Hornissen im Garten 2026: Diese Arten sollten Sie jetzt unterscheiden können
Ein tiefes Brummen am Fallobst, eine auffallend große Wespe am Gartenteich oder reger Flugverkehr unter dem Dach: Wer eine Hornisse im Garten entdeckt, erschrickt häufig zunächst. Doch Panik ist fast nie angebracht.
Die meisten Hornissen, die in Deutschland beobachtet werden, gehören zur heimischen Europäischen Hornisse. Sie ist friedlicher, als ihr Ruf vermuten lässt, erfüllt wichtige Aufgaben im Naturhaushalt und steht unter besonderem Schutz. Gleichzeitig breitet sich die invasive Asiatische Hornisse weiter aus. Hinzu kommt die Orientalische Hornisse, die 2024 erstmals in Deutschland nachgewiesen wurde.
Gerade deshalb ist es 2026 wichtiger denn je, genau hinzusehen. Vom 1. August bis zum 30. November 2026 läuft eine gemeinsame Meldeaktion von NABU und NABU|naturgucker. Gesammelt werden Beobachtungen der Europäischen, Asiatischen und Orientalischen Hornisse.
Das Wichtigste in Kürze
Eine einzelne Hornisse im Garten ist normalerweise kein Grund für eine Bekämpfung. Bleiben Sie ruhig, halten Sie Abstand und versuchen Sie, das Tier mit dem Smartphone aus sicherer Entfernung zu fotografieren.
Als einfache Merkhilfe gilt:
Rotbraun und deutlich gelb-schwarz: wahrscheinlich Europäische Hornisse.
Überwiegend schwarz mit gelben Beinenden: möglicherweise Asiatische Hornisse.
Fast vollständig braun mit auffallend gelbem „Gürtel“: möglicherweise Orientalische Hornisse.
Die Europäische Hornisse ist besonders geschützt. Ein Nest darf nicht eigenmächtig entfernt oder zerstört werden. Auch bei einem vermuteten Nest der Asiatischen oder Orientalischen Hornisse sollten ausschließlich Fachleute tätig werden.
Warum Hornissen gerade jetzt gemeldet werden sollen
Im Spätsommer erreichen viele Hornissenvölker ihre größte Stärke. Entsprechend häufig sind Arbeiterinnen bei der Nahrungssuche zu sehen. Gleichzeitig werden große Nester leichter entdeckt, besonders wenn sich das Laub im Herbst lichtet.
Die Meldeaktion vom 1. August bis 30. November 2026 soll zeigen, wo die drei Hornissenarten aktuell vorkommen:
die heimische Europäische Hornisse,
die invasive Asiatische Hornisse,
die bislang nur äußerst selten nachgewiesene Orientalische Hornisse.
Für eine brauchbare Meldung sind vor allem ein Foto, der genaue Beobachtungsort und das Datum wichtig. Hilfreich ist außerdem die Angabe, ob ein einzelnes Tier oder ein Nest beobachtet wurde.
Sie müssen das Tier dafür weder fangen noch töten. Ein Foto mit Zoom genügt meistens. Auch verlassene oder vermeintlich verlassene Nester können für die Erfassung interessant sein.
Verdacht auf Asiatische Hornisse zusätzlich behördlich melden
Beobachtungen aller drei Arten können über die gemeinsame Aktion von NABU und NABU|naturgucker eingetragen werden. Bei einem begründeten Verdacht auf die Asiatische Hornisse sollte der Fund zusätzlich über das Meldeportal des jeweiligen Bundeslandes oder bei der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde gemeldet werden.
Seit März 2025 besteht zwar bundesweit keine Meldepflicht nach den früheren Früherkennungsregelungen mehr. Meldungen bleiben dennoch wichtig, weil sie Behörden und Fachleuten helfen, die weitere Ausbreitung zu dokumentieren und geeignete Managementmaßnahmen zu planen.
