Schafskälte: Wenn der Juni plötzlich fröstelt – was Gartenfreunde, Selbstversorger und Genießer jetzt wissen sollten
Der Sommer macht Pause
Gerade noch roch der Garten nach warmem Boden, Holunderblüten und frisch gemähtem Gras. Die Tomaten standen schon mutig draußen, die Gurken reckten ihre ersten Ranken in die Sonne, und auf der Terrasse fühlte sich der Abend fast mediterran an. Und dann: kalter Wind, grauer Himmel, Regen, vielleicht sogar ein Temperatursturz um mehrere Grad. Willkommen bei der Schafskälte.
Die Schafskälte ist ein typischer Witterungsrückfall im Juni. Sie tritt häufig etwa zwischen dem 4. und 20. Juni auf, besonders oft um die Monatsmitte. Der Deutsche Wetterdienst beschreibt sie als kühlen Witterungsabschnitt, der häufig Mitte Juni auftritt; für den Zeitraum 10. bis 12. Juni nennt der DWD eine hohe Wahrscheinlichkeit für unterdurchschnittliche Temperaturen.
Für viele Menschen ist die Schafskälte nur ein kurzer Griff zur Strickjacke. Für Gartenbesitzer, Selbstversorger, Balkon-Gärtner und Tierhalter kann sie aber entscheidend sein. Denn gerade im Juni stehen empfindliche Kulturen wie Tomaten, Gurken, Zucchini, Kürbis, Basilikum oder junge Bohnen mitten im Wachstum. Ein plötzlicher Kälteeinbruch bedeutet Stress für Pflanzen – und manchmal den Unterschied zwischen üppiger Ernte und mickrigem Sommer.
In diesem Artikel erfahren Sie, was die Schafskälte ist, woher der Name kommt, wann sie auftritt, welche Pflanzen besonders gefährdet sind, wie Sie Ihren Garten schützen und wie Sie die kühlen Junitage sogar kulinarisch nutzen können.
Was ist die Schafskälte?
Die Schafskälte ist ein wiederkehrender Kälterückfall im Frühsommer. Gemeint ist eine Wetterphase im Juni, in der kühle, feuchte Luft nach Mitteleuropa strömt. Die Temperaturen fallen spürbar, oft begleitet von Regen, Wind und unbeständigem Wetter.
Typisch für die Schafskälte sind:
- plötzlicher Temperaturrückgang nach warmen Tagen
- kühler Nordwestwind
- feuchtes, wechselhaftes Wetter
- erhöhte Regenwahrscheinlichkeit
- frische Nächte
- in höheren Lagen teils sehr kalte Bedingungen
MeteoSchweiz ordnet die Schafskälte ebenfalls als nasskalten Witterungsregelfall im Juni ein und zeigt, dass sich dieser Kälterückfall je nach Klimaperiode zeitlich etwas verschieben kann.
Wichtig ist: Die Schafskälte ist keine Garantie. Sie kommt nicht jedes Jahr gleich stark. Manchmal ist sie deutlich spürbar, manchmal bleibt sie fast unbemerkt. Aber sie ist verlässlich genug, dass erfahrene Gärtner sie in ihrer Jahresplanung berücksichtigen.

Warum heißt es Schafskälte?
Der Name klingt fast liebevoll, hat aber einen ernsten Ursprung. Traditionell wurden Schafe im Frühsommer geschoren. Kam danach ein Kälteeinbruch, waren die Tiere ohne ihr wärmendes Vlies besonders empfindlich gegen Nässe, Wind und niedrige Temperaturen.
Vor allem frisch geschorene Schafe, Lämmer und Muttertiere konnten unter der plötzlichen Kälte leiden. Daher warteten viele Schäfer früher mit der Schur bis nach dieser kritischen Phase – oder sie schützten ihre Tiere besonders sorgfältig.
