Schwalben sammeln sich: Warum sie jetzt auf Leitungen und Dächern sitzen
An manchen Spätsommertagen genügt ein Blick nach oben: Auf der Stromleitung vor dem Haus sitzt plötzlich eine ganze Reihe kleiner Vögel. Weitere Schwalben landen auf dem Dachfirst, fliegen zwitschernd auf, drehen eine gemeinsame Runde über den Feldern und kehren wenig später zurück.
Das Bild wirkt beinahe wie eine Versammlung. Und tatsächlich kündigt sich damit eine besondere Zeit im Schwalbenjahr an.
Wenn sich Ende August und im September immer mehr Schwalben sammeln, ist die Brutzeit für viele Familien weitgehend abgeschlossen. Die Jungvögel sind flügge, erste größere Trupps entstehen und der Vogelzug rückt näher. Leitungen, Antennen und Dächer dienen dabei als gut erreichbare Ruhe-, Sammel- und Beobachtungsplätze.
Noch bedeutet eine volle Stromleitung nicht, dass alle Schwalben am nächsten Morgen verschwunden sind. Manche bleiben nur wenige Stunden, andere mehrere Tage oder Wochen in der Region. Wetter, Nahrungsangebot, Art, Alter und der Zeitpunkt der letzten Brut entscheiden darüber, wann der lange Flug nach Afrika beginnt.
Schwalben sammeln sich im Spätsommer Infografik
Warum sammeln sich Schwalben jetzt?
Schwalben sammeln sich im Spätsommer, weil sich Familienverbände und größere Trupps bilden, Jungvögel selbstständig werden und die Vorbereitung auf den Herbstzug beginnt. Auf Leitungen und Dächern können die Vögel sicher ruhen, ihr Gefieder pflegen und jederzeit wieder zur Insektenjagd starten.
Meist kommen mehrere Entwicklungen zusammen:
Die Jungen der ersten und zweiten Bruten sind ausgeflogen.
Eltern und Jungvögel verlassen zunehmend die unmittelbare Umgebung des Nestes.
Familien schließen sich zeitweise zu größeren Gruppen zusammen.
Insektenreiche Wiesen, Gewässer und Feldränder werden gemeinsam aufgesucht.
Vor dem Abflug entstehen regionale Sammelplätze.
Vor allem Rauchschwalben suchen später am Abend gemeinschaftliche Schlafplätze auf.
Die Schwalben auf der Leitung sind deshalb nicht einfach nur müde. Sie befinden sich in einer Übergangsphase zwischen Familienleben, Nahrungssuche und Vogelzug.
Warum sitzen Schwalben so gern auf Leitungen?
Eine Stromleitung wirkt aus menschlicher Sicht wenig gemütlich. Für eine Schwalbe besitzt sie jedoch gleich mehrere Vorteile.
Die Leitung ist frei anfliegbar
Schwalben sind ausgezeichnete Flieger. Sie brauchen keine dicke Sitzfläche, sondern vor allem einen Platz, den sie schnell und ohne Hindernisse erreichen und wieder verlassen können.
Eine frei verlaufende Leitung bietet:
freie Sicht in alle Richtungen,
einen schnellen Startplatz,
Abstand zu Katzen und anderen Bodenfeinden,
Platz für viele Vögel nebeneinander,
Nähe zu offenen Jagdflächen.
Sobald ein Schwarm fliegender Insekten auftaucht, können die Schwalben gemeinsam starten. Nach einer Jagdrunde landen sie wieder auf der Leitung, putzen ihr Gefieder oder rücken ein Stück näher zusammen.
Stromleitungen werden zu langen Sitzbänken
Bäume und Sträucher bieten zwar ebenfalls Ruheplätze, doch zwischen Blättern und Zweigen können sich Schwalben nicht so frei bewegen. Auf einer Leitung können zahlreiche Tiere in relativ gleichmäßigem Abstand sitzen.
Gerade größere Trupps lassen sich dort gut überblicken. Einige Vögel fliegen auf, andere kommen hinzu. Die Zusammensetzung verändert sich fortwährend.
Nicht jede Schwalbe auf einer Leitung gehört deshalb zu derselben Familie. Häufig treffen dort Jungvögel, Elternpaare und Tiere aus benachbarten Brutplätzen zusammen.