Europäische, Asiatische und Orientalische Hornisse im Vergleich
Merkmal
Europäische Hornisse
Asiatische Hornisse
Orientalische Hornisse
Wissenschaftlicher Name
Vespa crabro
Vespa velutina nigrithorax
Vespa orientalis
Grundfarbe
Rotbraun, gelb und schwarz
Überwiegend dunkel bis schwarz
Rostbraun bis dunkelbraun
Hinterleib
Gelb mit schwarzen Punkten und Bändern
Dunkel mit auffallendem orangegelbem Band
Braun mit breitem gelbem Band
Beine
Rotbraun
Dunkel mit deutlich gelben Enden
Braun bis rötlich
Gesicht
Gelblich mit rotbrauner Zeichnung
Orangefarben
Gelbes Kopfschild
Größe
Arbeiterinnen etwa 18 bis 25 Millimeter, Königinnen bis 35 Millimeter
Arbeiterinnen etwa 17 bis 24 Millimeter, Königinnen bis 30 Millimeter
Ungefähr so groß wie die Europäische Hornisse
Typischer Nestplatz
Baumhöhlen, Nistkästen, Dachbereiche und andere geschützte Hohlräume
Zunächst kleine Nester in geschützten Bereichen, später häufig große Nester hoch in Bäumen
Häufig verborgene Hohlräume im Boden oder in Gebäuden
Aktivität
Auch in der Dämmerung und nachts
Vorwiegend am Tag
Vorwiegend am Tag und wärmeliebend
Status in Deutschland
Heimisch und besonders geschützt
Invasive, inzwischen etablierte Art
Gebietsfremd, bislang nur sehr selten nachgewiesen
Empfohlenes Verhalten
In Ruhe lassen; Nest nicht entfernen
Fotografieren und melden; Nest nicht selbst entfernen
Fotografieren und melden; Nest nicht selbst entfernen
Die Größe allein ist kein zuverlässiges Bestimmungsmerkmal. Arbeiterinnen können je nach Alter, Ernährung und Volk unterschiedlich groß erscheinen. Deutlich hilfreicher sind Körperfarbe, Beinfarbe und Hinterleibszeichnung.
1. Die Europäische Hornisse: Groß, nützlich und besonders geschützt
Die Europäische Hornisse ist die größte heimische Wespenart. Ihr kräftiger Körper, das tiefe Fluggeräusch und die auffallende Färbung lassen sie bedrohlich wirken. Tatsächlich sind die Tiere außerhalb des Nestbereichs meist zurückhaltend.
So erkennen Sie die Europäische Hornisse
Achten Sie besonders auf folgende Merkmale:
rotbrauner Kopf und Brustbereich,
rotbraune Beine,
überwiegend gelber Hinterleib,
schwarze Punkte und unregelmäßige schwarze Bänder,
insgesamt helle, warme Färbung.
Im direkten Vergleich wirkt die Europäische Hornisse deutlich heller und rötlicher als die Asiatische Hornisse.
Warum Europäische Hornissen im Garten nützlich sind
Europäische Hornissen erbeuten Fliegen, Mücken, Raupen, Käfer, kleinere Wespen und zahlreiche weitere Insekten. Die Beute wird überwiegend zur Versorgung der Larven verwendet. Ein starkes Volk kann täglich eine beträchtliche Menge an Insekten erjagen.
Erwachsene Hornissen benötigen dagegen vor allem energiereiche Nahrung. Sie trinken Baumsäfte, besuchen Blüten und fressen an reifem Obst oder Fallobst.
Damit helfen sie, verschiedene Insektenbestände auf natürliche Weise zu regulieren. Eine Europäische Hornisse an einer Blüte oder einem Apfel ist deshalb kein Schädling, sondern ein normaler Bestandteil eines lebendigen Gartens.
Wo baut die Europäische Hornisse ihr Nest?
Natürlicherweise nistet sie bevorzugt in größeren Baumhöhlen. Weil solche Hohlräume vielerorts fehlen, nutzt sie auch Ersatzplätze in menschlicher Umgebung:
große Vogelnistkästen,
alte Schuppen,
Hohlräume unter Dächern,
Dachböden,
Holzverschalungen,
Rollladenkästen,
geschützte Nischen an Terrassen und Balkonen.
Das Nest besteht aus einer papierartigen Masse aus zerkauten Holzfasern. Bei der Europäischen Hornisse ist die Nesthülle nach unten häufig deutlich geöffnet. Da sich das Nest meist in einem Hohlraum befindet, ist von außen jedoch oftmals nur das Einflugloch zu sehen.
Die Europäische Hornisse steht unter besonderem Schutz
Die Europäische Hornisse ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Sie darf nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Auch das Beschädigen oder Zerstören eines bewohnten Nestes ist verboten.