Die Schafskälte erinnert also daran, dass Bauernregeln nicht aus Romantik entstanden sind, sondern aus genauer Naturbeobachtung. Wer draußen lebt, wirtschaftet und erntet, merkt sich solche Wetterphasen. Nicht für Kalenderpoesie, sondern fürs Überleben.
Wann ist Schafskälte?
Als Zeitraum wird meist Anfang bis Mitte Juni genannt. Häufig fällt die Schafskälte in die Phase vom 4. bis 20. Juni, mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit um den 11. Juni. Einige aktuelle Wetterdienste und Ratgeber nennen ebenfalls diesen Zeitraum als typische Spanne.
Für Gartenbesitzer bedeutet das:
Nach den Eisheiligen ist noch nicht automatisch Sommer-Sicherheit.
Viele Menschen pflanzen nach Mitte Mai Tomaten, Gurken, Paprika und Zucchini ins Freiland. Das ist grundsätzlich richtig. Aber die Schafskälte zeigt: Auch im Juni kann es noch einmal ungemütlich werden. Frost ist in den meisten Tieflagen zwar selten, doch kalte Nächte, Wind und Dauerregen können wärmeliebende Pflanzen stark bremsen.
Schafskälte und Eisheilige: Was ist der Unterschied?
Die Eisheiligen liegen im Mai und sind vor allem wegen möglicher Spätfröste bekannt. Die Schafskälte folgt im Juni und bringt meist keinen klassischen Frost mehr, sondern eher einen feucht-kühlen Witterungsrückfall.
Eisheilige
- Zeitraum: Mitte Mai
- Hauptgefahr: Nachtfrost
- besonders kritisch für Jungpflanzen
- betrifft Aussaaten und frisch gepflanzte Sommergemüse
Schafskälte
- Zeitraum: Anfang bis Mitte Juni
- Hauptgefahr: Kälte, Wind, Regen, Wachstumsstopp
- besonders kritisch für wärmeliebende Pflanzen
- betrifft Tomaten, Gurken, Kürbis, Zucchini, Paprika und Basilikum
Die Eisheiligen entscheiden oft, wann man pflanzt. Die Schafskälte entscheidet oft, wie gut die Pflanzen anwachsen.
Warum entsteht die Schafskälte?
Die Ursache liegt in der großräumigen Wetterlage. Im Juni erwärmt sich das europäische Festland oft schon stark. Die Meere sind dagegen noch vergleichsweise kühl. Dadurch können sich Luftdruckunterschiede bilden, die kühle, feuchte Luft aus nordwestlichen Richtungen nach Mitteleuropa führen.
Das Ergebnis: Der Frühsommer wird kurz unterbrochen. Statt lauer Abende gibt es Windjacke. Statt Grillwetter gibt es Suppentopf. Statt „Tomaten wachsen wie verrückt“ gibt es „Tomaten stehen beleidigt herum“.
Meteorologisch betrachtet ist die Schafskälte ein sogenannter Witterungsregelfall oder eine Singularität: ein Wetterereignis, das zu einer bestimmten Jahreszeit häufiger beobachtet wird als zufällig zu erwarten wäre.
Welche Bedeutung hat die Schafskälte für den Garten?
Für den Garten ist die Schafskälte vor allem deshalb wichtig, weil viele Pflanzen im Juni in einer empfindlichen Wachstumsphase sind. Sie haben das Auspflanzen gerade hinter sich, bilden neue Wurzeln, setzen Blüten an oder starten in ihr Hauptwachstum.
Ein plötzlicher Temperaturabfall kann:
- das Wachstum verlangsamen
- Blütenansätze schwächen
- Wurzeln stressen
- Pilzkrankheiten begünstigen
- Jungpflanzen anfälliger machen
- Bestäubung verzögern
- empfindliche Kräuter schädigen
Besonders problematisch ist nicht nur die Kälte selbst, sondern die Kombination aus Kälte, Nässe und Wind.
