Tee fürs Herz
Ingo Noack Gesundheit Gefäßgesundheit, grüner Tee, Herzgesundheit, Koffein im Tee, Kräutertee, schwarzer Tee, Tee fürs Herz, Tee richtig zubereiten, Tee trinken, Trinktemperatur Tee 0
Tee fürs Herz kann eine sinnvolle Ergänzung zu einer gesunden Ernährung sein: Beobachtungsstudien verbinden regelmäßigen Teekonsum mit günstigeren Herz-Kreislauf-Ergebnissen. Sie beweisen aber nicht, dass Tee Erkrankungen verhindert. Für den Alltag heißt das: nach Geschmack und Verträglichkeit auswählen, möglichst ungesüßt trinken, ausreichend abkühlen lassen und die Koffeinmenge berücksichtigen.
Die Gartenarbeit ist erledigt, draußen wird es früh dunkel, auf dem Küchentisch steht eine Kanne Tee. Gerade im Herbst gehört dieser Moment für viele Menschen zum Tag. Wenn dann eine neue Untersuchung Vorteile für Herz und Gefäße meldet, klingt das nach einer erfreulich einfachen Gesundheitsregel.
Doch welche Sorte war gemeint? Wie heiß darf der Tee sein? Und sollte man tatsächlich mehrere große Becher zusätzlich trinken? Die Antworten sind weniger spektakulär als manche Schlagzeile, dafür im Alltag hilfreicher. Entscheidend ist, aus Forschungsergebnissen keine Heilversprechen oder pauschalen Trinkmengen abzuleiten.
Am 21. Oktober 2026 erschien im Journal of Internal Medicine eine Untersuchung von Zichen Ye und weiteren Forschenden. Ausgewertet wurden Daten von 485.934 Teilnehmenden der China Kadoorie Biobank. Während einer durchschnittlichen Nachbeobachtung von 9,05 Jahren wurden 14.863 neu aufgetretene Fälle der untersuchten Gefäßerkrankungen registriert.
Die Auswertung berücksichtigte verschiedene Trinkgewohnheiten und deren Zusammenhang mit Gefäßerkrankungen. Die wichtigsten Ergebnisse:
| Beobachtung | Ergebnis | Einordnung |
|---|---|---|
| Regelmäßiger Teekonsum | 11,2 % niedrigere relative Hazard; HR 0,888 | Statistischer Zusammenhang, kein bewiesener Schutzeffekt |
| Als „brennend heiß“ beschriebener Tee | 16 % höhere relative Hazard; HR 1,160 | Keine konkrete Trinktemperatur im Abstract angegeben |
| Schwarzer und grüner Tee | Für Schwarztee konsistentere günstige Zusammenhänge | Kein Beweis, dass Schwarztee grundsätzlich gesünder ist |
| Trinkmenge bei mindestens wöchentlichem Konsum | Niedrigster modellierter Wert bei etwa 6–8 Tassen täglich | Keine daraus abgeleitete Trinkempfehlung |
HR bedeutet Hazard Ratio: Verglichen wird die Rate neu auftretender Ereignisse über die Beobachtungszeit. Die Kennzahl beschreibt weder einen absoluten Unterschied in Prozentpunkten noch die persönliche Erkrankungswahrscheinlichkeit. Quelle: Studienabstract.
Auch die Teestärke spielte eine Rolle: Mittlere Stärke war mit günstigeren Ergebnissen verbunden. Am niedrigsten lag der Wert bei der Kombination aus regelmäßigem Teetrinken, Nichtrauchen und hoher körperlicher Aktivität. Die hierfür berichteten 45,2 % dürfen deshalb nicht dem Tee allein zugeschrieben werden.

Eine Beobachtungsstudie verfolgt Menschen mit unterschiedlichen Gewohnheiten. Sie teilt ihnen nicht nach dem Zufallsprinzip eine bestimmte Teemenge zu. Wer regelmäßig Tee trinkt, kann sich auch in Ernährung, Bewegung, Einkommen oder Gesundheitsbewusstsein von anderen Menschen unterscheiden.