Muss ein Nest aus zwingenden Sicherheitsgründen umgesetzt oder entfernt werden, ist eine Genehmigung der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde erforderlich. Die Arbeiten dürfen nur von geschulten Personen durchgeführt werden.
Ein Nest direkt am Haus ist daher nicht automatisch ein Fall für den Schädlingsbekämpfer. Die erste Anlaufstelle sollte die Naturschutzbehörde oder eine örtliche Wespen- und Hornissenberatung sein.
2. Die Asiatische Hornisse: Dunkler Körper und gelbe „Socken“
Die Asiatische Hornisse stammt ursprünglich aus Südostasien. In Europa wurde sie zu Beginn der 2000er-Jahre festgestellt, in Deutschland erstmals 2014. Inzwischen ist sie vor allem im Westen und Südwesten Deutschlands verbreitet und breitet sich weiter nach Norden und Osten aus.
So erkennen Sie die Asiatische Hornisse
Besonders charakteristisch sind:
fast schwarzer Brustbereich,
überwiegend dunkler Hinterleib,
ein breites orangegelbes Band am hinteren Teil des Hinterleibs,
orangefarbenes Gesicht,
dunkle Beine mit leuchtend gelben Enden.
Der häufig verwendete Merksatz „schwarzer Körper, gelbe Socken“ beschreibt die Art recht treffend.
Die Asiatische Hornisse ist meist etwas kleiner als die Europäische Hornisse. Weil Größenangaben im Freiland schwer einzuschätzen sind, sollte die Bestimmung jedoch vor allem anhand der Färbung erfolgen.
Die Asiatische Hornisse ist keine Riesenhornisse
Die Asiatische Hornisse wird gelegentlich mit der Asiatischen Riesenhornisse verwechselt. Dabei handelt es sich um zwei verschiedene Arten.
Die in Deutschland auftretende Vespa velutina ist keine sogenannte „Killerhornisse“. Die wesentlich größere Asiatische Riesenhornisse Vespa mandarinia kommt nach bisherigem Kenntnisstand in Deutschland und Europa nicht vor.
Einzelne Asiatische Hornissen sind Menschen gegenüber normalerweise nicht angriffslustig. Gefährlich kann die Situation werden, wenn sich jemand einem Nest nähert oder es erschüttert. Dann verteidigt das Volk seinen Nachwuchs.
Warum die Asiatische Hornisse als invasiv gilt
Die Art erbeutet verschiedene Fliegen, Wespen, Bienen, Käfer und andere Gliederfüßer. Besonders an Bienenständen kann sie Honigbienen gezielt abfangen. In stark besiedelten Regionen kann dadurch zusätzlicher Druck auf Bienenvölker und andere Insekten entstehen.
Seit 2016 steht die Asiatische Hornisse auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten. Seit März 2025 wird sie in Deutschland als etablierte Art nach den Managementregelungen der EU-Verordnung behandelt.
Das bedeutet nicht, dass jeder Gartenbesitzer die Tiere selbst bekämpfen soll. Im Gegenteil: Eine sichere Artbestimmung und ein fachgerechtes Vorgehen sind wichtiger denn je.
Die zwei Nesttypen der Asiatischen Hornisse
Die Asiatische Hornisse baut im Verlauf des Jahres häufig zwei verschiedene Nester.
Primärnest im Frühjahr und Frühsommer
Das erste Nest wird von der Königin an einem geschützten Ort gegründet. Es ist zunächst nur golfballgroß und kann später ungefähr die Größe eines Handballs erreichen.
Mögliche Standorte sind:
Gartenhäuser,
Schuppen,
Carports,
Dachvorsprünge,
Rollladenkästen,
Hecken und Sträucher,
Spielgeräte oder andere geschützte Hohlräume.
Sekundärnest im Sommer und Herbst
Viele Völker ziehen später in ein größeres Nest um. Dieses sogenannte Sekundär- oder Filialnest befindet sich häufig mehr als zehn Meter hoch in einem Laubbaum.
Typische Merkmale sind:
kugelige bis birnenförmige Gestalt,
graue, geschlossene Papierhülle,
seitlich liegendes Einflugloch,
Größe von bis zu etwa einem Meter,
reger Flugverkehr im Spätsommer.
Solche Nester werden häufig erst entdeckt, wenn im Herbst die Blätter fallen. Bei milder Witterung können sie noch bis in den November oder sogar Dezember hinein bewohnt sein.