Die Leitung ist meist nicht der eigentliche Schlafplatz
Ein häufiger Irrtum lautet, dass die Schwalben auf den Stromleitungen übernachten. Oft handelt es sich jedoch um einen Sammelplatz am Nachmittag oder frühen Abend.
Besonders Rauchschwalben können sich kurz vor Sonnenuntergang von den Leitungen erheben und gemeinsam zu einem Schlafplatz fliegen. Solche Schlafplätze liegen häufig in Schilfbeständen, Röhrichten oder anderer dichter Vegetation in der Nähe von Gewässern.
Dort verschwinden mitunter Hunderte oder sogar Tausende Vögel beinahe gleichzeitig zwischen den Halmen. Am nächsten Morgen verteilen sie sich wieder zur Nahrungssuche in der Landschaft.
Weshalb sitzen Schwalben auch auf Dächern?
Dachfirste, Regenrinnen und Antennen erfüllen eine ähnliche Funktion wie Leitungen. Sie liegen erhöht, sind trocken und lassen sich frei anfliegen.
Besonders an Gebäuden mit Schwalbennestern können sich dort Jungvögel versammeln. Nach dem Ausfliegen kehren sie noch einige Zeit in die Nähe ihres Geburtsortes zurück. Manche werden außerhalb des Nestes weiterhin von den Eltern gefüttert.
Auf dem Dach üben die Jungvögel allerdings nicht erst das Fliegen von Grund auf. Sobald sie das Nest verlassen, müssen sie bereits flugfähig sein. Trotzdem sammeln sie in den folgenden Tagen wichtige Erfahrung:
Sie verbessern ihre Wendigkeit.
Sie lernen ergiebige Jagdgebiete kennen.
Sie reagieren zunehmend sicher auf Gefahren.
Sie finden geeignete Ruheplätze.
Sie schließen sich anderen Schwalben an.
Das scheinbar unruhige Hin und Her auf dem Dach gehört somit zur normalen Entwicklung junger Schwalben.
Schwalben sammeln sich für den Vogelzug
Unsere Rauch- und Mehlschwalben sind Langstreckenzieher. Ihre Winterquartiere liegen überwiegend südlich der Sahara. Zwischen dem deutschen Brutplatz und dem afrikanischen Wintergebiet können viele Tausend Kilometer liegen.
Der Zug beginnt nicht für alle Vögel gleichzeitig.
Wann ziehen Mehlschwalben fort?
Mehlschwalben können bereits ab Ende August oder Anfang September erste Zugbewegungen zeigen. Größere Ansammlungen sind vielerorts im September zu beobachten.
Sie ziehen häufig in mehreren Schüben. Während ein Teil bereits unterwegs ist, halten sich andere Mehlschwalben noch an ihren Brutplätzen oder regionalen Sammelgebieten auf. Späte Bruten können den Abflug zusätzlich verzögern.
Wann ziehen Rauchschwalben fort?
Rauchschwalben sind mit ihren Bruten teilweise früher fertig, bleiben aber häufig etwas länger in Deutschland. Der Hauptabzug findet vielerorts von Mitte September bis in den Oktober hinein statt.
Auch hier gibt es keinen verbindlichen Stichtag. Bei warmem Wetter und gutem Insektenangebot können einzelne Trupps länger bleiben. Längere Kälte- und Regenphasen können dagegen die Nahrungsbedingungen deutlich verschlechtern.
Die Reise erfolgt nicht an einem einzigen Tag
Der Vogelzug ist kein pausenloser Direktflug. Schwalben legen Zwischenstopps ein, ruhen, jagen und warten auf günstiges Wetter.
Rückenwind und trockene Bedingungen erleichtern den Weiterflug. Bei starkem Gegenwind oder anhaltendem Regen können sich an geeigneten Rastplätzen auffallend viele Tiere ansammeln.
Deshalb kann eine Leitung an einem Tag beinahe leer sein und am folgenden Nachmittag voller Schwalben sitzen. Neben den örtlichen Brutvögeln können inzwischen auch Tiere aus weiter nördlich gelegenen Regionen eingetroffen sein.
Bereiten sich Schwalben durch das Sammeln gemeinsam auf den Zug vor?
Das Sammeln ist Teil der Zugvorbereitung, sollte aber nicht wie eine menschliche Reisebesprechung verstanden werden. Die grundlegende Zugrichtung ist den Vögeln nicht erst durch ältere Artgenossen bekannt.