Statistische Verfahren können bekannte Unterschiede berücksichtigen. Sie können jedoch nicht garantieren, dass sämtliche Einflüsse erfasst wurden. Eine große Teilnehmerzahl macht einen solchen Zusammenhang genauer beschreibbar; sie verwandelt ihn nicht automatisch in einen Nachweis von Ursache und Wirkung.
11,2 % bedeuten insbesondere nicht, dass von 100 Teetrinkern elf Menschen durch Tee vor einer Erkrankung bewahrt werden. Für eine absolute Risikobewertung braucht man unter anderem das Ausgangsrisiko und einen festgelegten Zeitraum. Aus der veröffentlichten Kennzahl lässt sich kein persönliches Schutzversprechen ableiten.
Ebenso wenig rechtfertigt der Temperaturbefund die Aussage, heißer Tee verursache unmittelbar einen Herzinfarkt. Untersucht wurden längerfristige Zusammenhänge mit den erfassten Erkrankungen. Die daraus sinnvolle Alltagsentscheidung lautet: Getränke abkühlen lassen, ohne aus einer einzelnen Tasse Angst abzuleiten.
Die neue Untersuchung steht nicht allein. Im chinesischen China-PAR-Projekt wurden 100.902 Erwachsene untersucht. Regelmäßiger Teekonsum war dort mit einer um etwa 20 % niedrigeren relativen Hazard für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Die Arbeit wurde 2020 veröffentlicht und war ebenfalls eine Beobachtungsstudie.
Eine 2022 veröffentlichte Auswertung der UK Biobank mit 498.043 Menschen ergänzte die Forschung um eine Bevölkerung, in der überwiegend schwarzer Tee getrunken wird. Ab zwei Tassen täglich beobachteten die Forschenden eine niedrigere Gesamtsterblichkeit als bei Menschen ohne Teekonsum. Auch für Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigten sich günstige Zusammenhänge.
Diese Arbeiten untersuchen unterschiedliche Bevölkerungen und Zielgrößen. Eine neu auftretende Gefäßerkrankung ist etwas anderes als ein Todesfall. Ihre Prozentwerte lassen sich deshalb weder zusammenzählen noch als direkte Rangliste verwenden. Gemeinsam liefern sie Hinweise, dass Tee in eine gesunde Ernährung passen kann.
Schwarzer und grüner Tee stammen von derselben Pflanze, Camellia sinensis. Die Verarbeitung unterscheidet sich; beide enthalten Koffein. Kamille, Pfefferminze oder Hagebutte gehören botanisch nicht zu dieser Teepflanze. Ihre Aufgüsse werden im Alltag ebenfalls Tee genannt, haben aber eine andere Zusammensetzung.
Deshalb gilt: Ein Foto mit Kamillenblüten illustriert zwar eine gemütliche Teepause. Es belegt jedoch nicht, dass die Ergebnisse einer Schwarz- oder Grünteeuntersuchung ebenso für Kamillentee gelten. Die neue Studie liefert kein entsprechendes Herzschutzversprechen für Kräuter- und Früchtetees.
Ungesüßte Kräuter- und Früchtetees können trotzdem gute Durstlöscher sein. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt sie ausdrücklich als geeignete Flüssigkeitslieferanten. Wer eine fruchtige Alternative für die kalte Jahreszeit sucht, findet in unserer Anleitung zum Hagebuttentee selber machen Hinweise zu Vorbereitung und Aufguss.
Eine allgemeingültige Siegerliste der „besten Tees fürs Herz“ lässt sich aus den vorliegenden Untersuchungen nicht ableiten. Geschmack, Verträglichkeit und die übrigen Trinkgewohnheiten sind für deine Auswahl hilfreicher als das Versprechen einer besonders wirksamen Sorte.
Die Aufgusstemperatur und die Trinktemperatur erfüllen verschiedene Aufgaben. Beim Zubereiten geht es um den jeweiligen Tee und um Hygiene. Beim Trinken sollte das Getränk ausreichend abgekühlt sein.
Unabhängig von der neuen Herz-Kreislauf-Untersuchung bewertet die Internationale Krebsforschungsagentur IARC das Trinken sehr heißer Getränke über 65 °C als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen. Diese Einstufung bezieht sich auf einen Zusammenhang mit Speiseröhrenkrebs und auf die hohe Temperatur – nicht pauschal auf Tee.