3. Die Orientalische Hornisse: Braun mit gelbem Gürtel
Die Orientalische Hornisse ist ursprünglich in Südosteuropa, Nordafrika sowie Teilen West- und Zentralasiens verbreitet. Sie ist an trockenes und warmes Klima angepasst.
Im August 2024 wurde in Mannheim erstmals eine Orientalische Hornisse in Deutschland dokumentiert. Ob sich die Art hier dauerhaft ansiedeln und weiter ausbreiten kann, lässt sich noch nicht sicher beurteilen. Genau deshalb wird sie in der Hornissen-Meldeaktion 2026 ausdrücklich berücksichtigt.
So erkennen Sie die Orientalische Hornisse
Die Orientalische Hornisse ist ungefähr so groß wie die Europäische Hornisse, unterscheidet sich aber deutlich in der Färbung:
Körper fast vollständig rostbraun bis dunkelbraun,
gelbes Kopfschild,
auffallendes breites gelbes Band am Hinterleib,
insgesamt weniger schwarz-gelb gemustert als die Europäische Hornisse.
Als einfache Merkhilfe kann man sich vorstellen:
Europäische Hornisse: gelber Hinterleib mit schwarzer Zeichnung.
Orientalische Hornisse: brauner Hinterleib mit gelbem Gürtel.
Wo könnte sich ein Nest befinden?
In ihrem bisherigen Verbreitungsgebiet nutzt die Orientalische Hornisse häufig verborgene Hohlräume:
verlassene Tierbauten,
Hohlräume im Boden,
Mauerspalten,
Zwischenräume alter Gebäude,
Hohlräume in Schuppen oder anderen Bauwerken.
Da es in Deutschland bislang kaum Erfahrungen mit dieser Art gibt, sollte ein verdächtiges Nest nicht anhand des Standortes allein bestimmt werden. Entscheidend sind Fotos der Tiere und die Einschätzung von Fachleuten.
Hornissennest erkennen: Darauf sollten Sie achten
Nicht jedes große, papierartige Nest stammt von Hornissen. Auch verschiedene Wespenarten bauen umhüllte Nester. Andere vermeintliche Hornissen erweisen sich bei genauerem Hinsehen als Schwebfliegen, Holzwespen oder besonders große Wespenarten.
Hinweise auf ein aktives Nest
Ein Nest ist wahrscheinlich in der Nähe, wenn Sie beobachten, dass mehrere Tiere:
regelmäßig dieselbe Öffnung anfliegen,
unter einem Dachziegel oder in einen Rollladenkasten verschwinden,
zielgerichtet in eine Baumhöhle fliegen,
in kurzen Abständen einen bestimmten Bereich einer Hecke aufsuchen,
an einem hoch gelegenen, papierartigen Gebilde ein- und ausfliegen.
Beobachten Sie den Flugweg nur aus sicherer Entfernung. Stellen Sie sich niemals direkt vor das Einflugloch.
Hinweise auf ein mögliches Nest der Asiatischen Hornisse
Verdächtig ist besonders ein großes, geschlossenes Nest:
hoch in der Krone eines Laubbaumes,
mit grauer bis bräunlicher Papierhülle,
mit seitlichem Einflugloch,
mit zahlreichen dunklen Hornissen, deren Beinenden gelb erscheinen.
Ein kleines Nest unter einem Dach oder in einem Schuppen kann ebenfalls zur Asiatischen Hornisse gehören. Die Nestform allein reicht für eine sichere Bestimmung nicht aus.
Ein Loch im Boden ist noch kein Hornissennest
Gemeine und Deutsche Wespen bauen ihre Nester häufig in ehemaligen Mäuse- oder Maulwurfgängen. Auch Hummeln nutzen gelegentlich unterirdische Hohlräume.
Stecken Sie niemals einen Gegenstand in ein Einflugloch und schütten Sie kein Wasser hinein. Mähen, graben oder hacken Sie in diesem Bereich nicht weiter, bis geklärt ist, welche Art dort lebt.
Hornissennest im Garten entdeckt: So handeln Sie richtig
1. Ruhig zurückziehen
Bewegen Sie sich langsam vom Nest weg. Schlagen Sie nicht nach den Tieren und rennen Sie nicht hektisch durch die Flugbahn.
Bei einem vermuteten Nest der Asiatischen Hornisse sollte ein Abstand von mehreren Metern eingehalten werden. Kinder und Haustiere dürfen sich dem Bereich nicht nähern.
