbrechen
Viele Schäden lassen sich durch eine rechtzeitige Stabilisierung vermeiden.
Frühzeitig anbinden
Binden Sie Tomaten nicht erst fest, wenn sie bereits groß und schwer geworden sind. Beginnen Sie kurz nach dem Pflanzen und ergänzen Sie regelmäßig neue Befestigungen.
Weiches Bindematerial verwenden
Schnüre und Drähte können in den Stängel einschneiden. Besser sind breite, weiche Pflanzenbinder oder elastische Bänder.
Die Schlaufe sollte locker sitzen und Platz für das Dickenwachstum lassen.
Schwere Fruchtstände stützen
Großfruchtige Fleischtomaten entwickeln teilweise sehr schwere Rispen. Stützen Sie diese mit zusätzlichen Bändern oder speziellen Rispenhaltern ab.
Regenschutz und Windschutz kombinieren
Ein Tomatendach schützt nicht nur vor Regen. Eine stabile Konstruktion kann auch starke Windbewegungen reduzieren.
Die Seiten sollten dennoch ausreichend offen bleiben, damit die Luft zirkulieren kann.
Pflanzen regelmäßig kontrollieren
Achten Sie auf:
- gelockerte Rankhilfen
- zu enge Bänder
- überladene Fruchtstände
- stark seitlich wachsende Triebe
- Risse und Quetschungen
- schwere Pflanzen nach Regen
Je früher ein kleiner Schaden entdeckt wird, desto leichter lässt er sich stabilisieren.
Häufig gestellte Fragen
Wächst eine Tomatenpflanze weiter, wenn die Spitze abgebrochen ist?
Ja. In den meisten Fällen bildet die Tomatenpflanze einen neuen Seitentrieb. Ein kräftiger Geiztrieb wird ausgewählt, nach oben geleitet und als neuer Haupttrieb angebunden.
Muss eine abgebrochene Tomatenspitze abgeschnitten werden?
Ist die Bruchstelle ausgefranst oder gequetscht, sollte sie mit einer sauberen Schere geglättet werden. Bei einer sauberen, bereits trockenen Bruchstelle ist ein weiterer Schnitt nicht immer nötig.
Kann man die abgebrochene Spitze wieder ankleben?
Ist die Spitze noch teilweise mit dem Stängel verbunden, kann sie gerichtet, verbunden und geschient werden. Ist sie vollständig abgetrennt, lässt sie sich nicht wieder dauerhaft am alten Stängel befestigen. Sie kann jedoch als Steckling bewurzelt werden.
Welcher Geiztrieb wird zum neuen Haupttrieb?
Am besten eignet sich ein kräftiger Geiztrieb möglichst nah unterhalb der Bruchstelle. Er sollte gesund sein und sich gut an einer Rankhilfe nach oben führen lassen.
Soll man nach dem Abbrechen alle Tomaten entfernen?
Nein. Bei einer kräftigen Pflanze können vorhandene Früchte normalerweise bleiben. Nur bei einer sehr jungen, stark geschwächten oder schwer beschädigten Tomate kann es sinnvoll sein, einige Blüten oder kleine Früchte zu entfernen.
Wie lange braucht eine abgebrochene Tomatenspitze zum Bewurzeln?
Erste Wurzeln können sich bei Wärme und ausreichender Feuchtigkeit bereits nach wenigen Tagen zeigen. Bis der Steckling sicher angewachsen ist, vergehen meist etwa ein bis zwei Wochen.
Kann man einen großen abgebrochenen Tomatentrieb einpflanzen?
Ja. Entfernen Sie untere Blätter, Blüten und schwere Früchte. Setzen Sie den Stängel tief oder schräg in lockere, feuchte Erde und schützen Sie ihn zunächst vor Wind und starker Sonne.
Was passiert, wenn alle Geiztriebe entfernt wurden?
Nach dem Verlust der Spitze können sich neue Geiztriebe bilden. Warten Sie einige Tage und lassen Sie den kräftigsten neuen Austrieb als Haupttrieb stehen.
Ist eine abgebrochene Tomatenpflanze noch ertragreich?
Bei einer frühen Beschädigung und guter Pflege kann die Pflanze weiterhin eine normale oder nur leicht verringerte Ernte liefern. Der Ertrag hängt davon ab, wie schnell ein neuer Haupttrieb entsteht und wie stark die Pflanze insgesamt geschwächt wurde.
Sollte die Tomatenpflanze nach dem Bruch gedüngt werden?
Eine sofortige starke Düngung ist nicht notwendig. Sorgen Sie zunächst für gleichmäßige Feuchtigkeit, Stabilität und Windschutz. Düngen Sie erst wieder regulär, wenn die Pflanze sichtbar weiterwächst.
Eine abgebrochene Tomatenpflanze ist häufig noch zu retten
Eine geknickte oder abgebrochene Tomatenpflanze muss nicht aufgegeben werden. Ist der Stängel noch teilweise verbunden, kann die Bruchstelle stabilisiert und geschient werden. Ist die Spitze vollständig abgebrochen, übernimmt ein Geiztrieb die Funktion des neuen Haupttriebs.
Selbst ein vollständig abgetrennter oberer Pflanzenteil ist häufig noch wertvoll. Als Steckling in Erde oder Wasser bildet er neue Wurzeln und kann zu einer eigenständigen Tomatenpflanze heranwachsen.
Besonders wichtig ist es, nach dem Verlust der Spitze nicht weiterhin alle Geiztriebe zu entfernen. Einer dieser Seitentriebe wird benötigt, damit die Tomate nach oben weiterwachsen und neue Blütenstände bilden kann.
Mit einer sauberen Schnittstelle, einer stabilen Rankhilfe, gleichmäßiger Feuchtigkeit und etwas Geduld erholen sich Tomaten oft erstaunlich schnell. Aus einem vermeintlichen Missgeschick können am Ende sogar zwei gesunde Pflanzen entstehen.

Hobbykoch, Gartenliebhaber und Autor