Dennoch bietet das Leben im Trupp Vorteile. Gemeinsam lassen sich günstige Nahrungsplätze leichter nutzen, Gefahren werden schneller bemerkt und die Vögel können in geschützten Gruppen ruhen.
Vor allem müssen Schwalben jetzt ausreichend Nahrung finden. Sie fressen fast ausschließlich fliegende Insekten. Dazu gehören unter anderem Fliegen, Mücken, Blattläuse und andere kleine Insekten, die sie mit großer Geschicklichkeit aus der Luft erbeuten.
Schwalben können auch unterwegs weiterjagen. Trotzdem sind insektenreiche Rastgebiete entscheidend. Ein kurz geschorener, ausgeräumter und mit Pflanzenschutzmitteln behandelter Landschaftsraum bietet ihnen deutlich weniger Nahrung als ein Mosaik aus Wiesen, Weiden, Gewässern, Hecken und naturnahen Gärten.
Wer mehr über die gefiederten Gäste rund ums Haus erfahren möchte, findet in unserem Ratgeber einen ausführlichen Überblick über Gartenvögel in Deutschland und ihre typischen Merkmale.
Welche Schwalben sitzen auf der Leitung?
In Deutschland fallen an Häusern vor allem zwei Arten auf: die Rauchschwalbe und die Mehlschwalbe. Beide können sich im Spätsommer auf Leitungen und Dächern versammeln, unterscheiden sich jedoch deutlich in Aussehen, Lebensraum und Nestbau.
Merkmal
Rauchschwalbe
Mehlschwalbe
Wissenschaftlicher Name
Hirundo rustica
Delichon urbicum
Auffälliges Kennzeichen
Rotbraune Stirn und Kehle
Leuchtend weißer Bürzel
Schwanz
Tief gegabelt, bei Altvögeln mit langen Schwanzspießen
Kürzer und weniger tief gegabelt
Unterseite
Hell, Kehle rotbraun, dunkles Brustband
Fast vollständig weiß
Typischer Flug
Schnell, wendig und häufig niedrig über Wiesen oder Wasser
Häufig etwas höher, mit längeren Gleitphasen
Neststandort
Meist innerhalb von Ställen, Scheunen, Garagen oder Durchfahrten
Außen unter Dachvorsprüngen und an Fassaden
Nestform
Oben offener Lehmnapf
Bis auf das Einflugloch nahezu geschlossen
Lebensraum
Besonders ländliche Gegenden, Höfe und Viehweiden
Dörfer, Städte und Gebäude mit geeigneten Dachvorsprüngen
Häufige Ansammlungen
Leitungen, Zäune und große Schilfschlafplätze
Leitungen, Dachkanten und Bereiche nahe Brutkolonien
Rauchschwalben erkennen
Rauchschwalben wirken schlank und elegant. Erwachsene Tiere besitzen lange, dünne Schwanzspieße. Stirn und Kehle sind rotbraun gefärbt, darüber liegt ein dunkles Brustband.
Im Flug jagen sie häufig niedrig über Wiesen, Weiden, Hofplätze und Wasserflächen. Ihre Lehmnester bauen sie bevorzugt in zugluftgeschützten Innenräumen.
Jungvögel haben noch deutlich kürzere Schwanzfedern. Ihre Farben wirken weniger kräftig. Sitzen viele Schwalben mit kurzen Schwänzen auf einer Leitung, handelt es sich daher häufig um diesjährige Jungvögel.
Mehlschwalben erkennen
Die Mehlschwalbe besitzt einen auffallend weißen Bürzel. Dieser helle Fleck zwischen dunklem Rücken und Schwanz ist besonders im Flug gut zu sehen.
Auch ihre Unterseite ist weiß. Der Schwanz ist kürzer als bei der Rauchschwalbe und weniger tief gegabelt. Mehlschwalben bauen ihre nahezu geschlossenen Lehmnester außen an Gebäuden, meist unter geschützten Dachvorsprüngen.
Da sie gern in Kolonien brüten, können an einem geeigneten Haus zahlreiche Nester nebeneinander entstehen.
Schwalbe oder Mauersegler?
Mauersegler werden häufig für Schwalben gehalten. Sie gehören jedoch zu einer anderen Vogelfamilie.