Eine Tomatenpflanze verträgt einen frischen Tag besser als drei Tage kalten Regen mit nassen Blättern. Eine Gurke überlebt eine kühle Nacht eher, wenn ihre Wurzeln warm und trocken stehen. Basilikum ist weniger beleidigt, wenn es nicht gleichzeitig im Wind steht und nasse Füße bekommt.
Diese Pflanzen leiden besonders unter der Schafskälte
Tomaten
Tomaten mögen Wärme, Licht und trockene Blätter. Während der Schafskälte wachsen sie oft deutlich langsamer. Dauerregen kann außerdem Pilzkrankheiten fördern.
Schutzmaßnahmen:
- Tomaten überdachen
- nasse Blätter vermeiden
- Mulch nicht direkt an den Stängel legen
- bei Kübelpflanzen geschützten Standort wählen
- bei kalten Nächten Vlies verwenden
Gurken
Gurken sind noch empfindlicher als Tomaten. Sie reagieren auf kalte Böden, nasse Wurzeln und Wind oft mit Wachstumsstopp.
Schutzmaßnahmen:
- Boden warm halten
- Vlies oder Folientunnel nutzen
- nicht abends gießen
- Kübel an Hauswand stellen
- Staunässe vermeiden
Zucchini und Kürbis
Zucchini und Kürbis sind robust, aber nicht kälteverliebt. Junge Pflanzen können bei nasskaltem Wetter gelbe Blätter bekommen oder im Wachstum stocken.
Schutzmaßnahmen:
- Pflanzen mit Vlies schützen
- Boden mulchen
- windgeschützten Standort wählen
- Schnecken kontrollieren
- nicht zu früh düngen, wenn es kalt ist
Paprika und Chili
Paprika und Chili brauchen Wärme. Bei Schafskälte stehen sie oft tagelang still. Besonders Kübelpflanzen sollten geschützt werden.
Schutzmaßnahmen:
- Kübel nachts an geschützten Platz stellen
- Pflanzen nicht zu nass halten
- Vlieshauben verwenden
- tagsüber bei Sonne wieder lüften
Basilikum
Basilikum ist ein echter Sommerprinz. Kälte, Wind und Nässe nimmt es persönlich.
Schutzmaßnahmen:
- besser im Topf kultivieren
- bei Kälte ins Haus oder Gewächshaus stellen
- nicht von oben gießen
- keine kalten, zugigen Standorte
Bohnen
Bohnen mögen warme Böden. Werden sie kurz vor der Schafskälte ausgesät, keimen sie schlecht oder faulen bei nasser Kälte.
Schutzmaßnahmen:
- Aussaat nicht zu früh
- bei kühler Prognose warten
- Boden mit Vlies erwärmen
- nachlegen, wenn Keimung schlecht war
Diese Pflanzen kommen mit Schafskälte besser zurecht
Nicht alles im Garten gerät bei Schafskälte in Panik. Viele Kulturen profitieren sogar von kühleren Tagen.
Robuster sind zum Beispiel:
- Salat
- Spinat
- Mangold
- Erbsen
- Kohlrabi
- Brokkoli
- Blumenkohl
- Grünkohl
- Radieschen
- Petersilie
- Schnittlauch
- Minze
- Rhabarber
- Erdbeeren, sofern keine Staunässe entsteht
Gerade Blattgemüse bleibt bei kühlerem Wetter oft zarter und schießt weniger schnell. Während Tomaten schmollen, macht Mangold einfach weiter. Sehr sympathisch.
Schafskälte im Hochbeet
Hochbeete erwärmen sich im Frühjahr schneller als normale Beete. Das ist ein Vorteil. Während der Schafskälte können Hochbeete aber auch stärker auskühlen, wenn sie frei im Wind stehen.
Praktische Tipps:
- empfindliche Pflanzen mit Vlies abdecken
- Frühbeetaufsatz nutzen
- bei Regen lüften, damit sich keine Pilzluft staut
- Mulchschicht aus Stroh oder Rasenschnitt dünn auftragen
- keine empfindlichen Jungpflanzen direkt vor der Schafskälte setzen
Ein Hochbeet mit Tomaten, Gurken oder Paprika sollte im Juni nicht völlig ungeschützt stehen. Ein einfacher Vliesbogen kann schon viel bewirken.