2. Gartenarbeiten sofort unterbrechen
Rasenmäher, Heckenscheren, Freischneider und andere Geräte erzeugen Geräusche und Erschütterungen. Befindet sich ein Nest in unmittelbarer Nähe, können diese Störungen eine Abwehrreaktion auslösen.
3. Nichts verschließen
Verschließen Sie kein Einflugloch mit Bauschaum, Silikon, Stoff, Holz oder Klebeband. Eingeschlossene Tiere können nach einem anderen Ausgang suchen und dabei unter Umständen in Innenräume gelangen.
4. Nicht sprühen, verbrennen oder fluten
Verzichten Sie vollständig auf:
Insektenspray,
Wespenschaum,
Rauch oder Feuer,
Wasser aus dem Gartenschlauch,
Hochdruckreiniger,
selbst gebaute Fallen,
das Herunterschlagen eines Nestes.
Diese Methoden gefährden Menschen, geschützte Arten und zahlreiche andere Insekten. Bei Nestern der Asiatischen Hornisse dürfen geeignete Biozidprodukte grundsätzlich nur von geschulten berufsmäßigen Anwendern eingesetzt werden.
5. Fotos aus sicherer Entfernung aufnehmen
Nutzen Sie die Zoomfunktion Ihres Smartphones. Ein brauchbares Foto sollte möglichst zeigen:
die Körperoberseite,
die Beine,
den Hinterleib,
den Kopf oder das Gesicht,
bei einem Nest die Form und Lage des Einfluglochs.
Versuchen Sie nicht, für eine bessere Aufnahme näher an das Nest heranzugehen.
6. Fund melden und beraten lassen
Bei einer Europäischen Hornisse hilft die Untere Naturschutzbehörde oder eine Hornissenberatung bei der Einschätzung.
Eine mutmaßliche Asiatische Hornisse sollte über das jeweilige Landesportal beziehungsweise die Naturschutzbehörde und zusätzlich über die NABU-Meldeaktion gemeldet werden.
Eine mögliche Orientalische Hornisse sollte ebenfalls mit Belegfoto über die Meldeaktion dokumentiert werden.
Hornissen im Garten
Dürfen Hornissen bekämpft oder ihre Nester entfernt werden?
Die Antwort hängt von der Art und der konkreten Gefahrensituation ab.
Europäische Hornisse
Die Europäische Hornisse ist besonders geschützt. Das Töten der Tiere und das Zerstören eines aktiven Nestes sind verboten.
Eine Umsiedlung oder Entfernung kommt nur in begründeten Ausnahmefällen in Betracht, beispielsweise wenn sich das Nest unmittelbar an einem stark genutzten Hauseingang befindet oder eine konkrete Gefahr für allergische Personen besteht.
Vor jeder Maßnahme ist die Untere Naturschutzbehörde einzubeziehen. Auch eine genehmigte Umsiedlung darf nur durch entsprechend qualifizierte Personen erfolgen.
Asiatische Hornisse
Die Asiatische Hornisse gehört zu den invasiven Arten der EU. Trotzdem sollten Privatpersonen weder Tiere fangen noch Nester eigenständig entfernen.
Dafür gibt es mehrere Gründe:
Die Art kann mit der geschützten Europäischen Hornisse verwechselt werden.
Ein großes Volk verteidigt sein Nest energisch.
Sekundärnester liegen häufig in großer Höhe.
Für eine sichere Entfernung sind Schutzausrüstung und Fachwissen erforderlich.
Unspezifische Fallen töten zahlreiche andere Insekten.
Ob und auf wessen Kosten ein Nest entfernt wird, kann je nach Bundesland, Standort und Gefahrenlage unterschiedlich geregelt sein.
Orientalische Hornisse
Bei einer vermuteten Orientalischen Hornisse sollte zunächst die Art fachlich bestätigt werden. Da die Verbreitung in Deutschland noch weitgehend ungeklärt ist, sind dokumentierte Beobachtungen besonders wertvoll.
Auch hier gilt: nicht selbst fangen, vergiften oder das Nest öffnen. Alle wildlebenden Tiere unterliegen zumindest dem allgemeinen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes und dürfen nicht ohne vernünftigen Grund beunruhigt, verletzt oder getötet werden.
Wann muss ein Fachmann eingeschaltet werden?