Ein Mauersegler erscheint im Flug fast vollständig dunkel. Seine langen, sichelförmigen Flügel lassen ihn wie einen kleinen fliegenden Anker wirken. Er verbringt einen besonders großen Teil seines Lebens in der Luft und setzt sich normalerweise nicht sichtbar auf Stromleitungen.
Mauersegler verlassen Deutschland zudem meist früher. Viele ziehen bereits Ende Juli oder im August fort. Größere Ansammlungen kleiner Vögel auf Leitungen sind daher sehr wahrscheinlich Schwalben und keine Mauersegler.
Was bedeuten besonders große Schwalbenschwärme?
Große Schwärme entstehen vor allem dort, wo mehrere günstige Bedingungen zusammenkommen:
Es gibt viele fliegende Insekten.
Offene Wiesen oder Gewässer ermöglichen eine ergiebige Jagd.
Leitungen und Dächer bieten sichere Ruheplätze.
In der Nähe befindet sich ein gemeinschaftlicher Schlafplatz.
Durchzügler treffen auf örtliche Brutvögel.
Das Wetter hält die Tiere vorübergehend in der Region.
Ein großer Schwarm kann sich innerhalb weniger Stunden bilden. Ebenso schnell kann er am nächsten Tag verschwunden sein.
Das ist normalerweise kein Grund zur Sorge. Es zeigt, dass die Gegend für die Vögel gerade Nahrung, Schutz oder eine geeignete Rastmöglichkeit bietet.
Schlafen junge Schwalben noch im Nest?
Nach dem Ausfliegen können Jungschwalben zeitweise zum Nest zurückkehren. Das gilt jedoch nicht für jedes Tier und nicht während der gesamten Zeit bis zum Abzug.
Je selbstständiger die Jungen werden, desto häufiger übernachten sie außerhalb des ursprünglichen Nestes. Rauchschwalben schließen sich dabei oft gemeinschaftlichen Schlafplätzen an. Mehlschwalben können sich noch länger im Umfeld ihrer Brutkolonie aufhalten.
Ein Nest, an dem gerade keine Schwalbe zu sehen ist, ist deshalb nicht automatisch verlassen. Auch zwischen zwei Bruten oder nach dem Ausfliegen kann es weiterhin Bestandteil der geschützten Fortpflanzungsstätte sein.
Schwalbennester dürfen nicht einfach entfernt werden
Schwalben und ihre Fortpflanzungsstätten stehen unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Es ist grundsätzlich verboten, besetzte Nester zu beschädigen oder zu zerstören. Bei Schwalben reicht der Schutz regelmäßig über die eigentliche Brutzeit hinaus, weil sie ihre Nistplätze wiederholt nutzen und im folgenden Frühjahr häufig an denselben Standort zurückkehren.
Das bedeutet: Auch ein im Winter leeres Schwalbennest darf nicht eigenmächtig abgeschlagen werden.
Diese Regel ist besonders bei folgenden Arbeiten wichtig:
Fassadensanierung,
Dachdämmung,
Erneuerung des Dachüberstandes,
Anstrich und Neuverputzung,
Umbau von Ställen oder Scheunen,
Verschließen von Fenstern und Einflugöffnungen,
Montage von Netzen oder Abwehrsystemen.
Die Tatsache, dass die Schwalben bereits nach Afrika gezogen sind, stellt noch keine automatische Erlaubnis zur Beseitigung ihrer Nester dar.
Vor geplanten Arbeiten sollte frühzeitig die zuständige untere Naturschutzbehörde eingebunden werden. Sie kann klären, ob eine Ausnahme erforderlich ist und welche Ersatzmaßnahmen vorgenommen werden müssen. Dazu können künstliche Nester oder dauerhaft erhaltene Ersatzbrutplätze gehören.
Eigenmächtiges Entfernen kann zu empfindlichen rechtlichen Folgen und hohen Bußgeldern führen.
Warum der ganzjährige Nestschutz sinnvoll ist
Der Bau eines Schwalbennestes ist eine aufwendige Arbeit. Mehlschwalben formen aus feuchter Erde und Speichel Hunderte bis weit über tausend kleine Lehmkügelchen. Diese werden Stück für Stück unter einem Dachvorsprung befestigt.