Schafskälte auf dem Balkon
Balkongärtner haben einen Vorteil: Kübel lassen sich bewegen.
Wenn die Schafskälte kommt:
- Tomaten an die Hauswand rücken
- Basilikum ins Haus holen
- Gurken windgeschützt stellen
- Balkonkästen nicht durchnässen lassen
- Untersetzer bei Dauerregen leeren
- empfindliche Pflanzen nachts mit Vlies schützen
Besonders wichtig: Kübelpflanzen haben weniger Bodenvolumen. Ihre Wurzeln kühlen schneller aus. Wer im Garten nur „frisch“ merkt, hat im Topf manchmal schon echte Wachstumsbremse.
Gewächshaus und Folientunnel: Segen mit Lüftungspflicht
Ein Gewächshaus schützt vor Wind und Regen. Das ist während der Schafskälte hervorragend. Aber: Geschlossene, feuchte Luft kann Pilzkrankheiten fördern.
Deshalb gilt:
- tagsüber lüften
- Kondenswasser vermeiden
- Pflanzen nicht zu dicht setzen
- kranke Blätter entfernen
- morgens statt abends gießen
- Erde feucht, aber nicht nass halten
Ein Folientunnel ist besonders für Gurken, Zucchini und junge Bohnen sinnvoll. Aber auch hier gilt: Bei Sonne kann es schnell zu warm werden. Schutz ja, Sauna nein.
Was Gartenfreunde vor der Schafskälte erledigen sollten
1. Wetterbericht beobachten
Ab Ende Mai lohnt sich ein genauer Blick auf die Wetterprognose. Nicht jede kühle Nacht ist Schafskälte, aber ein mehrtägiger Temperatursturz mit Regen und Nordwestwind sollte ernst genommen werden.
2. Empfindliche Pflanzen nicht zu früh setzen
Wer sehr früh pflanzt, braucht Schutz. Wer entspannt wartet, spart Nerven.
3. Vlies bereithalten
Gartenvlies ist eine der einfachsten und günstigsten Schutzmaßnahmen. Es schützt vor Kälte, Wind und Starkregen.
4. Kübel mobil halten
Paprika, Chili, Basilikum und junge Tomaten sind im Topf flexibel. Bei Kälte kommen sie an die Wand, ins Gewächshaus oder kurz ins Haus.
5. Nicht überdüngen
Bei Kälte nehmen Pflanzen Nährstoffe schlechter auf. Zu viel Dünger kann dann mehr schaden als helfen.
6. Schnecken kontrollieren
Nasskaltes Wetter ist Schneckenwetter. Junge Zucchini, Kürbisse, Salate und Bohnen sind dann gefährdet.
Was Sie während der Schafskälte nicht tun sollten
Viele Gartenschäden entstehen nicht durch die Schafskälte selbst, sondern durch falsche Reaktionen.
Vermeiden Sie:
- abends kräftig zu gießen
- empfindliche Pflanzen bei Kälte umzusetzen
- nasse Blätter zusätzlich zu besprühen
- stark zu düngen
- Pflanzen luftdicht einzupacken
- bei Wind loses Vlies unbefestigt zu lassen
- kranke Blätter liegen zu lassen
Vor allem Tomaten brauchen jetzt Luft, Schutz und Ruhe. Nicht jeden Tag daran herumdoktern. Pflanzen sind Lebewesen, keine Excel-Tabellen.
Schafskälte und Pflanzenkrankheiten
Kühle, feuchte Witterung kann Pilzkrankheiten begünstigen. Besonders gefährdet sind dicht stehende Pflanzen und solche mit dauerhaft nassen Blättern.