Professionelle Hilfe ist besonders wichtig, wenn:
sich das Nest unmittelbar an einer Haustür, Terrasse oder einem häufig benutzten Weg befindet,
Kinder regelmäßig in der Nähe spielen,
eine bekannte Insektengiftallergie im Haushalt besteht,
Tiere bereits Personen verfolgt oder mehrfach gestochen haben,
das Nest in einem Rollladenkasten, Dach oder Wohnbereich liegt,
ein großes Nest hoch in einem Baum entdeckt wurde,
die Hornissenart nicht sicher bestimmt werden kann,
eine Asiatische oder Orientalische Hornisse vermutet wird.
Bei Mietwohnungen sollte zusätzlich der Vermieter oder die Hausverwaltung informiert werden. Ein Schädlingsbekämpfer sollte erst nach der Artbestimmung und – bei geschützten Hornissen – nach Klärung der erforderlichen Genehmigung beauftragt werden.
Die Feuerwehr ist normalerweise nicht für reguläre Nestentfernungen zuständig. Sie sollte nur bei einer akuten Gefahrensituation über die örtlich vorgesehene Kontaktstelle hinzugezogen werden.
Hornissen am Esstisch: Meist handelt es sich um andere Wespen
Wer beim Kaffeetrinken oder Grillen von gelb-schwarzen Insekten umschwirrt wird, hat es meistens nicht mit Hornissen zu tun.
Von den mehreren hundert Wespenarten in Deutschland interessieren sich vor allem zwei Arten regelmäßig für Kuchen, Limonade, Fleisch und Wurst:
die Gemeine Wespe,
die Deutsche Wespe.
Hornissen suchen eher Baumsäfte, Blüten, reifes Obst und Fallobst auf oder jagen andere Insekten. Gelegentlich kann trotzdem eine Hornisse in der Nähe des Tisches erscheinen, etwa weil sie eine kleinere Wespe verfolgt oder reifes Obst entdeckt hat.
So verhalten Sie sich richtig
Decken Sie Speisen und Getränke ab. Trinken Sie nicht unkontrolliert aus geöffneten Dosen oder dunklen Flaschen. Kontrollieren Sie Obst vor dem Hineinbeißen und wischen Sie Kindern nach dem Essen Mund und Hände ab.
Schlagen Sie nicht nach den Tieren und pusten Sie sie nicht an. Langsame, ruhige Bewegungen sind sicherer.
Beim Aufsammeln von Fallobst ist besondere Vorsicht angebracht. Hornissen und Wespen können in weichen oder beschädigten Früchten sitzen und werden leicht übersehen.
Warum Europäische Hornissen nachts ans Fenster kommen
Im Gegensatz zur Asiatischen Hornisse ist die Europäische Hornisse auch in der Dämmerung und nachts aktiv. Sie kann von beleuchteten Fenstern, Fernsehern oder Außenlampen angezogen werden.
Hat sich eine Hornisse in die Wohnung verirrt:
Schließen Sie die Türen zu anderen Räumen.
Öffnen Sie ein Fenster vollständig.
Schalten Sie das Licht im Zimmer aus.
Lassen Sie möglichst nur in Richtung des geöffneten Fensters Licht einfallen.
Setzt sich das Tier, können Sie vorsichtig ein Glas darüberstellen und ein Stück feste Pappe unterschieben.
Fliegengitter verhindern, dass die Tiere überhaupt in Wohnräume gelangen. Außenbeleuchtung sollte nur bei Bedarf eingeschaltet und möglichst mit Bewegungsmeldern betrieben werden.
Wie gefährlich ist ein Hornissenstich?
Hornissenstiche sind schmerzhaft, bei den meisten Menschen aber auf die Einstichstelle begrenzt. Typisch sind Schmerzen, Rötung, Schwellung und Juckreiz.
Gefährlich werden können Stiche insbesondere:
bei einer Insektengiftallergie,
im Mund-, Zungen- oder Rachenraum,
nach zahlreichen Stichen,
bei Atemnot oder Kreislaufbeschwerden,
bei kleinen Kindern oder gesundheitlich geschwächten Menschen.
Was nach einem einzelnen Stich hilft
Verlassen Sie zunächst den unmittelbaren Nestbereich. Kühlen Sie die Einstichstelle mit einem in Stoff gewickelten Kühlpack oder einem kalten, feuchten Tuch. Entfernen Sie frühzeitig Ringe, Uhren oder enge Kleidungsstücke, wenn eine Schwellung an Hand oder Arm einsetzt.