Nach der Rückkehr aus Afrika können die Vögel ein erhaltenes Nest vergleichsweise schnell ausbessern. Ist es verschwunden, müssen sie erneut geeignetes Baumaterial finden und ein vollständiges Nest errichten.
Gerade in stark versiegelten Ortschaften fehlt es jedoch an feuchten, offenen Bodenstellen. Selbst dort, wo Gebäude noch passende Dachvorsprünge besitzen, steht daher nicht immer genügend Lehm zur Verfügung.
Ein altes Nest ist deshalb kein nutzloser Schmutzrest, sondern ein wertvoller und oft über Jahre genutzter Brutplatz.
So kannst du Schwalben am Haus unterstützen
Schwalbenschutz muss nicht kompliziert sein. Häufig ist die wichtigste Maßnahme schlicht, vorhandene Nester und Einflugmöglichkeiten zu erhalten.
1. Bestehende Nester in Ruhe lassen
Berühre, repariere oder versetze ein vorhandenes Nest nicht eigenmächtig. Während der Brutzeit solltest du auch unmittelbar darunter keine lauten oder länger dauernden Arbeiten ausführen.
Kurze normale Bewegungen rund um ein bewohntes Haus werden von vielen Schwalben toleriert. Gerüste, Bohrarbeiten, Hochdruckreiniger oder Arbeiten direkt am Nest können eine Brut jedoch erheblich stören.
2. Einflugöffnungen für Rauchschwalben erhalten
Rauchschwalben benötigen Zugang zu Ställen, Scheunen, offenen Garagen oder geeigneten Durchfahrten. Werden Fenster, Türen oder Lüftungsöffnungen dauerhaft geschlossen, kann ein über viele Jahre genutzter Brutplatz verloren gehen.
Ein geeigneter Innenraum sollte:
zugluftgeschützt sein,
nicht vollständig dunkel sein,
einen freien Ein- und Ausflug ermöglichen,
vor Katzen und Mardern geschützt sein,
sich im Sommer nicht extrem aufheizen.
3. Geeignete Kunstnester anbieten
Kunstnester sind besonders dort sinnvoll, wo Schwalben bereits vorkommen, aber wenig geeignetes Baumaterial oder nur wenige natürliche Nestansätze finden.
Für Mehlschwalben werden nahezu geschlossene Kunstnester mit kleinem Einflugloch außen unter einem Dachvorsprung angebracht. Da sie Koloniebrüter sind, sind mehrere Nester meist erfolgversprechender als ein einzelnes.
Rauchschwalben benötigen dagegen offene Napfnester oder geeignete Nistbrettchen innerhalb eines zugänglichen Gebäudes.
Bei der Montage kommt es auf die Art, den Standort, den freien Anflug und den Abstand zur Decke an. Kunstnester sollten möglichst außerhalb der Brutzeit angebracht werden. Bereits vorhandene Naturnester dürfen dadurch nicht beeinträchtigt werden.
4. Kotbrett statt Nestentfernung
Schwalbenkot an Fassade, Fensterbank oder Boden führt immer wieder zu Konflikten. Dabei lässt sich das Problem meist einfach lösen.
Ein Kotbrett wird ungefähr 50 bis 90 Zentimeter unterhalb der Nester angebracht. Ein Abstand von rund 60 Zentimetern ist häufig günstig. Das Brett sollte tief genug sein, um herabfallenden Kot aufzufangen, ohne den freien Anflug zu behindern.
Wichtig ist der Zeitpunkt: Das Brett sollte vor der Rückkehr im Frühjahr oder nach dem vollständigen Abzug im Herbst montiert werden. Während einer laufenden Brut wird nicht unmittelbar am Nest gearbeitet.
5. Eine Lehmpfütze anlegen
Feuchter Lehm ist für den Nestbau unverzichtbar. Eine kleine offene Bodenstelle kann deshalb mehr bewirken als aufwendige Gartendekoration.
Geeignet ist eine flache Mulde oder Schale mit lehmiger Erde. Sie sollte:
frei angeflogen werden können,
möglichst nicht weiter als etwa 300 Meter vom Nistplatz entfernt liegen,
keine Deckung für lauernde Katzen bieten,
während der Bauzeit feucht gehalten werden,
flach und ohne tiefe Wasserstellen angelegt sein.