Achten Sie auf:
- braune Flecken an Tomatenblättern
- gelbe Blätter bei Gurken
- weiche Stängel
- Schimmel an der Erdoberfläche
- faulende Keimlinge
- Schneckenfraß an Jungpflanzen
Vorbeugung:
- ausreichend Abstand
- gute Luftzirkulation
- morgens gießen
- Mulch maßvoll einsetzen
- befallene Blätter entfernen
- Tomaten möglichst regengeschützt kultivieren
Schafskälte und Boden: Der unterschätzte Faktor
Viele Hobbygärtner achten nur auf Lufttemperaturen. Doch für Pflanzen ist der Boden mindestens genauso wichtig.
Wärmeliebende Kulturen brauchen warme Wurzeln. Kalter, nasser Boden bremst:
- Keimung
- Wurzelwachstum
- Nährstoffaufnahme
- Blütenbildung
- Fruchtansatz
Deshalb lohnt es sich, den Boden vor und während der Schafskälte zu schützen.
Geeignet sind:
- Stroh
- dünner Rasenschnitt
- Schafwolle
- Laubkompost
- Frühbeetabdeckung
- schwarze Mulchfolie bei wärmeliebenden Kulturen
Aber Vorsicht: Zu viel Mulch auf nassem Boden hält die Feuchtigkeit. Besser dünn mulchen und beobachten.
Traditionelles Gartenwissen: Warum alte Bauernregeln oft erstaunlich praktisch sind
Bauernregeln sind keine exakten Wetterprognosen. Aber sie enthalten Erfahrungswissen. Die Schafskälte gehört zu diesen Regeln, weil Generationen von Bauern, Schäfern und Gärtnern beobachtet haben: Im Juni kommt oft noch einmal ein Kälterückfall.
Für moderne Gärtner bedeutet das nicht, dass man abergläubisch werden muss. Es bedeutet: Naturbeobachtung lohnt sich.
Achten Sie auf:
- Windrichtung
- Wolkenbilder
- Bodentemperatur
- Verhalten von Insekten
- Regenphasen
- nächtliche Abkühlung
- Wachstumsreaktionen Ihrer Pflanzen
Ein guter Garten entsteht nicht nur durch Apps, sondern durch Hinschauen.
Schafskälte in der Selbstversorgung
Wer sich teilweise selbst versorgt, muss die Schafskälte in der Jahresplanung berücksichtigen. Denn sie kann beeinflussen, wann bestimmte Kulturen gesät, gepflanzt oder geschützt werden.
Sinnvolle Strategie
- empfindliche Kulturen gestaffelt pflanzen
- nicht alle Gurken gleichzeitig raussetzen
- Ersatzpflanzen bereithalten
- Bohnen nachsäen können
- Tomaten überdachen
- Kräuter im Topf flexibel halten
- Salate und Kohl als robuste Reserve anbauen
Selbstversorgung lebt von Vielfalt. Wer nur auf Tomaten setzt, leidet bei Kälte. Wer Salat, Mangold, Erbsen, Kräuter und Kohl im Garten hat, bleibt gelassen.
Was tun nach der Schafskälte?
Nach dem Kälterückfall brauchen Pflanzen Erholung. Jetzt ist Fingerspitzengefühl gefragt.
Kontrollieren
Schauen Sie nach:
- beschädigten Blättern
- Schneckenfraß
- Staunässe
- Pilzzeichen
- abgeknickten Trieben
- gelben Blättern
Nicht sofort radikal schneiden
Leicht geschädigte Blätter können der Pflanze noch Energie liefern. Entfernen Sie nur stark beschädigte, matschige oder kranke Pflanzenteile.
Sanft düngen
Wenn die Temperaturen wieder steigen, können Pflanzen wieder besser Nährstoffe aufnehmen. Dann ist eine milde Düngung sinnvoll, etwa mit:
- Komposttee
- Brennnesseljauche stark verdünnt
- organischem Gemüsedünger
- Wurmhumus
- reifem Kompost
Boden lockern
Nach viel Regen kann der Boden verschlämmen. Lockern Sie vorsichtig die Oberfläche, ohne Wurzeln zu verletzen.
