Allee des Jahres 2026: Diese Baumstraße auf Rügen wurde ausgezeichnet
Die Krimlindenallee zwischen Garz und Putbus auf Rügen ist die Allee des Jahres 2026. Das winterliche Motiv des Fotografen Axel Plate aus Stralsund überzeugte die Jury des bundesweiten BUND-Fotowettbewerbs. Bekannt gegeben wurde das Ergebnis zum Tag der Allee am 20. Oktober. Für Heimatwurzel ist die Nachricht ein Anlass, über jene Wege nachzudenken, die sich tief in unsere Erinnerung eingeschrieben haben: die Straße nach Hause, den Schulweg oder die Allee zu den Großeltern.
Allee des Jahres 2026: Warum das Foto von Rügen überzeugte
Der Wettbewerb stand in diesem Jahr unter dem Motto „Alleen bei Wind und Wetter“. Aus 218 Einsendungen wählte die Jury das Foto von Axel Plate zum Sieger. Die Auszeichnung entsteht damit aus einem Fotowettbewerb, bei dem neben der technischen Qualität auch Bildidee, Stimmung und Darstellung der Allee zählen.
Auf dem prämierten Bild liegt eine dünne Schneeschicht auf der Straße. Die hohen Linden bilden einen dunklen Tunnel, der den Blick in die Tiefe führt. Die Jury hob besonders die geheimnisvolle Winterstimmung und die Bildkomposition hervor. Gerade die winterliche Ansicht macht die Form der Baumstraße eindrucksvoll sichtbar.
Auch die beiden weiteren ausgezeichneten Motive stammen aus Mecklenburg-Vorpommern: Platz zwei ging an Maria Clauss für eine Birkenallee zwischen Ganzlin und Gnevsdorf. Den dritten Platz belegte René Storch mit einer Lindenallee bei Krummin auf Usedom.
Allee des Jahres 2026 Infografik
Ein vertrauter Weg kann ein Stück Zuhause sein
Vielleicht kennst du eine solche Straße. Schon vor der nächsten Kurve weißt du, welcher Baum schief steht und wo zwischen den Stämmen das erste Haus auftaucht. Früher saßt du auf der Rückbank, später bist du selbst gefahren. Irgendwann hast du deinen Kindern gezeigt, wo du als Kind unterwegs warst.
Solche Erinnerungen können einen unscheinbaren Weg unverwechselbar machen. Für andere ist er eine Verbindung zwischen zwei Orten. Für dich gehört vielleicht ein bestimmter Mensch dazu, ein Gespräch, eine Jahreszeit oder das Gefühl, nach einer langen Fahrt bald angekommen zu sein. Heimat lässt sich dann an etwas sehr Konkretem festmachen: an einer Reihe Bäume, die du wiedererkennst.
Gerade bei Linden lohnt sich auch ein Blick auf die Geschichten rund um den Baum. Unser Porträt über die Linde und ihre kulturelle Bedeutung greift diese Verbindung zwischen Natur und menschlichem Alltag auf.
Dieselben Bäume, ein anderer Blick
Eine Allee lässt sich zu jeder Jahreszeit neu entdecken. Im Frühjahr fällt der Blick auf das frische Laub, im Sommer auf das Licht zwischen den Blättern. Im Herbst verändert sich die Farbe des Weges. Im Winter treten die Stämme und Verzweigungen hervor. Das Siegerfoto von Rügen gibt einen schönen Anstoß, auch vertraute Landschaften einmal außerhalb ihrer gewohnten Ansicht wahrzunehmen.
Du könntest beim nächsten Spaziergang an einem sicheren Platz kurz stehen bleiben und genauer hinsehen: Welche Formen erkennst du? Was hat sich seit dem letzten Besuch verändert? Was ist genauso geblieben? Eine solche kleine Beobachtung passt zu unserem Gedanken der Entschleunigung im Alltag: dem vertrauten Umfeld wieder etwas Aufmerksamkeit schenken.
Heimat bewahren heißt auch, Bäume zu erhalten
Mit dem Wettbewerb möchte der BUND die Schönheit und Schutzwürdigkeit von Alleen sichtbar machen. Die Baumreihen spenden Schatten, bieten Lebensraum für zahlreiche Arten und prägen die Kulturlandschaft. Zur Auszeichnung betont der Verband deshalb auch die Bedeutung des Erhalts alter Alleen und kontinuierlicher Nachpflanzungen.
Für einen vertrauten Weg sind solche Nachpflanzungen eine Investition in seine Zukunft. Ein junger Baum braucht Zeit, um die Erscheinung eines großen, alten Baumes zu erreichen. Wer heute eine Lücke schließt und den Baum über die nächsten Jahre gut pflegt, trägt dazu bei, dass auch die nächste Generation hier eine Allee erleben kann.
Wenn dir eine Baumstraße besonders am Herzen liegt, kannst du bei deiner Gemeinde oder einer örtlichen Naturschutzgruppe nachfragen, ob es eine Alleenpatenschaft oder eine gemeinsame Pflanzaktion gibt. Eine weitere Möglichkeit ist, ihren Wandel festzuhalten: mit Bildern aus verschiedenen Jahren und den Geschichten der Menschen, die dort unterwegs waren.
Schreibe zu älteren Aufnahmen möglichst dazu, wo sie entstanden sind, wen sie zeigen und welche Erinnerung dazugehört. Dieser Gedanke begegnet uns auch beim Bewahren von Familienerbstücken: Die überlieferte Geschichte hilft späteren Generationen, die persönliche Bedeutung zu verstehen.
Allee des Jahres 2026
Welche Allee gehört zu deiner Heimat?
Die Auszeichnung auf Rügen möchten wir zum Anlass nehmen, eure eigenen Erinnerungsorte kennenzulernen:
Welche Allee gehört für dich zu deiner Heimat – und welche Erinnerung verbindest du mit ihr?
Erzähle uns davon in den Kommentaren. Einige persönliche Sätze reichen völlig. Besonders freuen wir uns über diese Angaben:
Der Ort: Wo liegt die Allee, zwischen welchen Orten verläuft sie?
Deine Verbindung: War sie dein Schulweg, ein Ausflugsziel oder der Weg zu einem vertrauten Menschen?
Die Erinnerung: Welche kleine Begebenheit fällt dir als Erstes dazu ein?
Wenn du außerdem ein selbst aufgenommenes Foto beisteuern möchtest, erwähne das gern in deinem Kommentar. Hilfreich wären der Aufnahmeort und das ungefähre Aufnahmejahr. Aus ausgewählten Einsendungen könnte später eine eigene Heimatwurzel-Bilderstrecke entstehen. Eine Veröffentlichung deines Bildes würden wir vorher mit dir abstimmen.
Die Allee des Jahres 2026 lenkt den Blick auf eine besondere Baumstraße auf Rügen. Vielleicht führt deine eigene Erinnerung zu einer ganz anderen Allee – zu einem Weg, den bisher kaum jemand kennt und dessen Geschichte du uns erzählen kannst.
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