Die 65-Grad-Angabe ist also keine in der neuen Gefäßstudie ermittelte Grenze. Sie ist auch kein Schalter, unterhalb dessen jeder einzelne Schluck garantiert unbedenklich wäre. Praktisch ist es vernünftig, Tee deutlich abkühlen zu lassen und angenehm warm zu trinken.
Aus dem statistischen Tiefpunkt bei sechs bis acht Tassen wird keine Pflichtmenge. Ein solches Ergebnis beantwortet nicht die Frage, was passiert, wenn jemand seine bisherige Menge gezielt erhöht. Außerdem ist eine kleine Teetasse nicht dasselbe wie ein großer Frühstücksbecher.
Du musst deine Trinkmenge deshalb nicht erhöhen, um einen Studienwert zu erreichen. Wähle die Menge so, dass sie zu deinem Flüssigkeitsbedarf, deinem Schlaf und deiner Verträglichkeit passt.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA bewertet für gesunde Erwachsene bis zu 400 mg Koffein über den Tag verteilt und bis zu 200 mg als Einzeldosis als gesundheitlich unbedenklich. Für Schwangere gilt eine Gesamtmenge von höchstens 200 mg täglich als entsprechende Orientierung. Das sind keine anzustrebenden Mengen; empfindliche Menschen vertragen weniger.
Als Beispiel nennt die EFSA etwa 50 mg Koffein für 220 ml schwarzen Tee. Acht solcher Tassen ergeben rechnerisch bereits 400 mg – ohne Kaffee, Cola oder andere Koffeinquellen. Der tatsächliche Gehalt schwankt.
Die DGE empfiehlt als allgemeine Orientierung rund 1,5 Liter Getränke täglich, vorzugsweise Wasser oder andere kalorienfreie Getränke. Tee zählt zur Gesamtmenge; er kommt nicht automatisch zusätzlich hinzu. Bei Hitze und körperlicher Aktivität kann der Bedarf steigen. Wenn dir eine bestimmte Trinkmenge ärztlich vorgegeben wurde, hat diese Vorrang.
Wer eigene Kräuter verwendet, sollte nur sicher bestimmte, geeignete Pflanzen verarbeiten und sorgfältig trocknen. Anregungen zur Vorratshaltung bietet unser Beitrag über Herbstkräuter, ihre Ernte, Trocknung und Verwendung im Winter. Auch selbst getrocknete Kräuter sind nicht keimfrei und benötigen einen passenden Aufguss.
Der häufige Denkfehler: „Nicht zu heiß trinken“ bedeutet nicht, Kräutertee nur mit lauwarmem Wasser zuzubereiten. Erst richtig aufgießen, danach abkühlen lassen.
Für den täglichen Durst ist ungesüßter Tee eine einfache Wahl. Wenn er ein zuckergesüßtes Getränk ersetzt, entfällt dessen Zuckerzugabe. Das ist ein konkreter Unterschied im Speiseplan – unabhängig davon, ob einzelne Teeinhaltsstoffe einen zusätzlichen Nutzen haben.
Du musst dafür nicht von heute auf morgen jeden süßen Geschmack streichen. Als praktische Gewohnheit kannst du zunächst etwas weniger süßen, verschiedene Sorten pur probieren und Süße bewusster dosieren. Auch Honig macht aus einem Tee kein nachgewiesenes Mittel zur Herzvorsorge.
Ein Schuss Milch ist ebenfalls kein Grund, einen Tee pauschal als „wirkungslos“ zu bezeichnen. In der britischen Beobachtungsstudie bestanden günstige Zusammenhänge auch unabhängig davon, ob Milch oder Zucker hinzugegeben wurden. Das beweist allerdings nicht, dass Zucker gesundheitlich bedeutungslos wäre oder dass jede Zubereitung gleichwertig ist.
Eine Tasse grüner Tee ist nicht mit einer Kapsel konzentrierten Grüntee-Extrakts gleichzusetzen. Menge, Zusammensetzung und Einnahmeweise können sich erheblich unterscheiden. Ergebnisse über Trinkgewohnheiten sind deshalb keine Empfehlung für Nahrungsergänzungsmittel.