Schafskälte und Küche: Was passt jetzt auf den Teller?
Ein Kochen-und-Garten-Magazin darf bei der Schafskälte natürlich nicht beim Vlies aufhören. Denn kühle Junitage haben auch kulinarisch ihren Reiz.
Wenn der Sommer kurz Pause macht, schmecken Gerichte, die wärmen, aber nicht schwer sind.
Perfekte Gerichte zur Schafskälte
- junge Kartoffeln mit Kräuterquark
- Frühlingssuppe mit Erbsen und Kohlrabi
- Mangoldpfanne mit Ei
- warme Radieschen aus der Pfanne
- Spargel-Kartoffel-Auflauf
- Kräuteromelett mit Schnittlauch
- Rhabarberkompott
- Ofengemüse mit jungen Möhren
- Hühnersuppe mit Gartengemüse
- cremige Kohlrabisuppe
Die Schafskälte ist die Zeit zwischen Frühlingsküche und Sommerküche. Noch nicht ganz Tomatensalat. Nicht mehr ganz Wintereintopf. Genau dazwischen liegt ihr Charme.
Rezeptidee: Wärmende Schafskälte-Suppe mit Kohlrabi, Kartoffeln und Gartenkräutern
Zutaten für 4 Personen
- 2 Kohlrabi
- 500 g junge Kartoffeln
- 1 Zwiebel
- 1 EL Butter oder Öl
- 1 Liter Gemüsebrühe
- 100 ml Sahne oder Hafercuisine
- 1 Bund Schnittlauch
- etwas Petersilie
- Salz
- Pfeffer
- Muskat
- optional: geröstete Brotwürfel
Zubereitung
- Zwiebel fein würfeln.
- Kohlrabi und Kartoffeln schälen und klein schneiden.
- Zwiebel in Butter oder Öl glasig dünsten.
- Kohlrabi und Kartoffeln hinzufügen.
- Mit Gemüsebrühe aufgießen und 20 Minuten köcheln lassen.
- Einen Teil der Suppe pürieren, damit sie cremig wird.
- Sahne einrühren.
- Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.
- Mit Schnittlauch, Petersilie und Brotwürfeln servieren.
Diese Suppe passt perfekt zu kühlen Junitagen: leicht, saisonal, sättigend und herrlich einfach.
Saisonale Zutaten während der Schafskälte
Im Juni gibt es bereits viele regionale Zutaten, die auch bei kühlerem Wetter wunderbar funktionieren.
Typisch sind:
- Kohlrabi
- Radieschen
- Salat
- Spinat
- Mangold
- Erbsen
- junge Möhren
- neue Kartoffeln
- Rhabarber
- Erdbeeren
- Schnittlauch
- Petersilie
- Minze
- Holunderblüten
Wer saisonal kocht, erlebt die Schafskälte nicht als Störung, sondern als Einladung: Jetzt kommen noch einmal warme, kräuterreiche, bodenständige Gerichte auf den Tisch.
Schafskälte für Kinder erklären
Kinder verstehen Wetter am besten über Bilder.
Man kann sagen:
Die Schafskälte ist ein kurzer Kältebesuch im Juni. Der Sommer ist eigentlich schon unterwegs, aber manchmal pustet der Wind noch einmal kalte Luft zu uns. Früher war das besonders für frisch geschorene Schafe gefährlich – deshalb heißt es Schafskälte.
Dazu passt ein kleines Gartenritual:
- gemeinsam Pflanzen abdecken
- morgens Temperatur messen
- Schnecken suchen
- Suppe kochen
- Schafe malen
- Wettertagebuch führen
So wird aus einem grauen Junitag ein Naturerlebnis.
Schafskälte und Klimawandel
Auch wenn die Sommer insgesamt wärmer werden, verschwinden Wetterrückfälle nicht automatisch. Sie können anders ausfallen, sich verschieben oder regional unterschiedlich stark auftreten.