Hornissen können – anders als Honigbienen – mehrfach stechen. Ein Stachel bleibt daher normalerweise nicht in der Haut zurück.
Wann sofort der Notruf 112 erforderlich ist
Rufen Sie unverzüglich den Rettungsdienst bei:
Atemnot,
Schwellungen im Mund oder Rachen,
Schluckbeschwerden,
Schwindel oder Kreislaufproblemen,
großflächiger Nesselsucht,
Übelkeit zusammen mit weiteren allergischen Beschwerden,
Bewusstlosigkeit,
einem Stich im Mund- oder Rachenraum.
Menschen mit bekannter Insektengiftallergie sollten ihr ärztlich verordnetes Notfallset nach dem persönlichen Notfallplan anwenden und zusätzlich den Notruf verständigen.
Bleibt ein Hornissennest im nächsten Jahr bestehen?
Hornissen bilden einjährige Staaten. Im Herbst sterben die alte Königin, die Arbeiterinnen und die Männchen. Nur begattete Jungköniginnen überwintern an geschützten Orten außerhalb des alten Nestes.
Das verlassene Nest wird im folgenden Jahr normalerweise nicht erneut bezogen. Allerdings kann eine neue Königin in der Nähe einen neuen Nistplatz wählen, wenn das Gebäude oder der Garten geeignete Hohlräume bietet.
Bauliche Öffnungen sollten deshalb erst verschlossen werden, wenn zweifelsfrei keine Tiere mehr ein- und ausfliegen. Bei einem ehemaligen Nest der Europäischen Hornisse sollte auch eine nachträgliche Maßnahme mit der zuständigen Fachberatung abgestimmt werden.
Ein hoch im Baum entdecktes Nest der Asiatischen Hornisse sollte selbst im Spätherbst gemeldet werden. Es kann bei milder Witterung noch bewohnt sein, und der Fundort liefert wertvolle Informationen über die Verbreitung.
Häufig gestellte Fragen zu Hornissen im Garten
Sind Hornissen aggressiver als Wespen?
Hornissen sind außerhalb ihres Nestbereichs normalerweise nicht aggressiv. Sie stechen vor allem dann, wenn sie festgehalten, eingeklemmt oder ihr Nest bedroht wird. In Nestnähe ist deshalb besondere Vorsicht erforderlich.
Was tun, wenn eine einzelne Hornisse im Garten fliegt?
Lassen Sie das Tier in Ruhe und beobachten Sie es aus Abstand. Eine einzelne Hornisse an einer Blüte, Wasserstelle oder Frucht ist kein Grund für eine Bekämpfung. Bei ungewöhnlicher Färbung können Sie ein Foto aufnehmen und die Beobachtung melden.
Wie erkenne ich die Asiatische Hornisse am schnellsten?
Das auffälligste Merkmal ist die dunkle Grundfärbung in Verbindung mit gelben Beinenden. Hinzu kommen ein orangefarbenes Gesicht und ein breites orangegelbes Band am ansonsten dunklen Hinterleib.
Muss jede Asiatische Hornisse gemeldet werden?
Eine bundesweite Meldepflicht nach den früheren Früherkennungsregelungen besteht seit März 2025 nicht mehr. Das Umweltbundesamt empfiehlt dennoch, verdächtige Tiere und Nester mit Foto an die zuständigen Behörden zu melden.
Darf ich eine Asiatische Hornisse töten?
Privatpersonen sollten weder einzelne Tiere fangen noch ein Nest bekämpfen. Die Verwechslungsgefahr mit der geschützten Europäischen Hornisse ist groß. Zudem dürfen für die Nestbekämpfung vorgesehene Biozidprodukte grundsätzlich nur sachkundige berufsmäßige Anwender einsetzen.
Wie weit sollte man von einem Hornissennest entfernt bleiben?
Halten Sie grundsätzlich mehrere Meter Abstand und bleiben Sie außerhalb der Flugbahn. Bei einem vermuteten Nest der Asiatischen Hornisse ist ein Sicherheitsabstand von mindestens etwa fünf Metern sinnvoll. Vermeiden Sie Erschütterungen und laute Gartenarbeiten in der Umgebung.
Kommen Hornissen jedes Jahr in dasselbe Nest zurück?