Die EFSA weist bei hoch dosierten Grüntee-Catechinen aus Nahrungsergänzungsmitteln auf mögliche Leberschäden hin. In untersuchten Präparaten zeigten sich bei 800 mg EGCG täglich entsprechende Auffälligkeiten. Eine allgemein sichere Dosis für solche Ergänzungsmittel ließ sich aus den verfügbaren Daten nicht bestimmen. Die Zahl ist daher keine Grenze für eine bedenkenlose Selbstmedikation darunter.
Auch Wechselwirkungen sind möglich: Das US-amerikanische NCCIH nennt beispielsweise eine verringerte Wirkung des Betablockers Nadolol bei hohen Grünteemengen. Wer Medikamente einnimmt und größere Mengen grünen Tee oder ein Extraktpräparat verwenden möchte, sollte dies in der Arztpraxis oder Apotheke abklären.
Für die Herz-Kreislauf-Gesundheit bleiben Nichtrauchen, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung zentrale Maßnahmen. Bluthochdruck, erhöhte Blutfette oder Diabetes sollten erkannt und angemessen behandelt werden. Diese Faktoren sind für die Vorbeugung wesentlich besser etabliert als eine bestimmte Teesorte.
Für den Alltag kannst du die Teepause mit einer Gewohnheit verbinden, die ohnehin zu dir passt: nach dem Spaziergang eine Tasse aufgießen, nach leichter Gartenarbeit Wasser bereitstellen oder den abendlichen Ruhepunkt ohne ständigen Griff zum Telefon genießen. Dafür brauchst du kein besonderes „Herztee“-Produkt.
Tee ergänzt solche Gewohnheiten. Er ersetzt weder Bewegung noch eine verordnete Behandlung.

Eine eindeutig beste Sorte ist nicht belegt. Für schwarzen und grünen Tee gibt es günstige Beobachtungsdaten. Daraus lässt sich keine verbindliche Rangliste für einzelne Menschen ableiten. Entscheidend sind auch Verträglichkeit und Zubereitung.
Nein. Die Zahl stammt aus einer statistischen Auswertung und ist keine Dosierungsempfehlung. Besonders bei koffeinhaltigen Sorten solltest du die gesamte Koffeinzufuhr berücksichtigen.
Die Ergebnisse zu Schwarz- und Grüntee lassen sich nicht einfach auf andere Pflanzen übertragen. Ungesüßte Kräutertees können geeignete Getränke sein, ohne dass damit derselbe Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen bewiesen wäre.
Das hängt unter anderem vom Koffein ab. Schon 100 mg können bei manchen Erwachsenen den Schlaf beeinflussen, besonders nahe an der Schlafenszeit. Wenn du empfindlich reagierst, wähle abends eine koffeinfreie Alternative.
Nein. Wasser ist ein geeigneter Durstlöscher. Eine gesunde Ernährung und wirksame Herzvorsorge setzen nicht voraus, dass du Tee in deinen Alltag aufnimmst.
Tee fürs Herz ist vor allem dann ein vernünftiger Gedanke, wenn er zu guten Alltagsgewohnheiten passt. Die Forschung liefert interessante Hinweise, aber keinen Freibrief für große Mengen, sehr heiße Getränke oder teure Extrakte.
Für deine nächste Tasse genügt eine überschaubare Routine: eine passende Sorte wählen, korrekt aufgießen, ausreichend abkühlen lassen und möglichst ungesüßt genießen. So bleibt Tee das, was er für viele Menschen besonders angenehm macht: ein unkompliziertes Getränk und eine kleine Pause im Tag.
Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Individuelle Vorgaben zu Medikamenten, Koffein oder Trinkmengen solltest du mit deiner behandelnden Praxis abstimmen.
Recherche- und Redaktionsstand: 24. Oktober 2026. Die Zahlen zur aktuellen Untersuchung wurden mit dem öffentlich zugänglichen Studienabstract abgeglichen. Die folgenden Fachquellen ermöglichen die Einordnung; interne Rezept- und Gartenbeiträge dienen nicht als medizinische Belege.

Hobbykoch, Gartenliebhaber und Autor