MeteoSchweiz zeigt in ihrer klimatologischen Betrachtung, dass sich die Ausprägung und zeitliche Lage der Schafskälte in verschiedenen Klimaperioden verändert hat. (MeteoSchweiz)
Für Gärtner heißt das: Nicht starr nach Kalender arbeiten, sondern flexibel bleiben. Der beste Gartenkalender ist eine Mischung aus Erfahrung, Wetterbericht und Beobachtung vor Ort.
Checkliste: Garten schützen bei Schafskälte
Vorher
- Wetterbericht prüfen
- Vlies bereitlegen
- Tomaten überdachen
- Kübelpflanzen mobil halten
- empfindliche Aussaat verschieben
- Schneckenschutz vorbereiten
Währenddessen
- Pflanzen abdecken
- Gewächshaus lüften
- nicht abends gießen
- Staunässe vermeiden
- lose Töpfe windgeschützt stellen
- Schnecken absammeln
Danach
- Schäden kontrollieren
- kranke Blätter entfernen
- Boden vorsichtig lockern
- mild düngen
- Nachsaat prüfen
- Pflanzen Zeit geben
Häufige Fragen zur Schafskälte
Wann ist die Schafskälte?
Die Schafskälte tritt meist Anfang bis Mitte Juni auf. Häufig genannt wird der Zeitraum vom 4. bis 20. Juni, besonders oft um den 11. Juni.
Ist die Schafskälte jedes Jahr?
Nein. Sie tritt nicht jedes Jahr gleich stark auf. Manche Jahre bringen einen deutlichen Kälterückfall, andere nur wenige frische Tage.
Gibt es bei der Schafskälte Frost?
In Tieflagen ist Frost im Juni eher selten. In höheren Lagen oder ungünstigen Muldenlagen kann es aber sehr kalt werden. Für Pflanzen sind auch Temperaturen ohne Frost problematisch, wenn sie mit Wind und Nässe kombiniert auftreten.
Welche Pflanzen muss ich schützen?
Besonders empfindlich sind Tomaten, Gurken, Paprika, Chili, Zucchini, Kürbis, Basilikum und junge Bohnen.
Hilft Gartenvlies gegen Schafskälte?
Ja. Gartenvlies schützt vor Wind, Kälte und Starkregen. Wichtig ist, es gut zu befestigen und bei Sonne oder Wärme wieder zu lüften.
Sollte ich während der Schafskälte gießen?
Nur wenn nötig. Gießen Sie morgens und vermeiden Sie Staunässe. Abends zu gießen ist bei kühlem Wetter ungünstig.
Kann ich während der Schafskälte noch säen?
Robuste Kulturen wie Salat, Radieschen, Spinat oder Mangold sind meist unproblematisch. Wärmeliebende Kulturen wie Bohnen, Gurken oder Kürbis sollten bei kaltem, nassem Wetter besser warten.
Die Schafskälte ist kein Drama – wenn man vorbereitet ist
Die Schafskälte ist einer dieser Momente, in denen der Garten zeigt, dass Natur nicht nach Wunschkalender funktioniert. Der Juni kann sommerlich sein, aber eben auch frisch, nass und ungemütlich.
Wer die Schafskälte kennt, gärtnert gelassener. Empfindliche Pflanzen werden geschützt, robuste Kulturen genutzt, Kübel flexibel gestellt und in der Küche kommen wärmende, saisonale Gerichte auf den Tisch.
Genau darin liegt die Schönheit eines naturnahen Gartenjahres: Man kämpft nicht gegen jede Wetterlaune. Man lernt, mit ihr zu arbeiten.
Und wenn draußen der Wind durch die Tomaten pfeift, gibt es drinnen eben Kohlrabisuppe, frisches Brot und die stille Gewissheit: Der Sommer kommt wieder. Er hat nur kurz die Jacke geholt.

Hobbykoch, Gartenliebhaber und Autor