Besonders wichtig ist die Lehmpfütze von April bis Juni und während trockener Wetterphasen. Im Spätsommer hilft sie für die laufende Saison kaum noch beim Nestbau, kann aber bereits für das kommende Frühjahr geplant werden.
6. Mehr Insekten im Garten zulassen
Schwalben kommen nicht an ein Futterhaus. Körner, Brot oder Meisenknödel helfen ihnen nicht, denn sie benötigen fliegende Insekten.
Ein schwalbenfreundlicher Garten ist daher vor allem ein insektenfreundlicher Garten. Wertvoll sind:
heimische, ungefüllte Blüten,
ein durchgehendes Blütenangebot,
weniger häufig gemähte Bereiche,
eine kleine Blumenwiese,
Hecken und blütenreiche Säume,
Wasserstellen und naturnahe Teiche,
der Verzicht auf Insektizide,
weniger künstliches Licht in der Nacht.
Eine Fläche muss dafür nicht ungepflegt wirken. Schon ein bewusst stehen gelassener Wiesenstreifen kann viele Insekten hervorbringen. Wie sich eine solche Fläche entwickeln lässt, zeigt unser Ratgeber Blumenwiese statt Golfrasen.
Weitere konkrete Maßnahmen findest du in unserer Anleitung zum vogelfreundlichen Garten. Auch ein bienenfreundlicher Garten mit vielen heimischen Blüten verbessert indirekt die Nahrungsgrundlage zahlreicher insektenfressender Vögel.
Schwalben sammeln sich
Was du jetzt im Spätsommer konkret tun kannst
Wenn sich die Schwalben bereits auf Leitungen und Dächern sammeln, benötigen sie vor allem Ruhe und ausreichend Nahrung.
Eine praktische Spätsommer-Checkliste:
Verschiebe Arbeiten direkt an besetzten Nestern.
Entferne weder Nester noch Nestteile.
Verzichte in Garten und Hof auf Insektizide.
Mähe blütenreiche Flächen nicht vollständig auf einmal.
Störe bekannte Schlafplätze in Schilf und Röhricht nicht.
Halte Katzen am frühen Morgen und Abend möglichst vom Nestumfeld fern.
Beobachte die Vögel mit Abstand statt unmittelbar unter den Nestern.
Plane Nisthilfen, Kotbretter und Renovierungen für die Zeit nach dem Abzug.
Stimme unvermeidbare Veränderungen an Brutplätzen vorher mit der Naturschutzbehörde ab.
Renovierung am Schwalbenhaus: richtig planen
Ein schwalbenfreundliches Haus muss nicht auf notwendige Instandhaltung verzichten. Entscheidend sind Vorbereitung und Abstimmung.
Schritt 1: Nester erfassen
Notiere, wo sich vollständige Nester, Nestansätze und regelmäßig genutzte Einflugöffnungen befinden. Fotografiere die Stellen aus sicherer Entfernung.
Schritt 2: Brutaktivität beobachten
Ein- und ausfliegende Altvögel, Bettelrufe und Kotspuren können auf eine aktive Brut hinweisen. Auch nach dem vermeintlichen Ausfliegen kann noch eine weitere Brut folgen.
Warte nicht bis zum Aufstellen des Gerüstes. Je früher Brutplätze bekannt sind, desto leichter können Bauablauf, Ersatzquartiere und geeignete Zeitfenster geplant werden.
Schritt 4: Ersatzmaßnahmen vor Beginn festlegen
Kunstnester müssen artgerecht, dauerhaft und frei anfliegbar angebracht werden. Ein beliebiger Nistkasten an einem Baum ersetzt kein Mehlschwalbennest unter dem Dach.
Schritt 5: Erfolg kontrollieren
Nach Abschluss der Arbeiten sollte geprüft werden, ob die vorgesehenen Brutplätze tatsächlich erreichbar geblieben sind. Netze, Gerüstteile, glatte Fassaden oder ungünstig montierte Bretter können den Anflug versehentlich blockieren.
Wie lassen sich Schwalben gut beobachten?
Das Sammeln der Schwalben gehört zu den schönsten Naturbeobachtungen des Spätsommers. Ein Fernglas ist hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich.
Setze dich am späten Nachmittag mit etwas Abstand zu einer regelmäßig genutzten Leitung. Achte auf vier Dinge:
Wie viele Vögel sitzen dort?
Lassen sich lange Schwanzspieße oder weiße Bürzel erkennen?