Nein. Das alte Nest wird normalerweise nicht wiederverwendet. Eine junge Königin kann jedoch in der Umgebung ein neues Nest gründen, wenn geeignete Hohlräume vorhanden sind.
Sind Hornissen am Kaffeetisch gefährlich?
Die typischen Besucher von Kuchen, Saft und Grillgut sind meist Gemeine oder Deutsche Wespen. Hornissen interessieren sich wesentlich seltener für menschliche Speisen. Lebensmittel und Getränke sollten trotzdem abgedeckt und vor dem Verzehr kontrolliert werden.
Ist die Asiatische Hornisse dasselbe wie die Asiatische Riesenhornisse?
Nein. Die in Deutschland vorkommende Asiatische Hornisse heißt Vespa velutina. Die deutlich größere Asiatische Riesenhornisse Vespa mandarinia ist eine andere Art und kommt in Europa nach bisherigem Kenntnisstand nicht vor.
Was mache ich bei einem Hornissennest im Rollladenkasten?
Benutzen Sie den Rollladen nicht mehr und verschließen Sie das Einflugloch nicht. Halten Sie Abstand und lassen Sie die Hornissenart bestimmen. Bei einer Europäischen Hornisse ist vor einer Umsiedlung oder Entfernung die zuständige Naturschutzbehörde einzubeziehen.
Erst erkennen, dann richtig handeln
Hornissen im Garten sind nicht automatisch eine Gefahr. Die heimische Europäische Hornisse ist ein nützlicher Insektenjäger, verhält sich meist friedlich und steht unter besonderem Schutz.
Die dunkle Asiatische Hornisse mit ihren gelben Beinenden sollte dagegen fotografiert und gemeldet werden. Eine fast vollständig braune Hornisse mit auffälligem gelbem Gürtel könnte zur seltenen Orientalischen Hornisse gehören und ist ebenfalls eine wichtige Beobachtung.
Die wichtigste Regel lautet:
Abstand halten, fotografieren, melden – aber weder das Tier noch das Nest selbst bekämpfen.
Damit schützen Sie sich, Ihre Familie und zugleich die heimische Europäische Hornisse vor gefährlichen Verwechslungen.
Im Garten können inzwischen Europäische, Asiatische und sogar Orientalische Hornissen beobachtet werden. Erfahren Sie, wie sich die Arten unterscheiden, woran Sie ihre Nester erkennen und wie Sie 2026 richtig handeln.
Quellen und fachliche Grundlagen
Die Angaben zur Hornissen-Meldeaktion, ihrem Zeitraum sowie den erfassten Arten stammen von NABU und NABU|naturgucker. Die Aktion läuft vom 1. August bis 30. November 2026; Fotos werden für die Bestimmung ausdrücklich empfohlen. (NABU|naturgucker)
Das Umweltbundesamt erläutert die Merkmale und Lebensweise der Europäischen Hornisse, ihren besonderen Schutzstatus, den richtigen Abstand zu Nestern sowie das Vorgehen bei einer notwendigen Umsiedlung oder Entfernung. Die UBA-Seite wurde am 9. Juli 2026 aktualisiert. (Umweltbundesamt)
Die aktuellen Angaben zur Asiatischen Hornisse, zu ihren Gründungs- und Sekundärnestern, zum Management nach Artikel 19, zur empfohlenen Meldung und zum Verzicht auf unspezifische Fallen beruhen auf Informationen des Umweltbundesamtes. (Umweltbundesamt)
Die Bestimmungsmerkmale, typischen Neststandorte und der rechtliche Status der Asiatischen Hornisse werden außerdem von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg und dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie beschrieben. (LUBW)
Der deutsche Erstnachweis der Orientalischen Hornisse in Mannheim im Jahr 2024 sowie ihre wichtigsten Farbmerkmale wurden vom NABU dokumentiert. (NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.)
Der allgemeine Schutz wildlebender Tiere ergibt sich aus § 39 Bundesnaturschutzgesetz. Die Europäische Hornisse ist zusätzlich in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung als besonders geschützte Art aufgeführt; für sie gelten die Zugriffsverbote des § 44 Bundesnaturschutzgesetz. (Gesetze im Internet)
Die Hinweise zu allergischen Reaktionen, Atemnot und Notfallmaßnahmen beruhen auf dem Gesundheitsportal des Bundes sowie den Erste-Hilfe-Empfehlungen des Deutschen Roten Kreuzes. (Gesundheitsportal)
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