In welche Richtung fliegt der Trupp am Abend?
Kehren am nächsten Tag ähnlich viele Tiere zurück?
Mit einem kleinen Naturtagebuch werden Veränderungen sichtbar. Datum, Uhrzeit, Wetter und geschätzte Anzahl reichen aus. Eine hilfreiche Methode für zuverlässige Beobachtungen beschreibt auch unser Beitrag über die richtige Zählung von Gartenvögeln.
Bekannte Schlafplätze sollten nicht betreten werden. Auf Drohnen, laute Annäherung und das Ausleuchten von Röhrichten ist zu verzichten. Gerade vor dem Vogelzug müssen die Tiere ihre Energie für Nahrungssuche und Reise nutzen können.
Kündigen tief fliegende Schwalben Regen an?
Die alte Bauernregel „Fliegen die Schwalben niedrig, gibt es Regen“ besitzt einen nachvollziehbaren Hintergrund. Bei feuchter, kühler oder windiger Witterung verändern sich Flugaktivität und Flughöhe vieler Insekten. Die Schwalben folgen ihrer Nahrung und jagen dann häufiger näher am Boden.
Eine zuverlässige Wettervorhersage ist das trotzdem nicht. Auch Tageszeit, Gelände, Insektenart und lokale Luftströmungen beeinflussen die Flughöhe.
Ebenso wenig kündigt eine große Ansammlung auf der Leitung automatisch einen frühen Winter an. Sie zeigt vor allem, dass Brutzeit und Spätsommer ihrem Ende entgegengehen und der Vogelzug begonnen hat.
„An Mariä Geburt fliegen die Schwalben fort“
Der 8. September, das Fest Mariä Geburt, spielt in alten Bauernregeln eine besondere Rolle. Überliefert ist unter anderem der Spruch:
„An Mariä Geburt fliegen die Schwalben furt.“
Solche Regeln entstanden aus jahrhundertelanger Naturbeobachtung. Anfang September werden tatsächlich vielerorts größere Schwalbenansammlungen sichtbar.
Als fester Abflugtermin darf das Sprichwort dennoch nicht verstanden werden. Mehlschwalben, Rauchschwalben, Altvögel, Jungvögel und späte Bruten ziehen zu unterschiedlichen Zeiten. Manche Schwalben sind Anfang September bereits unterwegs, andere bleiben bis in den Oktober.
Gerade darin liegt der Reiz der Beobachtung: Die Jahreszeit folgt keinem starren Kalender. Sie zeigt sich an jedem Hof, jedem Dorf und jedem Leitungsabschnitt ein wenig anders.
Das Schwalbenjahr am Haus
Zeitraum
Typisches Geschehen
Was Hauseigentümer beachten sollten
Ende März bis April
Erste Rauchschwalben kehren zurück, später folgen viele Mehlschwalben
Einflugöffnungen zugänglich halten, keine störenden Arbeiten beginnen
April bis Juni
Nestbau, Ausbesserung und erste Bruten
Lehmpfütze feucht halten, Insektizide vermeiden
Juni bis August
Jungvögel werden aufgezogen, teilweise beginnt eine weitere Brut
Nester nicht stören, Katzen fernhalten
Ende August bis September
Immer mehr Schwalben sammeln sich auf Leitungen und Dächern
Beobachten, Schlafplätze schützen, Renovierungen noch nicht vorschnell beginnen
September bis Oktober
Hauptzeit des Abzuges, regional weiterhin späte Vögel
Vor Arbeiten sicherstellen, dass keine Brut mehr aktiv ist
November bis Februar
Schwalben befinden sich im Winterquartier
Maßnahmen mit Behörde abstimmen, Nisthilfen und Kotbretter vorbereiten
Die Zeitangaben sind Richtwerte. Region, Höhenlage, Witterung und Bruterfolg können den Ablauf deutlich verschieben.
Häufige Fragen zum Sammeln der Schwalben
Warum sammeln sich Schwalben im August?
Ab Ende August sind viele Jungvögel flügge. Familien verlassen das engere Nestumfeld, schließen sich größeren Trupps an und nutzen gemeinsame Ruhe- und Nahrungsplätze. Bei Mehlschwalben können gleichzeitig bereits erste Zugbewegungen beginnen.
Bedeutet eine volle Leitung, dass die Schwalben morgen fortfliegen?
Nein. Einige Tiere ziehen möglicherweise bald weiter, andere bleiben noch Tage oder Wochen. Wetter, Insektenangebot, Art und Brutzeitpunkt beeinflussen den Abflug.
Warum zwitschern Schwalben auf der Leitung so viel?
Die Rufe dienen dem Kontakt innerhalb des Trupps. Jungvögel können außerdem noch nach ihren Eltern rufen. Bei häufigem Auffliegen, Landen und Wechseln der Sitzplätze entsteht schnell ein auffälliges Stimmengewirr.
Schlafen Schwalben auf Stromleitungen?
Mitunter bleiben einzelne Tiere lange sitzen, doch Leitungen sind häufig nur Sammel- und Ruheplätze. Besonders Rauchschwalben wechseln am Abend oft zu gemeinschaftlichen Schlafplätzen in Schilf oder dichter Vegetation.
Bekommen Schwalben auf Stromleitungen einen Stromschlag?
Ein Vogel, der nur einen einzelnen Leiter berührt, überbrückt normalerweise keinen relevanten Spannungsunterschied. Gefährlich wird es, wenn gleichzeitig zwei Leiter oder ein Leiter und ein geerdetes Bauteil berührt werden. Kleine Schwalben können solche Abstände meist nicht überbrücken.
Wohin fliegen unsere Schwalben im Winter?
Rauch- und Mehlschwalben aus Europa überwintern überwiegend in Afrika südlich der Sahara. Die genaue Route und das Wintergebiet können je nach Population und Individuum variieren.
Darf ein leeres Schwalbennest im Winter entfernt werden?
Nicht eigenmächtig. Wiederholt genutzte Schwalbennester stehen regelmäßig auch außerhalb der Brutzeit unter Schutz. Vor Sanierungen oder unvermeidbaren Veränderungen muss die zuständige Naturschutzbehörde einbezogen werden.
Kann man Schwalben mit Vogelfutter helfen?
Normales Vogelfutter ist ungeeignet. Schwalben fressen nahezu ausschließlich fliegende Insekten. Am besten hilft ein giftfreier, blütenreicher und strukturreicher Lebensraum.
Was tun, wenn eine Schwalbe nicht mehr wegfliegt?
Eine Schwalbe, die am Boden sitzt, nicht auffliegt, sichtbar verletzt ist oder von einer Katze erfasst wurde, benötigt fachkundige Hilfe. Der Vogel sollte vorsichtig in einem kleinen, gut belüfteten Karton dunkel und ruhig untergebracht werden. Kein Wasser in den Schnabel geben und keine eigenmächtigen Fütterungsversuche unternehmen. Anschließend eine Wildvogelstation oder vogelkundige Tierarztpraxis kontaktieren.
Kommen Schwalben im nächsten Jahr an dasselbe Haus zurück?
Viele Schwalben sind ihrem Brutplatz sehr treu. Erhaltene Nester werden nach der Rückkehr häufig erneut bezogen oder ausgebessert. Deshalb ist der Schutz bestehender Brutplätze besonders wirkungsvoll.
Die Schwalben auf der Leitung erzählen vom Ende des Sommers
Wenn sich die Schwalben sammeln, verändert sich die Landschaft für einen kurzen Augenblick. Leitungen werden zu langen Sitzbänken, Dächer zu Treffpunkten und der Himmel über Wiesen und Höfen zu einer Bühne aus schnellen Kurven und leisen Rufen.
Für die Jungvögel beginnt nun der erste große Abschnitt ihres Lebens außerhalb des Nestes. Für die Altvögel liegt eine kräftezehrende Brutzeit hinter ihnen. Vor allen liegt eine Reise, die sie über Tausende Kilometer bis nach Afrika führen wird.
Wir können ihnen diese Reise nicht abnehmen. Aber wir können dafür sorgen, dass sie mit genügend Nahrung starten, an ihren Rastplätzen Ruhe finden und im nächsten Frühjahr wieder ein unversehrtes Nest vorfinden.
Manchmal beginnt wirksamer Naturschutz genau so: mit einem alten Nest unter dem Dach, einem ungemähten Wiesenstreifen und der Entscheidung, die Schwalben auf der Leitung nicht als Unordnung, sondern als eines der schönsten Zeichen des Spätsommers zu betrachten.
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